Mit dem Motorrad auf die legendäre Seidenstraße

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Fünf Oberschwaben rocken die Seidenstraße: Herbert Büchele, Klaus-Dieter Jehle, Andreas Graeter, Karl Frehner und Erich Renn.
Fünf Oberschwaben rocken die Seidenstraße: Herbert Büchele, Klaus-Dieter Jehle, Andreas Graeter, Karl Frehner und Erich Renn. (Foto: privat)
Schwäbische Zeitung
Adelinde Schwegler

Drei Monate, drei Motorräder, 18 Länder, 22000 Kilometer und Endziel Nepal. Auf diesen kurzen Nenner lässt sich das Abenteuer bringen, zu dem fünf Männer im besten Alter (wie sie selber sagen) am Freitag in Schmalegg-Hagenbach mit ihren Motorrädern aufgemacht haben: Klaus-Dieter Jehle aus Mochenwangen, Karl Frehner aus Fronhofen-Hübschenberg, Andreas Graeter aus Senden, Herbert Büchele aus Schmalegg und Erich Renn aus Neuhagenbach. Sie sind Physiotherapeut, Landwirt, Grafiker, Schlosser, Spediteur. In 13 Wochen wollen sie wieder zurück sein.

Mit 50 durch die Welt

„Am 17. September hebt der Flieger in Kathmandu zur Rückreise ab, ob mit oder ohne uns“, sagt Klaus Dieter Jehle am Tag bevor es losging; ihre Maschinen reisen dann per Schiff hinterher. Es war keine Bierlaune, aus der heraus die fünf Freunde starteten. Zwei von ihnen waren mit dreißig auf Motorradsafari in Ägypten, und schon damals reifte der Plan, irgendwann auf der legendären Seidenstraße bis Nepal zu fahren. „Wenn nicht jetzt, wann dann“, habe selbst seine Frau gesagt, als er zu Hause mit den Reiseplänen herausrückte, erzählt Jehle. Inzwischen haben alle den 50. Geburtstag hinter sich, ihre familiäre wie die berufliche Situation lassen die Reise zu und auch die betagten Maschinen scheinen fit genug, um ihre Fracht von Süddeutschland auf Stollenreifen zu den ehemaligen Kamelpfaden der Seidenstraße über China bis nach Nepal zu rollen.

Dabei werden die gut 20 Jahre alten Yamaha Tenérés Allweg-Straßenverhältnisse und jede Menge Fracht aushalten müssen. Nicht nur dass die fünf ordentlich „Körperfettvorratung“ betrieben haben, weil auf der anstrengenden Tour mit zehn und mehr Kilo Gewichtsabnahme zu rechnen ist, es muss auch eine ganze Menge Gepäck mit auf die Reise. Denn auf ein Begleitfahrzeug werde „bei der silkroad experience 2014“ ebenso verzichtet wie auf die heute übliche Hightech-Ausstattung moderner Motorräder, heißt es im Internet-Blog der Freunde, in dem sie auch berichten, wie sie ihre Enduros mit Eigenkonstruktonen und Equipment aus Baumarkt und Sanitärhandel bestückten. „Nicht immer für einen Schönheitspreis geeignet, aber praktisch und konsequent dem Low- Budget-Prinzip (Niedrigpreisgrundsatz, die Red.) der betagten Einzylinder-Legenden folgend.“

Man mag sich gar nicht vorstellen, was diese Easy Rider alles durch die Welt schleppen: Klamotten und Reiseführer natürlich, aber auch Zeugs vom Kupplungszug bis zur Sicherheitsnadel und vom Campingzelt bis zum Ohrstöpsel. Eine ganze Ladung Nussriegel als Notration und Wasserkanister sind ganz wichtig. Wo das alles verstaut wird,ist in einer langen Liste festgelegt. Und für die ganz wichtigen Dinge wie Platz fürs Klopapier und ein „Handwaschbecken“ und den Kochtopf wurden Eigenkonstruktionen am Fahrzeug angebracht. Letzterer heizt sich während der Fahrt bis zu 90 Grad auf, sodass es zum „Maggi Kochstudio ob silkroad“ nicht weit war, zumal Karle Frehner schon seit fast zehn Jahren auf diese Weise seine Suppen und Eintöpfe zubereitet.

Essen vom rollenden Kochstudio

Aber nicht nur der „Ritt“ über die alte Seidenstraße verspricht spannend zu werden, Nervenkitzel hatten die fünf schon während der ganzen Vorbereitungszeit. Anfang des Jahres starteten sie ihren Visa-Marathon. „Usbekistan ließ sich fast sechs Wochen Zeit und brachte unseren Visa-Plan gleich zu Beginn ganz schön ins Wanken“, so die Seidensträßler. Inzwischen passt alles, wenn sie sich an die Termine halten können. Ganz wichtig: Beim China-Transfer gelten die Papiere nur für die komplette Truppe, nicht für einen weniger, und er muss zwischen dem 4. und 8. August stattfinden. Also ist jedem der fünf klar: „Bis zum Grenzübertritt zum Karakorum Highway in Pakistan sollten wir uns also auf jeden Fall verstehen.“

Weitere Infos über die Reise bis zur Seidenstraße unter http://seidenstrassenrocker.blogg.de.

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