Landfrauen diskutieren Probleme des ländlichen Raums mit Staatssekretärin Bärbl Mielich

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 Arbeitsgemeinschaft der Landfrauenverbände im Sozialministerium (von links): Beate Krieg, Marie-Luise Linkh, Bärbl Mielich (Grü
Arbeitsgemeinschaft der Landfrauenverbände im Sozialministerium (von links): Beate Krieg, Marie-Luise Linkh, Bärbl Mielich (Grüne), Rosa Karcher, Juliane Vees, Sabine Schmidt, Birgitta Klemmer. (Foto: Landfrauen)
Schwäbische Zeitung

Kritisiert haben die Landfrauen bei ihrem Gespräch mit Bärbl Mieliech (Bündnis 90/Die Grünen) den Mangel an Betreuungsangeboten für zu pflegende Angehörige im ländlichen Raum. Miehlich ist Staatssekretärin im Ministerium für Soziales und Integration Baden-Württemberg in Stuttgart, das die Landfrauen am 8. Juli besucht haben, wie sie selbst nun mitgeteilt haben. Die Diskussion drehte sich um die Sicherstellung einer bedarfsgerechten, hochwertigen und gut erreichbaren Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum.

„Gerade auf dem Land werden viele Menschen von Angehörigen gepflegt, fast immer von den Töchtern oder Schwiegertöchtern“ so Juliane Vees, Präsidentin des Landfrauenverbandes Württemberg-Hohenzollern, „es braucht dringend Kurzzeitpflegeplätze in erreichbarer Nähe, wenn pflegende Angehörige zum Beispiel krankheitsbedingt plötzlich ausfallen und Pflegebedürftige kurzfristig untergebracht und betreut werden müssen“. Miehlich legte dar, dass das Ministerium mit dem Sonderförderprogramm „solitäre Kurzeitpflege“ erste Impulse zum Ausbau von entsprechenden Betreuungsangeboten geschaffen habe, erklärtes Ziel sei aber die weitere Stärkung der bedarfsgerechten Kurzzeitpflegeangebote. Trotz der begrüßenswerten Initiativen herrsche aber großer Zeitdruck sowie enormer Handlungsbedarf, schreiben die Landfrauen in ihrer Mitteilung weiter.

Vor dem Hintergrund des Themas „Mobbing an Schulen“, zu dem der Landfrauenverband Württemberg-Hohenzollern 2018 eine Umfrage gestartet hatte, sprach Juliane Vees zudem die Bedeutung der Schulsozialarbeit an. Wenn jede Schule wenigstens eine Schulsozialarbeitsstelle vorweisen könnte, wäre ein wichtiger Schritt im Bereich Mobbing-Prävention getan, so Vees. Mielich bestätigte die Wichtigkeit des Themas Schulsozialarbeit und betonte, dass die Verantwortung der Träger dabei eine wichtige Rolle spiele.

Die Landfrauen forderten zudem, dass die Menschen im ländlichen Raum nicht von der medizinischen Versorgung abgehängt werden dürfen: „Immer mehr Landarztpraxen finden keine Nachfolger mehr und Krankenhäuser in der Fläche werden geschlossen, diese Entwicklung beunruhigt die Menschen im ländlichen Raum“ sagte Rosa Karcher, Präsidentin des Landfrauenverbandes Südbaden. Wenn der Rettungswagen vom nächsten Krankenhaus bis zum Einsatzort 40 Kilometer und mehr fahren müsse, ist fraglich, ob die gesetzlich vorgeschriebene Hilfsfrist von 15 Minuten noch eingehalten werden könne. Mielich entgegnete, dass das Sozialministerium den ländlichen Raum stark im Blick hätte und sich der genannten Problematik bewusst sei: Um die ambulante hausärztliche Versorgung sicherzustellen, gibt es daher seit 2012 das Landärzteprogramm. Angedacht sind zudem genossenschaftlich geführte Arztpraxen, derzeit laufen an sieben Standorten Machbarkeitsstudien. Diese könnten gegebenenfalls auch die Notfallversorgung gewährleisten. Ferner sollen lokale Primärversorgungszentren entstehen, in denen unterschiedliche Professionen und Fachgebiete eng miteinander zusammenarbeiten, das Ministerium habe kürzlich ein Förderaufruf zum Aufbau solcher Gesundheitszentren gestartet.

Die Landfrauen thematisierten auch die unbefriedigende Situation in der Geburtshilfe. „Viele junge Frauen treten an uns heran und sind besorgt, weil in ländlichen Regionen Geburtsstationen geschlossen werden und es immer schwieriger wird, eine Hebamme zu finden“ berichtete Marie-Luise Linckh, Präsidentin des Landfrauenverbandes Württemberg-Baden, „die Arbeitsbedingungen von Hebammen müssen verbessert werden, um eine optimale Betreuung von Mutter und Kind rund um die Geburt zu gewährleisten“. Die Staatssekretärin skizzierte, dass das Ministerium angesichts der Problematik im Januar 2017 einen runden Tisch ins Leben gerufen habe, um die flächendeckende Hebammenversorgung sicherzustellen. Zum Jahresende würde das aus Akteuren der Geburtshilfe bestehende Gremium Empfehlungen und Maßnahmen zur Weiterentwicklung einer bedarfsgerechten und qualitätsgesicherten Versorgung in der Geburtshilfe sowie der Vor- und Nachsorge formulieren.

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