Mit Draht und Werbeschildern unterwegs für den Zirkus

Lesedauer: 5 Min
 Gelernter Koch, ehemaliger Schafhirte, studierter Grafiker, Mediaberater und aktiver Plakatierer: Ben Bensberg aus Stockach.
Gelernter Koch, ehemaliger Schafhirte, studierter Grafiker, Mediaberater und aktiver Plakatierer: Ben Bensberg aus Stockach. (Foto: Stefanie Böck)
Schwäbische Zeitung

An der Uferpromenade in Lindau. Auf dem Gipfel in Damüls. Am Baumwipfelpfad in Sonthofen. Überall hängen riesige Tafeln mit der Aufschrift „Ravensburger Weihnachtscircus“. 10 000 Mal sind Zirkusdirektor Elmar Kretz, seine Pferde, die Trapezkünstler und die Clowns unter dem markanten Schriftzug zu sehen: an Laternen, an Gartenzäunen, an Bushaltestellen.

Dahinter steckt Ben Bensberg. Der studierte Grafikdesigner und Mediaberater aus Stockach ist „Fachkraft für Außenwerbung“ und drahtet zur Zeit unter Hochdruck die Werbung an alle wichtigen Stellen. Seinen Job bereitet er Monate vor seiner Tour sorgfältig vor: „Wir rufen die Stadtverwaltungen an, füllen Anträge aus und kennzeichnen die Plakate mit entsprechenden Klebern.“

Für den Weihnachtszirkus bestücken er und sein neunköpfiges Team in einem rund 100 Quadratkilometer großen Gebiet etliche Straßen, Parkplätze und Kreuzungen. „Wir fahren jedes Weiler an.“ Und das seit über zehn Jahren. Aus knapp 50 Gemeinden liegen dem gebürtigen Kölner rund 900 Genehmigungen vor. Dafür fallen beim Veranstalter Gebühren in Höhe von etwa 4000 Euro an. „Ohne geht es aber nicht“, sagt Bensberg. Plakatwerbung gehöre seit Jahrzehnten zum Zirkus. „Das hat in dieser Branche Tradition.“

Organisatorisch knifflig wird es nur kurz vor Weihnachten: Denn die meisten Genehmigungen gelten im Schnitt nur zwei bis vier Wochen vor der Veranstaltung. Da muss der gebürtige Kölner auf Zack sein, um alles rechtzeitig abzudecken.

Neben den öffentlichen Flächen nutzt sein Team deshalb auch private Grundstücke. „Da klingeln wir bei jedem einzelnen und fragen, ob wir plakatieren dürfen.“ Beim Weihnachtszirkus funktioniere das recht gut: „Die Shows haben immer ein abwechslungsreiches Programm mit einem hohen Niveau – also einen sehr guten Ruf. Das schätzen die Leute. Da ist es natürlich einfach für mich.“

Viele Haushalte kennen den fröhlichen, dunkelhaarigen Mann mit dem weißen Auto bereits – und er sie. Denn Bensberg ist seit über zehn Jahren für den Weihnachtszirkus unterwegs. Veränderungen gäbe es immer wieder. Diesen Herbst erklärte ihm ein älterer Herr im Allgäu, dass er die Plakate natürlich gerne „wie immer“ aufhängen dürfe. Aber der Weihnachtszirkus müsse ab jetzt ohne ihn auskommen. „Mir war klar, dass er die Premiere nicht mehr erleben wird. Das ist dann schon irgendwie hart.“

In solchen Situationen braucht der Bensberg einen Moment, bis er es schafft, den Standort zu fotografieren und in die App mit der GPS-Karte einzutragen. „Da bist du erst mal sprachlos.“ Nach so einer Begegnung tue ihm dann die Ruhe im Auto ganz gut. Die stillen Strecken zwischen den Städten und Gemeinden.

300 bis 400 Kilometer fährt der Familienvater in der Hochsaison beim Plakatieren pro Tag. Wenn es knapp wird, schläft der 39-Jährige sogar in seinem Sprinter, um keine Zeit zu verlieren. Für viele eine Qual, für Ben Bensberg ein Geschenk: „Wir wohnen in einer wahnsinnig schönen Ecke hier.“ Er genießt es unterwegs zu sein. Und draußen. „Das kenne ich von meiner Zeit als Schäfer“, erzählt er. „Ich habe eine Zeit lang eine Herde auf dem Feldberg gehütet.“ Ihm machen auch eisige Temperaturen und widrige Wetterbedingungen nichts aus. „Ich bin total gerne draußen. Beim Plakatieren begegnest du total vielen Menschen. Und dazwischen irgendwie auch immer wieder dir selbst.“

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen