Kampf für das Klima bei fast 40 Grad im Schatten

Lesedauer: 4 Min
Hannah Bucher

Bei zwei Kundgebungen ist am Freitag in Ravensburg auf die Themen Klima und Sicherheit im Straßenverkehr für Fahrradfahrer aufmerksam gemacht worden. Eine davon ist die die Fridays-for-Future-Bewegung, die sich bereits zum vierten Mal in der Innenstadt versammelt – und das superpünktlich zum Schuljahresende.

„Auch in den Ferien müssen wir streiken“, findet der elfährige Nicolas. Mit seinen Freunden hat er nach der Schule ein neues Plakat gemalt. Wegen der Hitze versammeln sich die meisten Jugendlichen im Schatten der Gebäude. Gemeinsam wollen die rund 100 Demonstranten auf dem Marienplatz picknicken und den Boden mit Kreidemalereien ein wenig bunter gestalten. „Wir möchten das Bewusstsein in den Köpfen der Menschen ändern, denn manchmal sind wir zu bequem“, sagt die 17-jährige Lara, die bei diesen Temperaturen eigentlich auch lieber zu Hause geblieben wäre.

Kurz nach Feierabend gibt es eine weitere Aktion in der Ravensburger Innenstadt, dieses Mal am Untertor: Bei der Critical Mass Schussental (englisch für kritische Masse) treffen sich scheinbar zufällig und unorganisiert Fahrradfahrer, um durch eine gemeinsame Fahrt und mit ihrer bloßen Menge auf ihre Belange und Rechte gegenüber dem Autoverkehr aufmerksam zu machen.

Der 50-jährige Bastian Brinkmann nimmt zum ersten Mal an der Radaktion teil. Er und sein Freund Peter Töpfer haben sich verabredet, um die Aktion zu unterstützen, denn ein Kollege sei im letzten Jahr bei einem Fahrradunfall tödlich verletzt worden. „Ich fahre fast jeden Tag mit dem Fahrrad zu Arbeit. Man fühlt sich dabei nie ganz sicher und wie ein Verkehrsteilnehmer zweiter Klasse“, sagt Töpfer. Auch das Thema Umweltschutz ist den beiden wichtig. „Wenigstens die kurzen Strecken sollte man mit dem Fahrrad statt mit dem Auto fahren“, findet Brinkmannn. Dieser Meinung ist auch Jürgen Wagener: „Jeder kann so einen kleinen Beitrag leisten.“

Barbara Schmied ist mit ihrer vierjährigen Tochter und dem sechsjährigen Sohn dabei. „Wir wollen, dass die Radwege weiter ausgebaut werden und sicherer für Kinder und Familien wird“, erzählt sie. Ihr Sohn Neo freut sich vor allem auf die Polizisten, die die Radgruppe begleiten.

Bereits zum fünften Mal steigt die Aktion Critical Mass im Schussental, erzählt Initiator Markus Klauser. Als Demonstranten sieht sich die Gruppe nicht. „Wir blockieren nicht den Verkehr, wir sind der Verkehr“, sagt Klauser. Als Gruppe wollen sie nicht nur von den anderen Verkehrsteilnehmern, sondern auch von der Politik und der Verwaltung wahrgenommen werden. Denn ab einer Gruppenstärke von 15 Radfahrern gelten sie laut Straßenverkehrsordnung als Verband, sodass sie geschlossen über Kreuzungen oder eine inzwischen auf rot umgeschaltete Ampel fahren dürfen.

Gemeinsam fahren die rund 90 Radler durch die Ravensburger Innenstadt und Weingarten weiter nach Baienfurt. Dass bei der Fahrradaktion jeder mitmachen kann, der möchte, zeigt der vierjährige Linus: Mit seinen Eltern radelt er bereits zum dritten Mal mit.

Meist gelesen in der Umgebung
Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen