Messungen überprüfen die belastete Ravensburger Luft

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Vor allem der Verkehr ist für hohe Stickoxidbelastung in Städten verantwortlich. In Ravensburg wird das nun überprüft.
Vor allem der Verkehr ist für hohe Stickoxidbelastung in Städten verantwortlich. In Ravensburg wird das nun überprüft. (Foto: dpa)
Schwäbische Zeitung
stellv. Redaktionsleiter

Während in der Stadt Stuttgart Feinstaubalarm ausgerufen ist, wird die Luftbelastung in Ravensburg noch gemessen: Seit Anfang Januar läuft an vier Standorten eine Überprüfung der Luftqualität. Ein Jahr lang sollen die Messungen dauern.

Die Ravensburger Luft ist aufgrund der Lage der Stadt im Schussenbecken belastet, das ist seit Jahren klar. Dennoch gibt es keine validen Zahlen, die die Grundlage für ein politisches Vorgehen bilden könnten. Der Gesetzgeber verlangt amtlich anerkannte Messungen, um - bei Übersteigen der Grenzwerte - einen Luftreinhalteplan zu erstellen. Dessen Konsequenz könnten Umweltzonen oder Fahrverbote sein.

2010/11 gab es im Auftrag des Gemeindeverbands Mittleres Schussental Schadstoffmessungen, deren Ergebnisse aber vom Regierungspräsidium Tübingen nicht anerkannt wurden. Der Grund: Der Zeitraum wie die Standorte der Messpunkte seien falsch gewählt worden, so die Tübinger Behörde. Dabei waren die Ergebnisse alarmierend. Das damalige Abschlussgutachten sprach von einer Schadstoffbelastung mit „erheblichen Gesundheitsgefahren“. Das Regierungspräsidium interpretierte das Ergebnis hingegen anders und sprach von „relativ geringen“ Grenzwertüberschreitungen.

Die Agendagruppe Oberstadt führte aus Enttäuschung darüber eigene, punktuelle Messungen an 20 Stellen in Ravensburg durch. Die Bürgergruppe räumte ein, dass ihre Überprüfung stichpunktartig und nicht repräsentativ sei. Dennoch kamen diese Momentaufnahmen zu einem eindeutigen Ergebnis: „An keinem Punkt lag die Luftbelastung unterhalb des Grenzwerts“, sagte im Herbst 2013 Agenda-Vertreter Dieter Fuchs der „Schwäbischen Zeitung“.

Die Oberstadt-Agenda drängte daher auf verschiedenen politischen Ebenen auf neuerliche, amtliche Messungen. Zunächst mit Erfolg. Im Frühjahr 2015 kündigte das Landesamt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg (LUBW) an, 2016 die Schadstoffbelastung der Ravensburger Luft zu analysieren. Im November kam dann der Rückzieher. Vorabuntersuchungen, bei denen die Luftqualität anhand von Verkehrszählungen hochgerechnet wurde, hätten ergeben, dass die Grenzwerte bei Feinstaub und Stickstoffoxiden eingehalten seien, so das LUBW im vergangenen Jahr. „Aus diesem Grund werden in Ravensburg im Jahr 2016 (und in den Folgejahren) keine Spotmessungen durchgeführt“, sagte damals LUBW-Mitarbeiterin Sabrina Krabbe.

Vier Messpunkte in der Stadt

Daraufhin intervenierte die Agendagruppe Oberstadt bei der Ravensburger Stadtverwaltung, und zwar mit Erfolg. Seit Jahresbeginn überprüft die Dekra nun im Auftrag der Stadt an zwei Stellen in der Schussenstraße sowie an einer in der Grüner-Turm-Straße die Belastung mit Stickoxiden. Die Oberstadt-Agenda misst - auf eigene Kosten, falls keine Unterstützer zu finden sind - zudem in der Oberen Marktstraße.

Sollten bei den Messungen Grenzwertüberschreitungen ermittelt werden, muss die Stadt einen Luftreinhalteplan erstellen, der rechtlich verbindlich ist. Heißt: Setzt sie ihn nicht um, kann jeder Bürger sein Recht auf saubere Luft vor Gericht einklagen.

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