Mit der SZ auf den Spuren der Welfen

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Helmut Voith

Das Interesse an der Geschichte der Region ist groß im Mittleren Schussental. Nach der Leserfahrt auf den Spuren der Humpis im Juni war die „Schwäbische Zeitung“ deshalb nun auf den Spuren der Welfen in Weingarten und Ravensburg unterwegs. Da es an einigen Orten recht eng wurde, musste die Teilnehmerzahl auf 30 begrenzt werden. Die Veranstaltung war so begehrt, die Warteliste so lang, dass sie am kommenden Freitag, 20. Oktober wiederholt wird.

Grau war der Morgen, das Schussental lag noch im Nebel, als die 30 Teilnehmer die vielen Stufen zur Basilika hochstiegen. Oben warteten Uwe Lohmann, Stadtarchivar und Museumsleiter in Weingarten, und Andreas Schmauder, Stadtarchivar und Leiter des Museums Humpisquartier in Ravensburg. Einige kannten sich schon von vorausgehenden Veranstaltungen und Leserreisen nach Genua und Barcelona, alle waren gespannt. Auch diesmal war wieder Neues zu erfahren, auch für die, die ihre Heimatstadt eigentlich gut kennen.

Lohmann stellte zunächst die Basilika vor. 1056 hat Welf IV. das Benediktinerkloster gegründet –unter anderem auch als Begräbnisstätte für sein Adelsgeschlecht. „Die Welfen sind keine Raubritter, sondern absoluter Hochadel wie die Staufer und Zähringer, verwandt mit Königen und Kaisern“, erläuterte Schmauder und richtete, anknüpfend an die Hexenausstellung, die Blicke auf ein Deckengemälde zur Heilig-Blut-Reliquie: Sie soll vor dem Hexenzauber geschützt haben. Beide Archivare ergänzten sich immer wieder. Eng wurde es in der normalerweise nicht zugänglichen, 1859/60 restaurierten Welfengruft, in der die sterblichen Überreste von neun Mitgliedern der Welfen in einem Granitmarmorsarkophag ruhen.

Auf die Frage, ob die Nachkommen der Welfen sich noch dafür interessierten, erzählte Schmauder von einem Angehörigen des Hauses Hannover, der vor einigen Jahren an einer Tagung über die Welfen teilgenommen und diese anschließend auch gesponsert habe.

Der Weingartener Archivar zeigte die Kopie des Braunschweiger Löwen im Hof und erzählte beim Abstieg nach „Altdorf“, wie Weingarten früher hieß, von der Welfensage, die in einer Figurengruppe und auf Fresken am Rathaus dargestellt ist. Am Alamannenmuseum und am Kreuzberg-Friedhof vorbei, wo das Frauenkloster mit der ersten Begräbnisstätte der Welfen gestanden hatte, ging es nun ins Museum im Schlössle. Von den Welfen gibt es hier keine Exponate, keine Waffen oder Kleidungsstücke zu sehen, dafür kann man bei einer Stammtafel Schubladen aufziehen und detaillierte Informationen über die wichtigen Vertreter bekommen, beispielsweise einen frühen Bischof von Konstanz.

Schmauder erläuterte, wie viel die Welfen für Weingarten und Ravensburg getan, wie sie das Schussental geprägt haben. Ihren Sitz verlegten sie von Altdorf-Weingarten nach Ravensburg, weil das 225 mal 80 Meter große Plateau auf 525 Metern Höhe besonders gut zu verteidigen war. Vor den Augen der Teilnehmer entstand das Bild der mächtigen Veitsburg, genannt nach der dem heiligen Veit geweihten Kapelle. Eingehend erläuterte Schmauder die Anlage, eine der größten welfischen Burganlagen in ganz Süddeutschland.

Eine Burg brauchte unbedingt einen Ort, von dem aus sie versorgt werden konnte. Auch dafür eignete sich, wie Schmauder erläuterte, der Standort, an dem sich mit der Römerstraße und der alten Fernstraße aus dem Allgäu Richtung Meersburg zwei wichtige Handelswege kreuzten und zudem die Schussen-Furt ganzjährig passierbar war. Das alles erfuhr man am Nachmittag, der nach einer zweistündigen Mittagspause auf der Veitsburg startete. Auf eine Frage wartete man hier oben vergebens: Wo, wenn schon nicht hier, ist Heinrich der Löwe, der Neffe Welfs VII., geboren?

Bei herrlichem Sonnenschein und klarer Sicht genoss man beim Abstieg den Blick über das Schussental. Unterhalb des Mehlsacks ist zur Welfenzeit die Stadt gegründet worden und der Marktplatz entstanden, Gebäude stehen zum Teil noch auf Fundamenten aus dieser Zeit. Anhand von Baumringen hat man beispielsweise im original welfischen Haus der „Galerie 21.06“ Deckenbalken auf 1179 datieren können, man sieht noch die Stelle, an der die Probe entnommen wurde. Holz war damals der wichtigste Werkstoff, man fand es im weitläufigen Altdorfer Wald.

Stolz wies Schmauder auf weitere herrschaftliche Häuser hin, ehe es ins Museum Humpisquartier ging, wo im recht dunklen Kellergewölbe noch Fundstücke der Welfen zu sehen sind, so das ungewöhnlich modern wirkende bronzene Kruzifix aus dem 12. Jahrhundert. Hierher wurde die Mauer eines nahen Steinhauses versetzt. Wie Funde zeigten, handelt es sich um Reste des Hauses eines Lederherstellers, Reste des ältesten Steinhauses in Baden-Württemberg. Der dort gefundene Schlüssel sieht kaum anders aus als die, die im 20. Jahrhundert noch in Gebrauch waren.

Am Ende des Tages gab es herzlichen Beifall für die beiden Referenten, die einen so spannenden Blick in die Vergangenheit geworfen hatten.

Der Ausflug auf den Spuren der Welfen wird am Freitag, 20. Oktober, von 10 bis 16 Uhr wiederholt und kostet 15 Euro für alle Führungen und Museumseintritte. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt. Anmeldungenwerden unter 0751/2955 5750 entgegengenommen. Bitte Abo-Karte bereithalten.

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