Letzte Blicke auf Advent und Weihnachten

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Zum Abschluss des Krippenspaziergangs singt das Vocal Collegium in der Liebfrauenkirche.
Zum Abschluss des Krippenspaziergangs singt das Vocal Collegium in der Liebfrauenkirche. (Foto: Voith)
Helmut Voith

Die Museumsgesellschaft, die evangelischen und katholischen Kirchengemeinden sowie Sänger und Musiker haben am Samstagnachmittag zum traditionellen ökumenischen Krippenspaziergang eingeladen. Das Thema reizt und lockt auch Menschen auch von weiter her an, wie eine Frau aus Bermatingen erzählt. Und es lohnt sich, weil sich in der Stadt wahre Schätze finden.

Hoch oben über Ravensburg in der Pfarrkirche St. Christina ist die erste Station. Orgel und Flöte begrüßen die Besucher, die die Kirche füllen. Mit leiser Wehmut stellt Pastoralreferent i.R. Hermann Schoch fest, dass es bedeutend mehr seien als bei den meisten Gottesdiensten dort oben. Auf den ersten Blick ist es eigenartig, Krippen zu besuchen, während vielerorts die Christbäume eingesammelt werden und einem in der Stadt schon die ersten Hexen begegnen. Doch laut Schoch genau der richtige Zeitpunkt, denn erst am Wochenanfang sind auch die heiligen drei Könige in die Krippe gekommen. Die bis zu 350 Jahre alten vollplastisch geschnitzten und farbig gefassten Holzfiguren in St. Christina gelten als die ältesten in Baden-Württemberg, möglicherweise stammen sie aus dem Umkreis der Zürn-Familie.

Herausragend und auf dem Einband des Fachbuches „Oberschwäbische Barockkrippen“ von Alfons Rudolph und Josef Anselm Adelmann abgebildet ist ein Hirt, der auf seiner Flöte voll Hingabe für das Jesuskind spielt. Anhand einer genaueren Betrachtung des heiligen Josef weist Schoch darauf hin, dass diese Figuren der Weihnachtbotschaft ein Gesicht, Hände und Füße geben, dass sie das Staunen vor dem unbegreiflichen Geheimnis, die Botschaft der Weihnacht vermitteln. Nach Liedern, Flöten- und Orgelspiel und Karl Heinrich Waggerls liebenswerter Erzählung vom Floh, der das Jesuskind zum Lächeln bringt, geht es hinunter zur evangelischen Stadtkirche. Ortsfremde schauen am besten, wohin die meisten Leute gehen, und laufen hinterher.

Fast schmucklos ist die Stadtkirche, eine einfache weihnachtliche Figurengruppe steht unter dem Christbaum. Die Krippe war früher bei den Katholischen daheim, Christbaum und Adventskranz haben evangelischen Ursprung, wie aus der einschlägigen Literatur zu erfahren. In der evangelischen Kirche hat das Wort einen starken Stellenwert, Gemeindegesang kommt hinzu. Pfarrer Philipp Jägle spricht grundlegende Gedanken, lässt Worte des Propheten Jesaia, das Warten im Advent und die weihnachtliche Festzeit bis zum Fest der Erscheinung Revue passieren. Noch einmal erklingen die Lieder „Ich steh an deiner Krippen hier“ und „Wie schön leuchtet der Morgenstern“.

Nach einer halben Stunde geht es weiter zur letzten Station, der katholischen Liebfrauenkirche mit der bemerkenswerten Weihnachtskrippe des Ravensburger Holzbildhauers Moriz Schlachter. Es sind unterwegs nicht weniger, sondern eher noch mehr Besucher geworden. Manche haben wohl gelesen, dass hier das Vocal Collegium Ravensburg unter der Leitung von Kirchenmusikdirektor Rudolf Schadt singen wird. In kunstvollem mehrstimmigem Gesang präsentieren sie Weihnachtschöre, „jauchzt und singt Halleluja“ klingt es in dem großen Kirchenraum. Hans-Joachim Ryssel spricht vom Unterwegs-Sein, weist auf den Verkündigungsengel über der Krippe, liest Weihnachtserzählungen. Wer will, darf am Ende ein Körnchen Weihrauch auf die Glut am Altar legen und erleben, wie es im Verglühen seine volle Kraft entfaltet.

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