Menschen bilden digitale Kette gegen Rechts

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Sind Teil der digitalen Menschenkette (von links): Dieter Grupp, Geschäftsführer des ZfP Südwürttemberg, Made Höld, Mitinitiator (Foto: Stefanie Rebhahn)
Anton Wassermann

Das erste Foto einer digitalen Menschenkette gegen braunes Gedankengut und Intoleranz steht seit Montagmittag im Netz. Es zeigt den Ravensburger Oberbürgermeister Daniel Rapp mit dem Geschäftsführer des ZfP Südwürttemberg, Dieter Grupp. Gemeinsam halten sie ein rotes T-Shirt in die Kamera mit der Aufschrift „Oberschwaben ist bunt“.

Mindestens 5000 weitere Frauen und Männer aus der Region sollen es ihnen in den kommenden Wochen und Monaten gleichtun und auf diese Weise öffentlich bekunden, dass sie für ein friedliches Miteinander von Menschen unterschiedlicher Herkunft und Hautfarbe stehen.

Die Idee zu dieser Aktion, so berichtete ihr Sprecher Made Höld bei einer Pressekonferenz im Ravensburger Rathaus, kam einer Gruppe von behinderten und nicht behinderten Menschen, als sie eine Großveranstaltung zum Holocaust-Gedenktag 2014 planten. Am 1. Februar, also vier Tage nach dem offiziellen Gedenktag, soll in der Oberschwabenhalle eine Veranstaltung steigen, die vor allem junge Menschen anspricht.

Geplant ist der Auftritt mehrerer zugkräftiger Bands. Im Hintergrund sollen dann in einer Endlosschleife auf einer Großbild-Leinwand die Fotos der Menschen gezeigt werden, die mit ihren Köpfen für Toleranz und ein friedliches Zusammenleben werben. Welche Bands kommen werden, steht allerdings noch nicht fest. „Die toten Hosen“, „Die Ärzte“ oder „Die Sportfreunde Stiller“ werden allerdings nicht kommen. Gründe für ihre Absagen nannten sie aber nicht. Der Termin kam für sie wohl zu kurzfristig.

Eigentlich sollte diese Aktion ein regionales Projekt sein, berichtete Made Höld. Doch als er darüber bei einer Veranstaltung der Bundeszentrale für politische Bildung berichtete, sei er ermuntert worden, das Vorhaben so anzulegen, dass sich auch andere Regionen anschließen können. Auch Fanclubs von Fußballvereinen sollen angesprochen werden. Unterstützt wird die Aktion unter anderem vom Bundesfamilienministerium.

Der Stadt Ravensburg stehe ein solches Projekt gut zu Gesicht, meinte Oberbürgermeister Daniel Rapp: „Hier leben Menschen aus mehr als hundert Nationen.“ Bereits im späten Mittelalter habe Ravensburg Handel mit aller Welt getrieben. „Katholiken und Protestanten pflegten hier ein friedliches Nebeneinander, als sich die Konfessionen in anderen Städten blutig bekämpften. Wir wollen aber, dass die unterschiedlichsten Bevölkerungsgruppen nicht nur friedlich nebeneinander, sondern in gegenseitiger Achtung und Toleranz miteinander leben“, betont Rapp. Die rechte Szene trete hier zwar nicht offen zu Tage; aber braunes Gedankengut geistere auch in Ravensburg durch viele Köpfe. Dem gelte es, offen entgegen zu treten, zumal die Stadt das Zentrum für das Gedenken nationalsozialistischer Verbrechen an psychisch kranken und geistig behinderten Menschen sei.

„Hier haben wir eine besondere Verantwortung“, sagte Dieter Grupp, Geschäftsführer des ZfP Südwürttemberg. Allein aus Weißenau seien 691 Menschen ermordet worden. Es sei ihm ein besonderes Anliegen, auch die Jugend für die Überzeugung zu gewinnen, dass Hass und Ausgrenzung in unserer Gesellschaft keinen Platz finden dürfen.

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