Massive Anwohnerproteste gegen neue Wohnungen

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Mehrere dieser Mehrfamilienhäuser unweit der Meersburger Straße in der Ravensburger Weststadt sollen weg, um Platz für mehr ver
Mehrere dieser Mehrfamilienhäuser unweit der Meersburger Straße in der Ravensburger Weststadt sollen weg, um Platz für mehr verdichteten Wohnraum zu schaffen. (Foto: Bernd Adler)
stellv. Redaktionsleiter

In Ravensburg fehlen Wohnungen. Nicht zuletzt deshalb hat der Gemeinderat die Initiative des Bau- und Sparvereins mehrheitlich begrüßt, in der Weststadt 104 neue Wohnungen zu bauen. Viele Anwohner in der Galgenhalde sind hingegen nicht begeistert. Sie fürchten nicht nur die lange Bauzeit, sondern auch die dauerhafte Veränderung ihres Quartiers.

6800 Quadratmeter Wohnfläche soll zwischen Meersburger Straße und Absenreuterweg, quer gegenüber des Feneberg-Marktes in der Ravensburger Weststadt, geschaffen werden. Der Bau- und Sparverein plant 104 neue Wohnungen; mehrere alte, unsanierte Mehrfamilienhäuser mit 33 Wohneinheiten sollen dafür abgerissen werden. Der Gemeinderat hat diese Baupläne bei einer Enthaltung genehmigt.

Widerstand gegen dieses Bauvorhaben hat es in der Vergangenheit bereits bei den direkt betroffenen Nachbarn gegeben. Franz Ruile, Sprecher der Agendagruppe Weststadt, hatte daher in einem Schreiben an die Stadtverwaltung die Bedenken der Anwohner dargelegt, verbunden mit Änderungswünschen. Die Stadt reagierte darauf nicht. Bürgermeister Dirk Bastin sagte im Gemeinderat, das Antwortschreiben sei „irgendwo untergegangen“ und entschuldigte sich schriftlich bei Ruile für diese „Kommunikationspanne“.

Die Verärgerung der Weststadt-Agenda wurde durch diese Entschuldigung nicht verringert. Der „Schwäbischen Zeitung“ sagte Franz Ruile, er selbst und viele Anwohner seien über den aktuellen Beschluss des Gemeinderats „sehr enttäuscht“. Das Bauverfahren, das beschlossen wurde, habe nicht in einem Punkt die Wünsche und Bedenken der Nachbarn berücksichtigt.

„Wir, die Agendagruppe Weststadt, befürworten zusammen mit unseren Bürgern der Weststadt die Schaffung von Wohnraum und sehen dies auch als eine Notwendigkeit für die Zukunft, aber nur unter der Bedingung von einer erträglichen, vorsorglichen, zukunftsorientierten und ganzheitlichen Planung mit Bürgerbeteiligung“, sagte Ruile der SZ. Die Wut sei bei den Nachbarn groß, weil die Verwaltung „auf betroffene Bürger keine Rücksicht nimmt und autokratisch Bauprojekte manifestiert ohne eine Bürgerbeteiligung.“

Dabei habe die Weststadt-Agendagruppe mehr als einmal Vorschläge vorgebracht, um zu einer Entspannung bei dem geplanten Bauprojekt in der Galgenhalde beizutragen. Franz Ruile nannte fünf konkrete Punkte, die die Ravensburger Stadtverwaltung unberücksichtigt gelassen habe:

Die geforderte Verkürzung der Bauzeit von sieben auf vier Jahre

Die Schaffung von Ersatzparkplätzen während der Bauphase

Die Schaffung von zusätzlichen Kita- und Grundschulplätzen in der Weststadt zum Zeitpunkt der Fertigstellung des Projekts

Eine Verkehrsanalyse für die Zeit der Bauphase und danach mit entsprechenden Lösungsvorschlägen

Eine ganzheitliche Lösung der Verkehrs- und Parksituation in der gesamten Galgenhalde vor Beginn eines neuen Großprojekts.

Grundsätzlich kritisiert Franz Ruile bei allen großen Bauprojekten in Ravensburg, dass Themen wie Kita- und Schulplätze oder dadurch entstehende Verkehrsprobleme von der Stadtverwaltung ignoriert würden. „Darum kümmert sich niemand“, sagte der Agendasprecher, „dabei sollte man doch erst passende Rahmenbedingungen schaffen, bevor man etwas Neues angeht.“

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