Langwieders Zeit auf dem Eis ist vorbei

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Nach 234 Pflichtspielen für die Ravensburg Towerstars beendet Verteidiger Stefan Langwieder (rechts) seine Eishockeykarriere.
Nach 234 Pflichtspielen für die Ravensburg Towerstars beendet Verteidiger Stefan Langwieder (rechts) seine Eishockeykarriere. (Foto: Felix Kästle)
Schwäbische Zeitung
Sportredakteur

Nach vier Jahren bei den Ravensburg Towerstars, nach 246 Spielen in der Deutschen Eishockey-Liga sowie fast 300 Pflichtspielen in der zweiten Liga hängt Stefan Langwieder seine Schlittschuhe an den Nagel und beendet seine Profilaufbahn. Der 29-jährige Familienvater beginnt ab Anfang Mai eine Trainee-Stelle im Vertrieb beim Towerstars-Hauptsponsor CHG.

Um den Eishockeyspieler Langwieder zu charakterisieren, ist eine Szene aus dem dritten Halbfinal-Heimspiel gegen die Kassel Huskies gut geeignet. Der Ravensburger Verteidiger erkannte die Gefahr, fuhr hinter seinen Goalie Matthias Nemec und wehrte den Puck auf der Linie mit der Schulter ab. Langwieder ging oft dahin, wo es im Eishockey wehtun kann. „Er hat sich in die Schüsse geworfen, er hat immer alles gegeben und er war auch in der Kabine immer ein super Typ“, lobt der Towerstars-Geschäftsführer Rainer Schan. „Er wird uns sehr fehlen.“

Probleme in der Saison 2014/15

Speziell während der Saison 2014/15 gab es jedoch einige Fans, die den Verteidiger am liebsten sofort zum Karriereende getrieben hätten. „Die Saison war schon sehr enttäuschend“, gibt Langwieder zu. Er spielte anfangs nicht gut und brauchte lange, um einigermaßen in Tritt zu kommen. „Ich war mir aber sicher, dass er wieder in die Spur finden würde“, sagt Schan. „Wie er von manchen Zuschauern ausgepfiffen wurde, war schon unterste Schublade.“ Langwieder selbst nahm sich das nicht zu sehr zu Herzen. „Ich wurde teilweise viel schlechter gemacht, als ich war. Aber ich kann viel aushalten, und ich wusste ja, woran es lag.“ Allen voran an etwas eigentlich sehr Erfreulichem. Langwieder wurde Vater, „das war allerdings eine komplette Umstellung“. Wenig Schlaf („teilweise bin ich fast auf der Bank eingeschlafen“), ein ganz anderer Tagesrhythmus, dazu fehlte auch noch Matt Kelly, mit dem Langwieder in den ersten beiden Jahren gut harmonierte. „Mit ihm lief es einfach super, wir mussten wenig reden, um uns zu verstehen.“

Zurückgekämpft nach Hüft-OP

Im Sommer 2015 ließ sich der 29-Jährige an der Hüfte operieren und kämpfte sich zurück – zurück unter die ersten sechs Verteidiger bei den Ravensburgern und zurück zu alter Leistungsstärke. „Ich wusste ja immer, was ich kann“, meint Langwieder. „Eishockey verlernt man nicht einfach so.“ Mit Raphael Kapzan fand der gebürtige Münchener einen Mitspieler, mit dem es in der Defensive wieder gut klappte. „In dieser Saison war es wieder der Langwieder, der 2012 zu uns kam“, freut sich Schan. „Hätte er weitergemacht, wären wir um eine Vertragsverlängerung nicht drumrumgekommen.“

Doch Langwieders Entschluss, die Karriere zu beenden, stand schon länger fest. „Vor zwei Jahren hatte ich mir schon gesagt, dass es mein letzter Vertrag sein würde“, so der frühere Jugendnationalspieler der deutschen U17, U18 und U20. In Iserlohn machte er an der Fachhochschule den Bachelor in BWL, per Fernstudium folgte noch der Master. Im Februar 2016 gab es die ersten Gespräche mit CHG, Langwieder bewarb sich und erhielt eine Zusage. „Diese Chance musste ich als Familienvater nutzen“, sagt Langwieder. Er bleibt somit mit seiner Frau, die er in seiner DEL-Zeit in Iserlohn kennenlernte, in Ravensburg. „Eigentlich wäre Peißenberg meine Anlaufstelle nach der Karriere gewesen“, so der 29-Jährige. Dort in Bayern hat er seine Familie, dort ist seine Heimat. Doch der Job hält ihn in Oberschwaben – und bei den Towerstars. „Natürlich werde ich mal mit Bazi (Goalie Christian Rohde, der auch seine Karriere beendet hat, Anm. der Red.) zu einem Spiel kommen“, sagt Langwieder. „Aber erst mal brauche ich bestimmt etwas Abstand.“ Er gehe aber, das betonte der Verteidiger mehrfach, nicht im Groll.

Kaum Spiele verpasst

Den Towerstars geht damit nach Rohde ein weiterer Leistungsträger der vergangenen Jahre verloren. „Mannschaften brauchen Häuptlinge und Indianer“, so Schan. „Stefan war ein Indianer, der immer positiv vorneweggegangen ist.“ Und einer, der in seiner Zeit in Ravensburg nur ein Pflichtspiel verpasst hat. „Ich glaube, in den vergangenen acht Jahren habe ich nur acht Spiele gefehlt“, meint Langwieder. Natürlich gehöre auch ein wenig Glück dazu, „aber ich habe im Sommer immer hart gearbeitet, ich habe gebissen und ich habe eine hohe Schmerztoleranz.“ Zu bestaunen war das etwa am 5. April – als er den Puck auf der Linie klärte.

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