Kleidercontainer ist nicht gleich Kleidercontainer

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Illegal aufgestellte Altkleidercontainer sind besonders für die karitativen Organisationen wie das Deutsche Rote Kreuz ein Ärger (Foto: epd)
Philipp Richter

Die Mode ändert sich, und der Schrank quillt über. Früher oder später kommt es bei jedem dazu, dass er ausmisten muss. Dann wird ein Sack mit den alten Kleidern gepackt und in den Container irgendwo am Straßenrand entsorgt. Der Bürger glaubt, zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen zu haben: Für ihn ist die Entsorgung kostenlos und gleichzeitig tut er noch etwas Gutes.

Prinzipiell würde das auch stimmen, wären da nicht die illegalen Altkleidercontainer, die in ganz Deutschland und auch im Schussental auftauchen. Oft sind das nicht angemeldete Container, die ein rein privat-gewerbliches Ziel verfolgen. Somit unterscheiden sie sich grundlegend von den karitativen Sammlungen von Wohlfahrtseinrichtungen wie beispielsweise dem Deutschen Roten Kreuz, den Maltesern, den Johannitern oder der Aktion Hoffnung.

„Die Erlöse aus der Altkleidersammlung helfen uns, zum Beispiel unsere Besuchshundestaffel, den Kriseninterventionsdienst oder unsere sozialen Dienste zu finanzieren“, erklärt Gernot Fuß, der Leiter der Ravensburger Kreisgeschäftsstelle der Malteser. So ist das auch bei den anderen caritativen Organisationen im Landkreis Ravensburg.

Ein „enormes Problem“

Seit der Änderung des Kreislaufwirtschaftsgesetzes in Baden-Württemberg vor knapp einem Jahr besteht nun eine Anzeigepflicht bei der Unteren Abfallbehörde im Landratsamt Ravensburg, wie dessen Pressesprecherin Anita Schmid der Schwäbischen Zeitung erklärt. „Das heißt, alle Organisationen, die Altkleidercontainer aufstellen, müssen uns belegen, dass sie bei den Städten und Kommunen angemeldet sind“, sagt Schmid. Somit seien auch zum ersten Mal die vielen nicht angemeldeten Kleidersammlungen aufgetaucht. Wie viele das im Kreis sind, konnte die Pressesprecherin allerdings nicht beantworten. Jedenfalls sind sie im kompletten Kreisgebiet vertreten: in Wangen, Leutkirch, Isny und Bad Wurzach. Seit sechs bis acht Wochen fallen den gemeinnützigen Einrichtungen die Illegalen auf.

Auch in Weingarten und Ravensburg gibt es diese rein gewerblichen Sammlungen. Laut Stadt Ravensburg stehen im Stadtgebiet derzeit 30 karitative Altkleidercontainer und zwei privat-gewerbliche. Darüber hinaus gibt es auch Haussammlungen. Tiefbauamtsleiter Ralph-Michael Jung spricht von einem „enormen Problem“. Oft würden diese gewerblichen Container nämlich nicht gepflegt, und es sammelt sich Müll um sie herum, wie Gernot Fuß von den Maltesern bestätigt. Sind die Container nicht angemeldet, werden sie von den Kommunen abtransportiert.

Immer wieder tauchen die Container an unterschiedlichen Stellen in ganz Oberschwaben auf und wechseln häufig den Platz. So lässt sich auch nie genau sagen, wie viele der illegalen Container sich im Landkreis befinden. Bei Recherchetelefonaten ist immer wieder von einer Telefonnummer mit der Berliner Vorwahl 030 zu hören, die auf solchen Altkleidercontainern angebracht ist.

Bis zu 500 Euro pro Tonne

Dass im Bundesgebiet viele dieser privat-gewerblichen Container auftauchen, hängt vor allem mit dem Preis für die Altkleider zusammen. Zurzeit gibt es einen sehr lukrativen Preis für die gebrauchten Kleider: Es werden Preise von bis zu 450 bis 500 Euro pro Tonne gehandelt. Der Kreisgeschäftsführer des Deutschen Roten Kreuzes in Ravensburg, Gerhard Krayss, sagt: „Für die Tonne gab es im Februar dieses Jahres 360 Euro bei Haussammlungen, bei Kleidern aus den Containern 320 Euro. Der Markt ist derzeit sehr erhitzt, und wir hoffen, dass er sich wieder beruhigt.“ Zwar sind sich die meisten einig, dass sie die Konkurrenz der Privaten noch nicht stark merken, dennoch sagt Krayss: „An einem Container in Weingarten haben wir bis zu 60 Prozent weniger Kleider.“

Der Landkreis Ravensburg will jetzt im Juni ein so genanntes „Altkleidererfassungskonzept“ erarbeiten. Im Juni will sich dazu ein runder Tisch mit den Städten und den Kommunen des Kreises sowie den gemeinnützigen Organisationen treffen. Was genau Ziel des Konzepts ist, konnte die SZ offiziell nicht in Erfahrung bringen. Aus gut unterrichteten Kreisen ist jedoch zu hören, dass man mit diesem Konzept die Sammlungen der caritativen Einrichtungen wohl eindeutig stärken will.

Seriöse Altkleidersammlungen erkennt man deutlich an den Logos der Wohlfahrtseinrichtungen wie dem Roten Kreuz, dem Malteser Kreuz und den anderen Signets. Außerdem sind immer auch Telefonnummern auf den Containern vermerkt, bei denen man sich rückversichern kann, was mit den Kleidern passiert.

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