Lokalpolitiker Stefan Weinert will mit eigener Liste bei Kommunalwahl antreten

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 Stefan Weinert will mit einer eigenen Liste bei der Kommunalwahl im Mai 2019 für den Ravensburger Gemeinderat antreten.
Stefan Weinert will mit einer eigenen Liste bei der Kommunalwahl im Mai 2019 für den Ravensburger Gemeinderat antreten. (Foto: Karin Volz)

Derzeit sitzen sieben Parteien und Gruppierungen im Ravensburger Gemeinderat: CDU, Grüne, Bürger für Ravensburg, SPD, Freie Wähler, Unabhängige Liste und FDP. Mit Rave wären es dann acht. Ob die AfD antritt, ist unsicher.

Der 66-jährige Rentner Stefan Weinert aus Ravensburg hat eine neue kommunalpolitische Liste gegründet und will bei der Kommunalwahl am 26. Mai 2019 für den Ravensburger Gemeinderat kandidieren. Bislang hat er zwei Mitstreiter gefunden. Insgesamt hofft er auf acht bis zwölf Männer und Frauen, die sich bei „Rave“ engagieren wollen. „Rave“ steht für „Ravensburg ausgewogen vernünftig empathisch“ und ist bewusst eine Anspielung auf Techno-Tanzveranstaltungen, weil Weinert auch jüngere Leute ansprechen will.

Der frühere Sozialarbeiter Weinert, der in seinem Leben schon Mitglied der ÖDP, der SPD (gleich zweimal) und der Linken war, will sich bewusst von den bestehenden sieben Parteien und Wählervereinigungen im Ravensburger Gemeinderat abgrenzen, obwohl es schwerer ist, mit einer neuen Liste ins Stadtparlament zu kommen als auf dem Ticket einer schon etablierten Gruppierung oder Partei zu reisen.

Warum? Weil man sich bei den Etablierten „zehn, zwanzig, dreißig Jahre lang hocharbeiten muss, bis man gehört wird“. Und Weinert will sofort die Welt verbessern. Wenigstens die Ravensburger Welt. Zwar finde er vieles gut, was die „Bürger für Ravensburg“ fordern, aber auch diese würden im Gemeinderat „mauscheln“ und „für unvernünftige Sachen abstimmen“. Für unvernünftig hält Weinert beispielsweise die Sanierung der Marienplatztiefgarage, den Molldietetunnel oder den Abriss und Neubau der Kuppelnauschule.

Wer seine beiden Mitstreiter sind, will Weinert noch nicht sagen. Allerdings seien es nicht Alfred oder Winfried Schneider, die in zahlreichen Mails, Briefen, Petitionen und Flugblättern mit großem Verteiler immer wieder ihren Missmut über die Stadt Ravensburg zum Ausdruck bringen. Weinert, der selbst Phasen hat, in denen er mehrmals täglich Mails an Gemeinderäte, Stadtverwaltung und Journalisten schreibt, will sich im Fall seines Einzugs in den Gemeinderat nicht verbiegen lassen. Ebensowenig wie seine Vorbilder Jesus, Che Guevara, Rudi Dutschke und Nelson Mandela, mit denen er in einer Fotocoallage auf seiner Facebookseite vereint ist – in der Räuberhöhle sitzend. „Da fehlen noch Gandhi und Martin Luther King“, sagt er.

Er ist zwar zu Kompromissen bereit, wie er sagt, aber nur, wenn man ihn von einer Gegenposition zumindest teilweise überzeugt. Grundsätzlich hält er es für falsch, sich „aus diplomatischen Gründen zu einigen – oder um keine Wähler zu vergraulen“, wie das angeblich alle anderen Parteien und Gruppierungen tun würden.

Um zur Wahl zugelassen zu werden, braucht Rave nach der konstituierenden Sitzung 100 Unterstützungsunterschriften. Weinert ist sicher, sie zu bekommen. Schon als unabhängiger Bundestagskandidat im Wahlkreis Ravensburg hat er im vergangenen Jahr 220 Unterschriften gesammelt, wenngleich ihm dann tatsächlich nur 174 Menschen ihre Erststimme gegeben haben, „aber immerhin mehr als dem Kandidaten der Marxistisch-Leninistischen Partei“, sagt er ein bisschen stolz.

So wenige Stimmen würden bei weitem nicht reichen, um in den Ravensburger Gemeinderat zu kommen, aber Weinert ist überzeugt davon, dass er im Wahlkampf viele Menschen von seinen Themen überzeugen kann. An erster Stelle steht für ihn die Beseitigung der Wohnungsnot – was allerdings auch alle anderen Parteien und politischen Gruppierungen als wichtiges Thema erkannt haben. „Aber sie haben es nicht umgesetzt.“

Derzeit sitzen sieben Parteien und Gruppierungen im Ravensburger Gemeinderat: CDU, Grüne, Bürger für Ravensburg, SPD, Freie Wähler, Unabhängige Liste und FDP. Mit Rave wären es dann acht. Ob die AfD antritt, ist unsicher.

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