Juristin aus Ravensburg will anderen durch die Corona-Krise helfen

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Frau hängt ein Zettel auf
Die 29-jährige Leonie Salomon hat ihre Zettel, auf denen sie Hilfe anbietet, an 30 Stellen in der Stadt aufgehängt, wie hier an der Markthalle. (Foto: Lena Müssigmann)

Ein handgeschriebenes Hilfsangebot hängt seit dem Wochenende an vielen Ravensburger Schaufenstern und in Supermärkten. Unterzeichnet ist es in dicker Filzstift-Schrift mit dem Namen Leonie. Sie bietet Senioren an, in der Corona-Krise Lebensmittel oder Medikamente für sie zu besorgen. Wer steckt hinter der Aktion?

Die Initiatorin heißt Leonie Salomon, ist 29 Jahre alt und lebt seit zweieinhalb Jahren in Ravensburg. Die aus Berlin stammende Juristin hat ihr Referendariat am Landgericht Ravensburg gemacht und arbeitet inzwischen bei der Industrie- und Handelskammer.

Auf die Idee, in der Corona-Krise Hilfe anzubieten, kam sie durch das Soziale Netzwerk Instagram. Dort haben Nutzer aus Wien Fotos von ähnlichen Zetteln mit Hilfsangeboten veröffentlicht, die sie zum Beispiel an den Briefkasten der Nachbarn geklebt haben. In der österreichischen Hauptstadt gilt bereits eine Ausgangssperre, um die weitere Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen.

30 handgeschriebene Zettel in der Stadt aufgehängt

In Sozialen Netzwerken im Internet schreiben viele Nutzer, dass sie hilfsbereit sein wollen und gerne Erledigungen für andere machen, die aufgrund der Ansteckungsgefahr mit dem neuartigen Corona-Virus nicht mehr aus dem Haus wollen oder dürfen. In der Facebookgruppe „Covid-19 Hilfe Ravensburg“ melden sich täglich mehrere neue Helfer. Doch lesen es in den Sozialen Netzwerken auch diejenigen, die die Hilfe tatsächlich brauchen?

 Der Zettel mit Leonie Salomons Hilfsangebot hängt an vielen Stellen in der Ravensburger Innenstadt.
Der Zettel mit Leonie Salomons Hilfsangebot hängt an vielen Stellen in der Ravensburger Innenstadt. (Foto: Theresa Gnann)

Leonie hat die Idee mit den handgeschriebenen Zetteln gefallen. Sie hat 30 Stück davon aufgehängt – insbesondere dort, wo ihrer Meinung nach auch alte Leute unterwegs sind und solche, die einer Risikogruppe angehören. Zum Beispiel auch an einem Sanitätshaus und an Apotheken. Zunächst hat sie ihre Telefonnummer auf Abrisszettel am Plakat geschrieben, schließlich will sie gerade älteren Menschen die Kontaktaufnahme leicht machen.

Doch an besonders hochfrequentierten Orten hat sie die Abrisszetteln mit der Telefonnummer wenig später dann noch wieder abgeschnitten und stattdessen die E-Mailadresse einkaufshilfe.rav@gmail.com notiert. Schließlich muss sie auch noch ihren Arbeitsalltag störungsfrei erledigen können und kann nicht ständig ans private Telefon gehen.

Freundinnen sind von ihrer Idee begeistert

Zu ihrer Motivation sagt sie: „Ich bin politisch interessiert und sozial eingestellt.“ Auch mit ihren Freunden spreche sie viel über soziales Verhalten, das jeder von ihnen gerne und schnell für sich beanspruche. Aber reden allein helfe eben nicht. „Jetzt, wo es hart auf hart kommt, kann man mal was machen“, findet sie. Sie hat am Freitagabend in ihrem Freundeskreis von der Idee erzählt und gleich zwei Freundinnen dafür gewonnen, die ihr versprachen, mitzuhelfen.

Wenn Leonie Salomon im Internet dieser Tage Videos sieht, in denen sich Menschen im Streit um Klopapier anbrüllen, wolle sie doch lieber zum anderen Teil der Gesellschaft gehören, sagt sie. Schon am Samstag zog sie los, um ihren Aufruf in der Stadt zu verteilen. Ihr Angebot, in der Bücherei ein gutes Buch zu besorgen, hat sich inzwischen zwar erübrigt, weil die Bibliothek wie viele andere Einrichtungen der Stadt geschlossen ist. Aufträge für alle anderen Botengänge nimmt sie aber gerne an.

Sie fände es gut, wenn niemand sie bräuchte

Nach einer halben Woche hat sich zwar noch niemand bei ihr gemeldet. Aber Leonie Salomon geht davon aus, dass sich das noch ändert und ihre Hilfe mit fortschreitender Dauer der Corona-Krise noch umso dringender gebraucht wird.

„Ich habe die Zettel extra jetzt aufgehängt, wo die Leute noch draußen unterwegs sind“, sagte sie Anfang der Woche. Sobald Anfragen eintrudeln, will sie mit ihren inzwischen sieben Mitstreitern koordinieren, wer den Auftrag am schnellsten erledigen kann oder den kürzesten Weg für die Erledigung hat.

Dass inzwischen Hilfsangebote wie Pilze aus dem Boden sprießen, findet sie toll. Falls sie gar nicht gebraucht werden sollte, würde sie das sogar als ein gutes Zeichen deuten. Ein Zeichen dafür, dass alle Menschen jeweils in ihrem nahen Umfeld Familienmitglieder oder gute Freunde und hilfsbereite Nachbarn haben, die ihnen helfen, die Krise zu überstehen.

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