Leitstelle bearbeitet 120 Anrufe pro Stunde

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Wer die 112 wählt, kommt hier in der Leitstelle des DRK-Zentrums in der Ulmer Straße in Ravensburg raus. (Foto: Christoph Stehle)
Schwäbische Zeitung
Christoph Stehle

Wer die Nummer 112 wählt, gelangt sofort zur Rettungsleitstelle und kann sich darauf verlassen, prompt, kompetent und einfühlsam Unterstützung zu finden. Die Mitarbeiter der Rettungsleitstelle Ravensburg sind im zweiten Stock des Kreisverbandes des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in der Ulmer Straße untergebracht und heißen intern Disponenten. Alle verfügen über eine Ausbildung zum Rettungssanitäter wie auch zum Feuerwehrmann. Denn Ende der 1970er-Jahre wurde die sogenannte integrierte Leitstelle eingeführt. Seither kann man über die 112 sowohl Feuerwehr wie Rettungsdienste alarmieren.

In ihrer jetzigen Form besteht die Leitstelle seit Januar 2012. Bis dahin war die Vereinigung der Ravensburger mit der Sigmaringer Leitstelle abgeschlossen. Schon seit 2005 haben beide zusammengearbeitet, wobei die größere in Ravensburg die kleinere Leitstelle in Sigmaringen entlastet hat. 2008 haben sich die beiden Landkreise und die zuständigen Kreisverbände des DRK als Träger im Grundsatz auf die Fusion verständigt. Ab Mitte 2011 nahm die Rettungsdienst Bodensee-Oberschwaben gGmbH (die zuständige operative Tochter des DRK) die Umbauarbeiten im Rot-Kreuz-Zentrum in der Ulmer Straße auf.

„Die Inbetriebnahme der Leitstelle mit sechs Arbeitsplätzen hat reibungslos geklappt“, hebt Martin Weber hervor, der Chef der Integrierten Leitstelle. Seither haben die Kollegen noch viele ortsspezifische Details aus Sigmaringen oder auch dem Allgäu in das System eingegeben, und damit die Orientierung im Einsatzgebiet erleichtert. Insgesamt gibt es 23 Disponenten, von denen in mehreren Schichten tagsüber immer fünf und nachts zwei bis drei das ganze Jahr über im Einsatz sind.

Wer die nur für die Disponenten zugängliche Leitstelle im DRK-Zentrum durch die trennende Glasscheibe beobachtet, fühlt sich beinahe an technikstrotzende Einsatzzentralen aus Agentenfilmen erinnert. Und in der Tat ist ein Disponenten-Arbeitsplatz allein schon von der Technik her sehr anspruchsvoll. So verfügt jeder über vier Bildschirme. Auf einem befinden sich detaillierte Karten und Satellitenaufnahmen, um bereits während des Telefonanrufs die genaue Lage der Unglücksstelle und die Zufahrt zu lokalisieren.

Die anderen Bildschirme bieten beispielsweise einen Überblick über den derzeitigen Standort sowie die Verfügbarkeit der Rettungsfahrzeuge. Ebenfalls während des Anrufs kommt über das System ein Vorschlag, welche Feuerwehr oder welcher Rettungswagen den kürzesten Weg hat. Die Technik beschleunigt also die Hilfe enorm. Als Martin Weber 1995 seinen Dienst als Disponent angetreten hat, musste er alle Angaben für den Einsatz noch von Hand aufschreiben. Heute gehen sämtliche Informationen direkt und damit zeitsparend über das Eingabesystem am Bildschirm an das zuständige Rettungsfahrzeug.

Bei der Leitstelle gibt es eigentlich keine Pausen, die Disponenten sind fast immer in der Leitung oder unterstützen sich gegenseitig. Allein im ersten Halbjahr gab es in beiden Landkreisen fast 50000 Einsätze des Rettungsdienstes. Neben der DRK-Fahrzeugen koordiniert die Leitstelle nämlich auch alle anderen Rettungsdienste wie die Malteser. Hinzu kamen im genannten Zeitraum 2000 Feuerwehreinsätze. An die 120 Telefonanrufe in der Stunde können da schon zusammenkommen, berichtet Michael Schneider, einer von zwei Geschäftsführern des DRK-Rettungsdienstes Bodensee-Oberschwaben. Denn nicht alle Anrufe müssen zum Ausrücken eines Fahrzeuges führen.

Worauf sich alle Anrufer bei der 112 verlassen können – so Schneider und Weber – ist die Betreuung durchdie Leitstelle bis zum Eintreffen der Rettungsfahrzeuge. Dazu gehören auch Hinweise für die Erste Hilfe.

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