Klare Mehrheit für Fusion der Gemeinschaftsschulen

Lesedauer: 7 Min

 Wird die Kuppelnauschule (Bildmitte) abgerissen oder saniert? Eine Mehrheit im Gemeinderat ist für den Neubau.
Wird die Kuppelnauschule (Bildmitte) abgerissen oder saniert? Eine Mehrheit im Gemeinderat ist für den Neubau. (Foto: Büro Schneidermeyer)
Redaktionsleiter

Für die Fusion der beiden Ravensburger Gemeinschaftsschulen schon im nächsten Schuljahr und ein gut 40 Millionen Euro teures neues Bildungszentrum auf der Kuppelnau zeichnet sich eine klare Mehrheit im Gemeinderat ab. Klar ist aber auch: Der favorisierte Abriss der alten Kuppelnauschule für einen Neubau an gleicher Stelle hat noch einige Hürden zu nehmen. Und die beiden Lehrerkollegien an der Kuppelnau haben gegen die Pläne Stellung bezogen.

Wie mehrfach berichtet, soll bereits im Jahr 2025 das neue „Bildungszentrum Ravensburg“, so der Arbeitstitel, bezogen werden. Unter seinem Dach werden die Schüler der neuen vierzügigen Gemeinschaftsschule und der Grundschule Kuppelnau unterrichtet. Zuvor werden die Gemeinschaftsschulen Barbara Böhm und Kuppelnau aufgelöst und fusionieren unter einer neuen Leitung.

Zwei Feststellungen zu Anfang

Ausgangspunkt für dieses Ergebnis, das in das teuerste Projekt der Stadtgeschichte münden wird, waren zwei Feststellungen, sagte Ravensburgs Bürgermeister Simon Blümcke im Bildungs- und Kulturausschuss, der das Thema erstmals öffentlich politisch debattierte: Zuerst die Erkenntnis, dass sich die Schullandschaft derzeit stark verändert und in Ravensburg die beiden Gemeinschaftsschulen nebeneinander nicht funktionieren. Zweitens die Tatsache, dass erhebliche Investitionen für Sanierungen an den Schulen notwendig seien.

Auf 85 Millionen Euro - „plus/minus 20 Prozent“ - bezifferte der externe Berater Jochem Schneider (Stuttgart) die Gesamtsumme. Da der Zustand der Kuppelnauschule besonders schlecht sei, kämen eine Sanierung und ein dringend benötigter Anbau dort fast genauso teuer wie ein Neubau für 40 Millionen Euro. In diesem ließe sich aber das pädagogische Konzept viel besser umsetzen. Die Stadt wird sich deshalb um Fördergelder beim Land bemühen. Im Idealfall fließen 12 Millionen Euro aus Stuttgart zurück. Zuvor aber brauche es die Expertise des städtischen Bauamtes und die Bewertung durch das Land. „Der Neubau muss noch durch ein sehr schwieriges Verfahren“, so Blümcke.

Ein Jahr lang hat ein breit aufgestellter Arbeitskreis an den Empfehlungen zur Schulentwicklung gearbeitet. Diesen hat der Bildungs- und Kulturausschuss mit großer Mehrheit zugestimmt. Kritik gibt es allerdings aus den Schulen an der Kuppelnau. Das Kollegium der Gemeinschaftsschule lehnt die Auflösung seiner Schule und die Fusion mit Barbara Böhm ab, heißt es in einer Stellungnahme der Gesamtlehrerkonferenz. „Es gibt kein Vetorecht. Schulen würden vermutlich nie sagen: bitte verändert uns“, so Blümcke dazu. Die Elternbeiräte an der Kuppelnau wiederum begrüßen ausdrücklich die Zusammenlegung und den geplanten Neubau.

Auf die Ablehnung durch die Grundschule hat die Verwaltung reagiert: Ursprünglich sollte eine Schulleitung für das gesamte Bildungszentrum zuständig sein. In diesem Konstrukt fürchtete die Grundschule unterzugehen. Es wird deshalb keine Verbundschule am Standort geben, sondern eine Kooperation. Die Grundschule behält ihre eigene Leitung.

Rudolf Hämmerle (CDU) glaubt, die großen Pläne seien „von den Schülern her gedacht“ und deshalb stimmig. Der Versuch, über einen Neubau ein optimales Ergebnis zu erzielen, sei genau richtig: „Wir verschenken uns durch den Antrag nichts. Egal, was wir hier tun, wir investieren in die Schüler.“ Hämmerle betonte, es sei wichtig, die Interimsphase bis zum Bezug des Gebäudes gut zu gestalten. „Wir sprechen über eine Investition in unsere Kinder und Jugendlichen, wie es sie in Ravensburg noch nie gab“, sagte Nora Volmer-Berthele von den Grünen. Die Entscheidung sei ein Bekenntnis zur Bildungsvielfalt in der Stadt. Die „geringen Mehrkosten“ eines Neubaus für ein passgenaues Angebot seien angemessen.

„Kinder wollen ins Zentrum“

„Wir haben uns bewusst für eine Konzentration der Sekundarstufe in der Stadt entschieden. Das halten wir für zumutbar, die Nordstadt ist gut erreichbar“, so Heike Engelhardt (SPD). In die Investition steige sie gerne ein: „Das macht uns fit für die Zukunft.“ Zustimmung auch von Margot Arnegger (Freie Wähler): „Das ist die richtige Entscheidung. Und bei einem Neubau fühle ich mich kostensicherer als bei einer Sanierung.“ Rita Merz (CDU) betonte, die Stadt investiere nicht in die Gemeinschaftsschule, sondern in einen mittleren Bildungsabschluss. Eine weiterführende Schule im Süden sei nicht notwendig: „Die Kinder wollen ins Zentrum, dahin, wo alle sind.“ Rolf Engler (CDU) forderte, die Werkrealschule in Ravensburg nicht zu vergessen.

Kritik gab es von den „Bürgern für Ravensburg“: Ulrich Höflacher und Berthold Traub forderten, am Anfang müsse ein gemeinsames pädagogisches Konzept stehen und kein neues Gebäude. Die Stellungnahmen der Lehrer zeigten: „So groß ist die Einigkeit nicht.“ Traub hält es auch für fraglich, dass sich Eltern wegen eines Gebäudes für die Gemeinschaftsschule entscheiden. Und schließlich könne die Stadt „finanziell dichtmachen“, wenn sie alle 40 oder 50 Jahre alten Gebäude abreiße. Am 22. Oktober entscheidet der Gemeinderat.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen