Leitung der Lebenshilfe wechselt

Lesedauer: 4 Min

Gerold Rid hinterlässt ein wohl bestelltes Haus.
Gerold Rid hinterlässt ein wohl bestelltes Haus. (Foto: Rainer Kössl)
Schwäbische Zeitung
Rainer Kössl

Gerold Rid geht nach 31 Jahren Arbeit in der Lebenshilfe Ravensburg in den Ruhestand. Seine Nachfolgerin wird die Sozialarbeiterin Uschi Keller.

Der gebürtige Markdorfer Heilpädagoge Rid hat den Geist der Ravensburger Lebenshilfe, einer Freizeiteinrichtung für Menschen mit Behinderung, geprägt wie keiner. Geprägt in einem Geist der Menschenfreundlichkeit und Lebendigkeit. Er mochte seine Buben und Mädchen, seine Männer und Frauen. Seine ersten beruflichen Sporen verdiente er sich als Jugend-und Heimerziehung in Freiburg in der Arbeit mit, wie er es nannte, „verhaltensorginellen Jugendlichen“.

Rid redet grundsätzlich nicht von Behinderten sondern von Menschen mit einer Behinderung. Ganz wichtig ist ihm der pädagogische Grundsatz, „Empathie und Sympathie auch denen entgegenzubringen, die es einem nicht so leicht machen“. Der Heilpädagoge nennt dies Professionalität. Man könnte es auch Menschenliebe nennen.

Konzept der Leichtigkeit

Das Ridsche Konzept atmet Lebendigkeit aus. Man muss nur die monatlich erscheinenden Clubnachrichten lesen, um zu spüren, welcher Geist in diesem Hause weht. Da ist zum Beispiel von der „Affenbande“ die Rede, einem der sieben Clubs, in die die rund 100 Behinderte Menschen aufgeteilt sind. Oder von der Probe der „Theatergäng“. Diese teilt mit: „Wer es bisher nicht geschafft hat, das Theaterstück „Onkel Max und die Goldonis“ zu besuchen, der hat nun die letzte Chance sich das Spektakel doch noch anzusehen“. Oder ein Offenes Angebot an alle Besucher zwischen acht und siebzig Jahren: „Vorlesen. Kilian liest tolle Geschichten aus Frieder und seiner Oma vor.“

Eine aktuelle pädagogische Prämisse scheint dem nun ehemaligen Leiter der Lebenshilfe Ravensburg immer noch ein gewisses Unbehagen zu bereiten: die Inklusion, also das unmittelbare Zusammenleben von Menschen mit und ohne Behinderung. Er habe Kontakte hergestellt mit Pfadfindern und kirchlichen Gruppen. An gutem Willen habe es nicht gefehlt. Problem sei der häufige personelle Wechsel in den Besuchsgruppen gewesen. Rid: „ Aber genau das ist für Menschen mit Behinderung in der Lebenshilfe wichtig, immer wieder die gleichen Teilnehmer, ehrenamtliche Begleiter und BFD/FSJ’ler zu treffen.“

Oft gemeinsam Gesungen

Der Höhepunkte gibt es viele in dieser Erlebniswelt für behinderte Menschen. Ein Beauty-Tag mit sechs Stationen, an dem die Betreuer ihr Klientel verwöhnen: mit Massage, Hand-Peeling, Rasur, Frisur, Haut- und Fußpflege. Zweimal je elf Tage Sommerferien in Nauders in Südtirol für je 24 Behinderte Menschen. Viel, viel Singen aus dem hauseigenen Liederbuch. Der Hausvater Rid: „Unsere Klienten singen wahrhaft nicht gut, dafür aber aus vollem Herzen.“

Rids Nachfolgerin Uschi Keller stammt aus dem Haus der Oberschwäbischen Werkstätten für Behinderte und ist schon lange Mitglied im Vorstand der Lebenshilfe. Sie trifft ein wohl bestelltes Haus an.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen