Krätze kursiert in Ravensburg

Lesedauer: 5 Min

Juckreiz ist eines der Symptome, die auftreten, wenn jemand an Krätze leidet,
Juckreiz ist eines der Symptome, die auftreten, wenn jemand an Krätze leidet, (Foto: Symbl: dpa)

Krätze ist ein fieser Hautausschlag mit kleinen Pusteln oder Bläschen, der übel juckt oder brennt. Momentan geht sie offenbar auch in Ravensburg herum. So hingen etwa in der Barbara-Böhm-Gemeinschaftsschule und dem Kindergarten St. Nikolaus in Oberzell Zettel mit der Aufforderung, Eltern sollten ihre Sprösslinge dahingehend untersuchen lassen. Beim Gesundheitsamt des Landkreises Ravensburg haben heuer bereits acht Einrichtungen gemeldet, dass bei ihnen die Krätze kursiert.

Vier dieser Einrichtungen sind aus Ravensburg, wie Dr. Michael Föll, Leiter des Gesundheitsamtes, erläutert – die letzten Mitteilungen gingen bei ihm am 23. und 30. Januar ein. Die Ravensburger Stadtverwaltung will auf Anfrage von nichts wissen, obwohl das städtische Schul- und Sportamt die entsprechenden Mitteilungen verschickt hat. „Weder von den Schulen noch von den Kitas wurden uns besonders hohe Fallzahlen zu Krätze oder Lausbefall gemeldet“, schreibt Stadtsprecher Alfred Oswald in einer E-Mail. An der Grundschule Oberzell sollen Kinder aber Läuse (gehabt) haben.

Krätze und Läuse meldepflichtig

Tatsächlich sind laut Infektionsschutzgesetz sowohl Krätze als auch Läuse meldepflichtig. Wer davon betroffen ist, darf eigentlich nicht mehr in eine „Gemeinschaftseinrichtung“ rein, um niemanden anzustecken, so Föll. Er hält beides allerdings abgesehen von dem gemeinen Jucken für eher harmlose Krankheiten – die Meldepflicht sei wohl eher der Aufregung geschuldet, die beide in der Regel auslösten. Darüber hinaus melde auch längst nicht jede Einrichtung, wenn dort einzelne Schüler oder Mitarbeiter Krätze oder Läuse hätten.

 Auch an der Grundschule Oberzell sollen Kinder Läuse (gehabt) haben.
Auch an der Grundschule Oberzell sollen Kinder Läuse (gehabt) haben. (Foto: Rolf Köditz)

Mit speziellen Cremes, in Sonderfällen auch Tabletten lässt sich die Infektionskrankheit Krätze laut Föll recht schnell behandeln. Auch die Ansteckungsgefahr hält der Mediziner für überschaubar, da Krätze eher nicht durch einen Händedruck übertragen werde. Da braucht es schon mehr, um sich anzustecken, nämlich intensiveren Körperkontakt, etwa in einem Pflegeheim. Das Problem sieht der Leitende Amtsarzt eher darin, dass man Krätze manchmal fälschlicherweise für Neurodermitis oder eine Allergie halte sie deshalb nicht sachgemäß therapiert werde. In so einem Fall könne der Kranke durch häufiges Händeschütteln dann möglicherweise doch andere Leute anstecken.

Mangelnde Hygiene nicht ursächlich

Generell sei Krätze so alt wie die Menschheit – wenn man sie sich einfängt, liege das nicht nicht an mangelnder Hygiene. Freilich begünstige es Krätze, „wenn viele Menschen auf engem Raum zusammen hausen“, etwa im Krieg. Heutzutage tauche ein Befall aber nur in Einzelfällen auf.

Mit Läusen schaut es ähnlich aus: Ein Befall gilt laut Föll „primär gar nicht als Erkrankung im engeren Sinn“. Brenzlig kann es erst dann werden, wenn man vor lauter Jucken die Haut aufkratzt und sich dadurch Bakterien einfängt. Auch hier sei die Therapie denkbar einfach: Wer die entsprechenden Mittel anwende, etwa ein spezielles Shampoo, das die Läuse durch Verkleben der Atmungsöffnungen tötet, sei die ungebetenen Gäste normalerweise ruckzuck wieder los. 2019 sind beim Gesundheitsamt des Landkreises bislang 15 Meldungen von Lausbefall eingegangen, 2018 waren es insgesamt 171 – eine Steigerung gegenüber 138 Meldungen im Jahr 2017.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen