Mehr Waffenkontrollen sollen Gerichtssäle sicherer machen

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Der Leiter der Sicherheitsgruppe Ulm, Wolfgang Braun, kontrolliert die Besucher des Amtsgerichts Ravensburg.
(Foto: Fotos: Sarah Schleiblinger)
Sarah Schleiblinger

Ein Scanner, der auf metallene Gegenstände reagiert, gelbe Kisten, gefüllt mit Smartphone, Portemonnaie und Kleingeld und Polizeibeamte in Uniform und Handschellen: So ein Bild bekommen Reisende an Sicherheitsschleusen am Flughafen. Aber auch Besucher des Amtsgerichts Ravensburg sind am Donnerstag angewiesen worden, vor ihrem Eintritt durch einen lebensgroßen Scanner zu gehen. Denn: Zum ersten Mal haben im Gericht in der Herrenstraße sogenannte anlassunabhängige Einlasskontrollen stattgefunden – damit gefährliche Gegenstände wie Messer, Schere oder Pfefferspray nicht mit in den Gerichtssaal kommen.

Drei Männer mit tief ins Gesicht gezogenen Mützen betreten das Amtsgericht. Sie werfen einen kurzen Blick auf den Durchgangsbogen und die beiden Tische, die rechts und links daneben stehen. Der erste von ihnen geht dann die drei Treppenstufen hinauf – und wird von einem uniformierten Mann gestoppt. „Heute finden anlassunabhängige Kontrollen statt. Bitte legen Sie Ihre Wertgegenstände in diese Kiste“, sagt er. Der Besucher hält inne und blickt den Beamten mit großen Augen an. „Das ist aber nicht üblich. Ist das jetzt wegen der Verhandlung gleich?“, fragt er mürrisch. Der Angestellte schüttelt den Kopf: „Nein, das hat damit nichts zu tun.“

Tatsächlich steht der Termin schon seit Dezember fest. Welche Verhandlung an diesem Tag sein würde, das wusste Matthias Grewe, Leiter des Amtsgerichts, noch nicht. „Das ist aber auch nicht so wichtig“, sagt er. „Wichtig ist nur, dass in der Zukunft jeder damit rechnen muss, kontrolliert zu werden.“

Weitere Kontrollen folgen

Die Kontrolle ist am Amtsgericht die erste, die als Stichprobe durchgeführt wird. Weitere sollen in „unregelmäßig regelmäßigen Abständen“ folgen. Vollkommen neu ist die Prüfung nicht für die Beamten, bei größeren Verhandlungen ist es schon Usus, dass nachgeschaut wird, was Angeklagte und Zeugen in den Taschen mit sich führen.

Es sind nur noch zehn Minuten bis zum ersten Prozess. Die Besucher lassen die Kontrollen über sich ergehen: Sie legen Metallgegenstände, die sie aus ihren Hosentaschen herausfischen, in eine gelbe Kiste, gehen durch den Durchgangsscanner und strecken dann, als es laut piept, automatisch die Arme zur Seite aus. „Das ist ja wie am Flughafen“, sagt eine Frau mit bunter Mütze. Mit einem kleineren Scanner wird auch sie abgesucht und ihre Tasche wird durchsucht. Dann darf sie durch.

„Wir wollen mit der Aktion niemanden erschrecken“, sagt Grewe. Aber es geht um Sicherheit. Und darum, dass alle Beteiligten eines Prozesses unversehrt nach Hause gehen können. „Für manche gehört das Messer eben zur Tagesausrüstung.“ Und wenn jemand – ob Angeklagter, Zeuge oder Zuschauer – in der Urteilsverkündung ausratstet, dann besser ohne Messer. „Die Urteilsverkündung ist der emotionalste Moment einer Verhandlung“. so Grewe. „Da kann niemand einschätzen, wie die Beteiligten sich verhalten.“

Wolfgang Braun tippt mit seinen schwarzen Schuhen auf den Boden, seine Handschuhe zieht er ab und an zurecht. Er ist verantwortlich dafür, dass bei den Kontrollen alles glatt läuft. Der 54-Jährige ist der Kopf der fünfköpfigen Sicherheitsgruppe Ulm und mit seinen Kollegen für 32 Behörden in den Bezirken Ellwangen, Ulm und Ravensburg zuständig. „Wir sind quasi auf der württembergischen Ostschiene unterwegs“, sagt er.

Braun hat schon so einiges bei Kontrollen entdeckt. „Einmal haben wir ein Pfefferspray in den Tiefen einer Handtasche entdeckt. Die Frau war froh darüber – sie war schon auf der Suche nach ihm.“

In Ravensburg fällt der Test am Donnerstag fast immer negativ aus: Gefunden und für die Dauer des Besuchs in Verwahrung genommen haben die Beamten ein kleines Messer. Und eine Schere.

Wie so eine Kontrolle aussieht, das zeigen wir Ihnen in einem Video unter

www.schwaebische.de/Einlasskontrollen

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