Klänge aus rund tausend Jahren Musikgeschichte

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 Das Jugendsinfonieorchester der Musikschule Ravensburg und das Vocalvollegium Ravensburgvor der gemeinsamen Aufführung von Ross
Das Jugendsinfonieorchester der Musikschule Ravensburg und das Vocalvollegium Ravensburgvor der gemeinsamen Aufführung von Rossinis „Cum Sancto Spiritu“ aus der „Petite Messe solennelle“. Links sitzt der Dirigent des Orchesters, Harald Hepner, der dabei die Tuba spielte, Chordirigent Rudolf F. Schadt stand vorne im Mittelschiff. (Foto: Dorothee L. Schaefer)
Dorothee L. Schaefer

Das Programm zum 40-jährigen Bestehen des Vocalcollegiums Ravensburg hatte etwas in Erstaunen gesetzt: A-cappella-Chorwerke von Gregorianik bis Poulenc, eine Orgelimprovisation, danach Schuberts „Unvollendete“ und zwei Chorstücke von Rossini und Mendelssohn zum Abschluss, so recht wollte das ja nicht passen. Aber, so erklärte die Sopranistin Katharina von Glasenapp in ihrer Einführung zum Konzert, der Chor habe unbedingt mit dem Jugendsinfonieorchester zusammen musizieren wollen.

Und so spiegele diese Auswahl von Werken aus rund tausend Jahren Musikgeschichte die breit gelagerten Interessen dieses Chors wider, der sich unter der Leitung seines Dirigenten Rudolf F. Schadt immer und mit Freude verschiedenen Musikstilen zugewandt habe. Dass durch die Mitwirkung des Orchesters auch ein wesentlich größeres Publikum erreicht wurde, war ein angenehmer Begleitumstand.

Mönchsmusik des frühen Mittelalters

Zehn Männerstimmen sangen zu Beginn des A-cappella-Teils den gregorianischen Hymnus „Alma redemptoris mater“, die aus dem Seitenschiff sehr konzentriert ins Ohr drangen und den geistigen Gehalt dieser Mönchsmusik des frühen Mittelalters vermittelten. Zwei Motetten heiterer Art führten dann mit dem nun gesamten Chor mit 15 Frauenstimmen in die Renaissance: Hans Leo Hasslers fast beschwingtes „Cantat Domino canticum novum“ und das wunderschöne und exzellent ausgeführte „Ave verum corpus“ von Orlando di Lasso. Das folgende „Venite exultemus Domino“ von Jan P. Sweelinck hingegen reichte schon in den Frühbarock mit seinen kontrastreichen Harmonien.

Noch im Chorraum ließ das Ensemble die jüngste Komposition des Abends hören, Henry Mikolai Góreckis 1987 geschriebenes „Totus tuus sum Maria“, ein eindrucksvolles Marienlob, das mit der viermaligen Anrufung Mariens beginnt und zwischen sanften Disharmonien und lyrischer Intensität schwebt, vom Chor expressiv und sehr berührend ausgearbeitet. Zum Abschluss des Chorteils spielte Jürgen Natter eine Orgelimprovisation, die in minimalistischen Tonfolgen zu abruptem Plenum hinführte. Damit bereitete sie auf die „Litanies à la Vierge noire“ von Francis Poulenc vor, die der inzwischen auf der Empore aufgestellte Frauenchor darbrachte. Die Litaneien illustrieren Poulencs Pilgerreise für eine toten Freund nach Schwarzen Madonna von Rocamadour; Jürgen Natter begleitete diese Gesänge mit starken Akzenten auf der Orgel.

Es wurde ein guter Gesamtklang erreicht

Während der ganzen Zeit hatte das gesamte Jugendorchester mitsamt den Instrumenten in den Kirchenbänken ausgeharrt, umso mehr ging es nach längerem Stimmen dann mit Feuereifer zur Sache. Und die machten sie unter dem Dirigat von Harald Hepner recht gut. Schuberts zweisätzige Sinfonie ist ja bei jungen Instrumentalisten höchst beliebt, bietet sie doch genügend Solostimmen Raum zur Entfaltung und ist durch ihre Dramatik auch ein Power-Stück. Etwas mehr gezügelte Kraft zu Gunsten der spannenden Pianissimi hätte allerdings gut getan, schon der Beginn war sehr hoch angesetzt, aber insgesamt wurde ein guter Gesamtklang erreicht.

Danach der Abschluss des Konzerts gemeinsam mit dem Vocalcollegium und einem Ausschnitt aus der tonal üppigen „Petite Messe solennelle" von Rossini, bei der Klavierdozentin Kathrin Stürzl am Keyboard mitspielte, Harald Hepner die Kontrabasstuba blies und Rudolf F. Schadt dirigierte. Mendelssohn Bartholdys Lied „Verleih uns Frieden gnädiglich“ mit komplexen Harmonien der dunklen Streicher in der instrumentalen Einleitung bildete den Schlusspunkt eines mit herzlichem Beifall bedachten, abwechslungsreichen Konzerts.

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