Kein Rutentheater ohne Musik

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Harald Hepner vor dem Ravensburger Konzerthaus, dem Spielort des Rutentheaters.
Harald Hepner vor dem Ravensburger Konzerthaus, dem Spielort des Rutentheaters. (Foto: Rosa Laner)
Rosa Laner

Zum 20. Mal dirigiert und leitet Musikdirektor Harald Hepner in diesem Jahr das Ravensburger Rutentheaterorchester. Seit 1999 ist das Jugendblasorchester der Musikschule Ravensburg als Theaterorchester im Einsatz. Ein Rutentheater ohne sie ist undenkbar.

Harald Hepner auf die Frage, wie er sich nach all den Jahren im ruateligen Orchestergraben fühle: „Nach wie vor leite ich das Rutenorchester sehr gerne. Nur mein Drumherum hat sich verändert. So nimmt die Leitung der Musikschule viel Zeit in Anspruch, das spüre ich schon.“ Die Leitung der Musikschule Ravensburg hat Harald Hepner 2006 von Lutz Eistert übernommen. Davor unterrichtete er dort seit 1999 als Lehrer. Nun lehrt er nur noch einige wenige Schüler in Horn, Euphonium und Tuba, nimmt keine neuen mehr an. Ihm fehlt dafür schlichtweg die Zeit. Er leitet seit 1999 das Stadtorchester und das Jugendblasorchester, zudem seit 2006 das Jugendsinfonieorchester. Im Jahr 2000 wurde ihm der Titel des Städtischen Musikdirektors verliehen. 2002 war er vom Blasmusikkreisverband Ravensburg zum musikalischen Leiter des Kreisverbandsjugendblasorchesters berufen.

Geboren ist Harald Hepner in Ertingen bei Riedlingen, aufgewachsen in Heudorf. Nach dem Besuch der Schule in Riedlingen studierte er an den Musikhochschulen in Augsburg, München, Nürnberg und Maastricht. Dass er gleich drei Diplome hat, als Musiklehrer, Orchestermusiker und Dirigent, kommt seiner vielfältigen Arbeit heute mehr als zugute.

Mit Anfang 30 verschlug es ihn nach Ravensburg. Unter seiner Ägide wurde das Jugendblasorchester zum Rutenblasorchester. In diesem Jahr spielen 60 Musikerinnen und Musiker im Alter von 12 bis 22 mit, aufgeteilt in zwei Besetzungen. Manche sind gar nicht mehr an der Musikschule, doch sie halten dem Orchester die Treue. Gerade erst fanden Probetage in Ochsenhausen statt. Dabei lobt Harald Hepner das Rutenorchester: „Alle sind hoch motiviert. Ich bin begeistert, wie engagiert und leistungswillig alle sind.“ Gerade die Einsätze während des Stückes seien eine große Herausforderung. Kaum ein Stück werde durchgängig gespielt, der Einsatz ist mittendrin in den Szenen und das Orchester muss auf ein Stichwort hin von null auf hundert einsetzen.

In 20 Jahren hat Harald Hepner rund 400 Rutentheaterauftritte und rund 100 weitere Auftritte mit dem Stadtorchester, dem Jugendblasorchester und dem Jugendsinfonieorchester im Konzerthaus gemeistert. So sei das Konzerthaus quasi eine Heimat für die Musikschule und für ihn geworden. Hepners Ehefrau Claudia hat früher auch musiziert, sich dann der Familie gewidmet. Sie haben drei Kinder zwischen 26 und 30 Jahren und seit drei Monaten das erste Enkelkind. Familie ist den Hepners sehr wichtig.

Hepner sagt, er habe schon früh gespürt, wie wichtig das Gemeinwohl sei. So hat er zum Beispiel im Kloster Orgeldienste übernommen. Seine Mutter hat im Kirchenchor gesungen, sein Vater Klavier gespielt. Seine Eltern hätten seine musikalische Begabung erkannt und ihn stark gefördert. Zu seiner sozialen Einstellung passt auch die Mitgliedschaft im Rotary-Club Ravensburg-Weingarten.

Musik hört er nahezu jede gerne, je nach Stimmung. Sinfonische mag er sehr, allerdings nicht beim Autofahren, da müsse man sich zu sehr reindenken. Jazz macht er mit der Bigband des Stadtorchesters, gängige orchestrale Stücke oder auch Sinfonie-Rock, was leider eine Nischenmusik geblieben sei. Gesungen hat er früher im Kammerchor. „Meine erste Ausbildung war eine Chorleiterausbildung. Einen Chor, ein Blasorchester und als drittes ein Sinfonieorchester zu leiten beinhaltet völlig unterschiedliche Dirigiermethoden. Beim Chorleiter spielt das Wort eine große Rolle. Unserem Stadtorchester wird nachgesagt, dass es klingt wie kaum ein anderes durch die sinfonische Spielweise. Da gibt der Ton die Ansprache ähnlich wie bei einem Streichorchester. Der Ton ist viel weicher“, erklärt er. Wenn das Orchester über zwei intensive Probestunden hinweg den Spaß am Musizieren nicht verliere, sei das ein gutes Zeichen. Er wolle kein Orchester aus dem Proberaum gehen lassen mit schlechter Stimmung. Jemand habe mal gesagt, wenn die Jungs die Treppe runterkämen, würden sie immer pfeifen.

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