Karrieremesse: Quereinsteiger gehören zur Zielgruppe

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Auf der gut besuchten Karrieremesse kamen Arbeitgeber und Arbeitnehmer zusammen. Wer wollte konnte auch gleich neue, professione
Auf der gut besuchten Karrieremesse kamen Arbeitgeber und Arbeitnehmer zusammen. Wer wollte konnte auch gleich neue, professionelle Bewerbungsbilder machen lassen. (Foto: Julius Böhm)
Julius Böhm

Qualifizierte Fachkräfte sind das betriebliche Gold der Zukunft. Deshalb hat die Schwäbische Zeitung mit der Karrieremesse in der Oberschwabenhalle in Ravensburg erneut eine Plattform geschaffen, auf der sich Unternehmen, Universitäten und potenzielle Fachkräfte begegnen. Über 80 Aussteller, darunter 62 Unternehmen und 14 Universitäten und Hochschulen haben am Donnerstag über ihre Angebote informiert und Kontakte mit zahlreichen Interessierten geknüpft. „Seit dem vergangenen Jahr gehören nicht mehr nur Uni-Absolventen und Young Professionals zu unserer Zielgruppe, sondern auch Fach- und Führungskräfte – also Quereinsteiger“, erklärt Peggy Aulmann aus dem Organisationsteam von Schwäbisch Media, „und das funktioniert sehr gut.“

Gesucht: passendes Personal

Eine Branche, die laut Experten besonders unter der Digitalisierung zu leiden haben wird, ist der Finanzsektor. Andreas Egler, der Personalchef der Sparkasse Ravensburg, hält die Berufe in seinem Haus dennoch für relevant – auch für Nachwuchskräfte: „Der Vergleich mit Großbanken hinkt. Wir sind in der Region fest verwurzelt und das ist unser großer Markenvorteil. Ich glaube, wenn es an die großen Entscheidungen des Lebens geht – an Hausbau oder Unternehmensgründung – ist der Mensch doch noch auf Sicherheit bedacht und lässt sich von uns beraten.“ Zwar werden auch bei der Sparkasse Stellen gestrichen, besonders hochqualifizierte Jobs seien aber auch in Zukunft gefragt.

Die Duale Hochschule in Ravensburg sieht sich ebenfalls in Oberschwaben verwurzelt, jedoch mit Blick über den Tellerrand. Besonders in den Fachrichtungen Hotellerie und Gastronomie, Industrie und Handel sei das Interesse regionaler Betriebe, sich eigene Fachkräfte auszubilden, hoch, sagt Prof. Simone Beemer, die den Studiengang Kommunikationsmanagement leitet. Für sie liegen die Vorteile eines dualen Studiums auf der Hand: „Der Praxisbezug ist hoch, die Größe unserer Kursgruppen ist überschaubar, was einen direkten Kontakten zum Dozenten ermöglicht und unsere Studierende werden von ihren Partnerunternehmen auch in der Studienzeit bezahlt.“

Bei der Stiftung Liebenau stehen Herzlichkeit und die direkte Rückmeldung der Betreuten in den verschiedenen Einrichtungen im Vordergrund. „Wir haben eine ganze Reihe an offenen Stellen, auch Ausbildungen und Studienplätze“, sagt Heidrun Homeister. Das Interesse an sozialen Berufen sei während der Messe hoch gewesen. In Gesprächen sei weniger der Verdienst, sondern eher die nötigen beruflichen Voraussetzungen Thema gewesen.

Gesucht: der passende Job

Emily Ehrenfeld aus Laupheim will genau diese Branche unterstützen und sich als Vermittlerin für soziale Berufe selbstständig machen. Die 35-Jährige kommt aus dem Vertrieb und hat mehrere Jahre in der Personalabteilung einer Versicherung gearbeitet. „Für mich ist die Messe optimal, um mit verschiedenen Unternehmen und auch Personaldienstleistern ins Gespräch zu kommen“, sagt sie zur „Schwäbischen Zeitung“.

Die Ulmerin Ann-Kathrin Mack studiert im sechsten Semester an der Dualen Hochschule in Ravensburg. Die 22-Jährige will in Oberschwaben Wurzeln schlagen und von der Hotelbranche in den kaufmännischen Bereich wechseln.

Sie resümiert: „Ich bin mit mehreren Unternehmen ins Gespräch gekommen und habe meinen Lebenslauf dagelassen – man muss die Sache mutig und selbstbewusst angehen, dann klappt das.“ Auch Christian Brey war auf der Karrieremesse, obwohl er eigentlich nicht zur Zielgruppe gehört. Der Ravensburger steckt mitten im Abi-Stress, weiß aber schon genau, was er möchte: Duales Studium im Bankwesen. „Und hier finde ich gleich beide Ansprechpartner“, sagt der Abiturient.

Seit 2002 wurde die Karrieremesse bereits zum dreizehnten Mal veranstaltet, um das Personalmarketing regionaler Betriebe neben Anzeigen und Annoncen bei Social Media um eine direkte Kontaktplattform zu ergänzen.

Aulmann ist sich sicher: „Viele Unternehmen haben erkannt, dass sie mit den Menschen direkt kommunizieren müssen, um die passenden Mitarbeiter zu gewinnen. Dabei wollen wir als Vermittler helfen.“

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