Leeres Versprechen von Capital Bra? Opfer von Überfall wartet seit Wochen auf Antwort vom Rapper

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 Der Rapper Capital Bra lockt Tausende Jugendliche zu seinen Konzerten, wie hier in Mannheim. An Presseberichterstattung liegt i
Der Rapper Capital Bra lockt Tausende Jugendliche zu seinen Konzerten, wie hier in Mannheim. An Presseberichterstattung liegt ihm aber nicht viel, in Ravensburg wurden keine Akkreditierungen an Journalisten vergeben. (Foto: Uli Deck/dpa)

Max (13 Jahre alt) und sein Kumpel Chris (15, beide Namen von der Redaktion geändert) waren am 1. Mai voller Vorfreude auf dem Weg zum Konzert des Rappers Capital Bra, als drei Jugendliche sie überfielen. Ein Schock für den 13-Jährigen. Die Täter hatten es auf die Konzertkarten der Jungs abgesehen. Die „Schwäbische Zeitung“ berichtete darüber – und zur Freude der Opfer meldete sich Capital Bra zu Wort. Im Sozialen Netzwerk Instagram schrieb er: „Ekelhaft so was zu lesen, es tut mir leid für die Geschädigten, kommt vorbei wann und wo ihr wollt zu meinem Konzert, ihr habt lebenslang freien Eintritt.“

Doch hinter diesem großspurigen Versprechen steckt offenbar eine weitere Enttäuschung für die Jugendlichen.

Capital Bra „ist ziemlich in, den feiert so ziemlich jeder“, sagt Max. Der Künstler aus Berlin ist ein Star in den Sozialen Netzwerken mit 3,2 Millionen Followern auf Instagram. Ein Chartstürmer, der schon mehr Nummer-1-Hits in den Deutschen Single-Charts hatte als einst die Beatles, wie man liest.

In seinen Liedern geht es darum, dass sich jemand alles nimmt („Ich weiß nicht was ich machen soll, deshalb mach ich mir die Taschen voll“), um ein Leben im Luxus („Roll’ im weißen Cabriolet / An allen vorbei wie Pelé“). Es geht um Alkohol, Drogen und um „Bitches“, die auf „Para“ (bedeutet im Slang Geld) stehen. Und um die Verfolgung durch die Polizei („werde ich verhaftet, stech’ ich Cops in die Kehle“).

„Bei den Texten schüttelt’s mich“, sagt Max’ Mutter. Sie habe früher gerne Ärzte gehört, die hätten auch nicht nur brave Zeilen gesungen. Aber Capital Bra gehe für ihr Gefühl unter die Gürtellinie. Trotzdem ist sie tolerant. Jede Generation entwickle eben ihren eigenen Musikgeschmack, auch die ihres Sohnes. „Musik ist Kunst. So lange er nichts Rechtsradikales hört.“

Zurück zum Überfall: Max und Chris kamen vom Burger essen, als die in Jogginghosen gekleidete Gang vor ihnen stand. „Die haben erst gemeint, dass sie meinen Freund kennen und der sie angestresst hat“, erinnert sich Max. Dann ging es schnell, wie er erzählt: Zwei von ihnen drängten seinen Freund auf die andere Straßenseite, einer hielt ihn zurück. Seinem Kumpel, der im Gerangel ein Messer gesehen habe, nahmen sie die Karte weg. „Dann haben sie mich am Ärmel gepackt“, sagt Max. Doch sein Ticket war bei seinem großen Bruder, der an der Oberschwabenhalle auf ihn wartete. Deshalb machten sich die Angreifer schließlich davon – nicht ohne noch eine brutale Warnung auszusprechen: „Dass sie uns abstechen, wenn wir es jemandem sagen.“

Nicht der einzige Vorfall

Max und Chris ließen sich aber nicht einschüchtern und riefen die Polizei. Die Beamten nahmen den Fall auf – und es war an diesem Nachmittag nicht der einzige: Etwa zehn Minuten später ging die Jogginghosengang zwei weitere Jungs an, die zum Konzert wollten. Die wehrten sich gegen die Angreifer. Dabei wurden die Konzertkarten zerrissen, wie es später im Polizeibericht hieß.

Max’ Eltern erfuhren erst spätabends von dem Vorfall. Denn Max ist mit seinem großen Bruder trotz allem zum Konzert gegangen. Auch sein Kumpel Chris kam nach. „Er hat eine Sondergenehmigung von der Polizei bekommen, damit er noch reinkommt“, sagt Max. Und tatsächlich erkennen sie dort einen der Täter, der wohl mit Chris’ Karte in die Halle gekommen war. Max’ großer Bruder rief sofort bei der Polizei an – aber weil er lange in der Warteschleife hing, wie die Mutter später erzählt, war der Junge wieder aus seinem Blickfeld verschwunden.

Bisher konnte die Polizei keine Tatverdächtigen ermitteln, wie ein Sprecher am Freitag sagte. Für Max’ Vater passt das Verhalten der Täter gewissermaßen zu den Inhalten, die der Künstler transportiert. Er spricht von „Machogehabe“ und sagt: „Das zeigt, wie wenig die sich um Gemeinschaft kümmern, und sich selbst die Nächsten sind.“ Bei Rockkonzerten in seiner Jugend habe man vor allem gemeinsam eine gute Zeit verbringen wollen.

Antwort des Sängers steht aus

Max fand das Konzert trotzdem toll. Wenige Tage später äußerte sich der Künstler zum Bericht über den Überfall und machte die unglaubliche Versprechung, den Opfern lebenslang freien Eintritt zu seinen Konzerten zu gewähren. „Ich hab mich auf jeden Fall gefreut“, sagt Max über die Nachricht. Er schreibt dem Rapper eine Instagram-Nachricht. Eine Antwort hat er bis heute nicht erhalten. „Er hat drei Millionen Follower, der schreibt ja nicht jedem“, sagt Max. Er hat Verständnis.

Auch die Anfragen der Schwäbischen Zeitung an den Rapper und eine Konzert-Agentur, die Capital Bra vertritt, blieben unbeantwortet. Bliebe es dabei, dass der Künstler ein leeres Versprechen gemacht hat, wäre Max enttäuscht, gibt er zu. An seiner Begeisterung für den Musiker würde das aber nichts ändern, sagt er. „Natürlich nicht“.

Max Eltern sind nach allem aber vor allem stolz auf ihren Sohn, wie gut er nach dem Überfall reagiert und wie locker er alles weggesteckt hat. Am Abend habe er seine Mutter mit den Worten beruhigt: „Mama, ist doch gar nichts passiert.“

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