Kunstmuseum belastet Etat noch mehr

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Das im Bau befindliche Kunstmuseum (rechts) kommt die Stadt Ravensburg einmal teuer. (Foto: Alexander Tutschner)
Schwäbische Zeitung
stellv. Redaktionsleiter

Die Belastung des Ravensburger Haushalts durch das neue Kunstmuseum, das derzeit in der Burgstraße entsteht, wird noch höher als erwartet – zumindest für die kommenden fünf Jahre. Rund 850000 Euro statt der bisher erwarteten 770 000 Euro wird die Stadt der Betrieb des neuen Museums in diesen Jahren kosten - per anno.

Der Grund: Die teilweise Gegenfinanzierung des neuen Hauses durch eine Vermietung der Städtischen Galerie in der Marktstraße greift erst nach fünf Jahren. Denn vier bis fünf Jahre wird es dauern, bis sich die Kosten für die Sanierung der Galerie durch die Vermietung dieser Räume amortisieren. Das hat die Stadtverwaltung auf Nachfrage der Schwäbischen Zeitung bestätigt.

Wie berichtet („Stadt hat Mieter für die Galerie“, SZ vom 23. Juni), wird der Studiengang Mediendesign der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in das Gebäude der ehemaligen Galerie einziehen. Rund 80 000 Euro Jahresmiete bezahlt die Hochschule, gemeinsam mit den beiden weiteren Mietern kommt die Stadt auf Mieteinnahmen von knapp über 100 000 Euro für die Gebäude Marktstraße 13 und 15.

Vor der Vermietung an die Hochschule muss die Stadt jedoch gewaltig investieren. Auf 500 000 Euro belaufen sich die Sanierungskosten, davon trägt Ravensburg 350 000 Euro. Geld, das zur Gegenfinanzierung des Kunstmuseums fehlen wird, bis es über Mieteinnahmen wieder eingenommen ist. Davon, dass es „an diesem Standort (…) künftig keine Ausgaben mehr geben (wird), sondern Einnahmen“, wie Oberbürgermeister Dr. Daniel Rapp im Oktober versicherte, kann also vorerst keine Rede sein.

Die Stadtverwaltung bleibt hingegen bei ihrer Darstellung, dass sich die Mehrkosten des neuen Kunstmuseums gegenüber der Städtischen Galerie nicht erhöht haben, auch wenn die Gesamtsummen gestiegen sind. Die Stadt spricht von einer „vermeintlichen Kostensteigerung“, weil die Verwaltung 2010 die sogenannte Vollkostenrechnung einführte. Das Prinzip: Kosten sollen dort, wo sie entstehen, auch im Etat abgebildet werden, um mehr Kostenklarheit zu schaffen. Beispiel: Die Personalkosten des Kulturamtsleiters soll nicht nur an einer Stelle, bei der Kulturverwaltung, verbucht werden, sondern anteilsmäßig auf die einzelnen Häuser und Einrichtungen, für die er verantwortlich zeichnet, aufgeschlüsselt. Außerdem, so die Stadt weiter, wurden kalkulierte Kosten für den Gebäudeunterhalt (Verwaltung, Abschreibungen) angesetzt.

Die Folge: Der Zuschuss für die Städtische Galerie lag nicht mehr bei 270 000 Euro im Jahr, sondern bei 530000 Euro. Im Gegenzug stiegen die Kosten für das Kunstmuseum von 510 000 Euro auf 770 000 Euro. Der Unterschiedsbetrag, so die Stadt, sei dennoch gleich hoch geblieben, nämlich 240 000 Euro - die Mehrkosten für den Betrieb eines Kunstmuseums statt einer Galerie.

Kritiker bezeichneten dieses Rechenspiel in der Vergangenheit als unseriös. Die Stadt könnte dieser Kritik begegnen mit einer genauen Aufschlüsselung des geplanten Zuschussbedarfs von 770 000 Euro für das Kunstmuseum. Eine entsprechende Anfrage der SZ wurde aber nicht beantwortet. Es handle sich, so die Stadt, um „sorgfältig geschätzte und intern abgestimmte Zahlen“, die im Herbst dem Gemeinderat vorgelegt werden sollen. Ob öffentlich oder in geheimer Sitzung, ist nicht bekannt.

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