Landratsamt: Neubau ist unwahrscheinlich

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Kreishaus I ist derzeit noch wichtigster Standort des Landratsamtes – gemeinsam mit dem früheren Telekomgebäude an der Gartenst
Kreishaus I ist derzeit noch wichtigster Standort des Landratsamtes – gemeinsam mit dem früheren Telekomgebäude an der Gartenstraße. (Foto: Archiv: Berthold Rueß)

Die Reaktionen der Kreistagsfraktionen auf die jüngst bekannt gewordene Kostenschätzung zur Bündelung der Landratsamtsstandorte in Ravensburg und Weingarten fallen sehr unterschiedlich aus. Während die Freien Demokraten ein sofortiges Ende der Planungen fordern, weil die finanzielle Leistungsfähigkeit des Kreises ansonsten gesprengt werden könnte, wollen andere mehr Informationen. Weitgehender Konsens scheint über zwei Dinge zu bestehen: Die Sanierung der Berufsschulen hat Vorrang, und eine teure (Neubau)-Lösung wird es wohl nicht geben.

Wie berichtet, gibt es etwa ein Dutzend verschiedene Varianten, die in einem Gutachten der Beratungsgesellschaft Drees und Sommer untersucht worden sind. Sie reichen von der Beibehaltung der jetzigen Lösung (13 Gebäude an acht Standorten in Ravensburg und Weingarten) bis hin zu einer Bündelung auf einen bis vier Standorte. Die Kosten bewegen sich etwa zwischen 100 und 200 Millionen Euro, auf neun bis 21 Jahre verteilt. Je nachdem, ob man nur den Brandschutz verbessert oder umfangreiche Sanierungen, Umbauten, Erweiterungen oder Neubauten in Angriff nimmt. Zudem müssen bei den meisten Varianten auch Verkaufserlöse abgezogen werden, wenn bestehende Standorte aufgegeben werden: Sie liegen in attraktiven Gegenden und würden entsprechend Geld bringen, selbst wenn man die Gebäude abreißt und die Grundstücke neu bebaut.

Als „wahnsinnig“ hat zwischenzeitlich der Sprecher der Liberalen im Kreistag, Daniel Gallasch, die Pläne bezeichnet und gefordert, sie „in Gänze zu beerdigen“ (die SZ berichtete). Ähnlich ablehnend äußerte sich Siegfried Scharpf, Fraktionsvorsitzender der ÖDP, per Mail an die „Schwäbische Zeitung“: „Als einziger warnte ich immer davor, dass so ein Projekt nicht in die Zeit passe und von der Bevölkerung nicht akzeptiert wird“, so Scharpf. „Man kann auf dem jetzigen Gelände des Landratsamtes genügend dazu bauen und die Jugendstilhäuser energetisch sanieren und wie Satelliten an das jetzige Amt anschließen.“ Angst habe er davor, dass man – wie beim Kunstmuseum in Ravensburg – einem Bauträger den Auftrag gebe, ein Landratsamt zu bauen „und wir mieten das dann, damit die Bürger die wahren Kosten nie erfahren werden“.

Linke wollen sich nicht festlegen

Noch nicht festlegen wollen sich die Linken. „Die mir vorliegenden Unterlagen sind für eine fundierte Meinungsbildung einfach noch viel zu dürftig. Da muss erst mal noch mehr geliefert werden“, findet Till Bastian. Bislang hat das Landratsamt nur den Raumbedarf, die Kostenschätzungen und die Realisierungszeiträume veröffentlicht, das Gutachten hält die Behörde noch unter Verschluss, weil man sich zunächst den Schulsanierungen widmen will.

Rudolf Bindig, Fraktionsvorsitzender der SPD im Kreistag, hat die Eilbedürftigkeit bei dem Thema nach eigenen Worten von Anfang an ohnehin nicht verstanden und sich darüber gewundert, „wie da eine große Lösung in Richtung Neubau vorangetrieben wurde“ – mitsamt einer Vorortbesichtigung eines neu gebauten Landratsamtes in Erlangen. „Bei aller Einsicht, dass die Mitarbeiter gute Arbeitsmöglichkeiten brauchen, sind wir nach der Bestandsaufnahme wieder auf dem Teppich runter.“ Bindig könnte sich eine Drei-Standort-Lösung gut vorstellen, also die Konzentration auf das Kreishaus I in Ravensburg, die Sauterleutestraße in Weingarten und einen Ausbau des Kreishauses II (altes Telekomgebäude), wo zusätzlich alle Ämter unterkommen könnten, die derzeit verstreut sind. Bindig hält es ferner für wichtig, das Bürgerbüro im Kreishaus I jetzt schon auszubauen.

Gerade das hatte Oliver Spieß, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler, aber schon in seiner Haushaltsrede Ende Dezember 2017 kritisiert, solange es kein Gesamtkonzept gebe und man nicht wisse, wo und wie das Landratsamt künftig untergebracht werden soll. „Man sollte sich auch ansehen, was die digitale Kfz-Anmeldung bringt und keinen Schnellschuss machen.“ Generell hält er einen „Riesenneubau“ für unrealistisch und glaubt eher an eine Zwei- bis Drei-Standortelösung. Genau wie Bindig und die anderen befragten Kommunalpolitiker hält er die Sanierung der Schulen allerdings erst einmal für wichtiger. Das Landratsamt komme dann wohl eher „in zehn, 15, wenn nicht erst in 20 Jahren“ an die Reihe.

Das ist auch die Meinung der CDU als größter Fraktion im Kreistag. Deren Chef Volker Restle meint, man habe die Schulen in der Vergangenheit ein bisschen vernachlässigt. Vor allem auch, weil durch den EK-Neubau und die Finanzprobleme der Oberschwabenklinik in den vergangenen zehn Jahren viele Mittel gebunden waren. „Jetzt müssen wie erst mal wissen: Was kosten uns die Schulen?“ Die Vermutungen lägen derzeit zwischen 100 und 300 Millionen Euro. Danach erst sei das Landratsamt an der Reihe. „Und da glaube ich, dass eine Mehrheit in der Fraktion sagt: Wir erhalten und nutzen das, was wir haben.“

Von den Grünen war bislang keine Stellungnahme zu bekommen.

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