Junge Radlerin macht auf Anti-Krebs-Tour Stopp in Ravensburg

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Man sieht der 29-jährigen „Antikrebsradlerin“ Stephanie Hennig die Strapazen nicht gleich an.
Man sieht der 29-jährigen „Antikrebsradlerin“ Stephanie Hennig die Strapazen nicht gleich an. (Foto: Maria Anna Blöchinger)
Maria Anna Blöchinger

Stephanie Hennings Blog steht auf antikrebsradeln.wordpress.com. Wer Stephanie Hennig unterstützen möchte, kann über eine Spendenseite einen freigewählten Betrag pro Tag oder Kilometer spenden oder eine Gesamtsumme.

Tumoren des Gehirns und des Rückenmarks

Aggressive Formen wie das Glioblastom gehören zu den am schwersten zu therapierenden Krebserkrankungen und gelten bis heute als unheilbar. Die Deutsche Hirntumorhilfe hat sich seit 20 Jahren als zentrale Anlauf- und Kontaktstelle für Betroffene etabliert. Sie hilft bei Fragen zu Therapie und Nachsorge, unterstützt bei der Bewältigung der Erkrankung und bietet ein gemeinsames Forum zum Austausch für Betroffene und Experten. Der gemeinnützige Verein trägt sich ausschließlich durch privates Engagement. Weitere Informationen unter www.hirntumorhilfe.de.

Unter dem Motto „Antikrebsradeln“ hat die 29-jährige Hamburgerin auf dem Weg von Wilhelmshaven nach Konstanz fast 1000 Kilometer zurückgelegt. Am siebten Tag der zweiten Etappe ist sie in Ravensburg angekommen. Stephanie Hennigs Vater ist an einem Hirntumor erkrankt. Für ihre Aktion sucht sie noch Streckenpaten und Unterstützer.

Gerade ist die Gymnasiallehrerin in Ravensburg angekommen und erzählt im Gespräch mit der „Schwäbischen Zeitung“ begeistert von den oberschwäbischen Stationen Bad Waldsee und Weingarten. „Alleine unterwegs zu sein, war für mich überhaupt kein Problem“, betont die Hamburgerin in geschliffenem Deutsch. Nur alleine durch den Wald zu fahren sei unangenehm, gesteht sie. Nach einer Weile wird auch klar, dass sie jetzt zwar fast am Ziel, aber doch auch ziemlich geschafft ist von den vielen ungewohnten Steigungen und der Hitze. Außerdem ist das „Krebsradeln“ der zweiten Etappe bei weitem nicht so erfolgreich. Auf ihrer ersten Etappe hat sie für die Methadonforschung 15 000 Euro gesammelt. Für den seltenen Hirntumor haben bisher 21 Unterstützer 1333 Euro gespendet.

In der Bevölkerung zu wenig bekannt

Spendenradeln ist beliebt, zum Beispiel das „Karlsruher Spendenradeln“ oder das Berliner „Spendenradeln für gesunde Kinderherzen“. Dass sich eine Frau alleine aufmacht, verlangt starke Motive. Als Angehörige eines Hirntumor-Patienten ist Stephanie Hennig klar geworden, wie wenig die breite Bevölkerung über die seltene Erkrankung weiß. Mit ihrer Aktion möchte sie das Bewusstsein dafür stärken, auf die Lage von Betroffenen und ihren Angehörigen aufmerksam machen und Spenden sammeln, die diesmal der Deutschen Hirntumorhilfe zugutekommen.

Im Dezember 2015 ist Stephanies Vater an einem bösartigen Glioblastom genannten Hirntumor erkrankt. Er gilt als aggressiv und unheilbar. „Die Ärzte teilten uns mit, dass der Tumor inoperabel sei. Die Rede war von drei Monaten“, erzählt Stephanie in ihrem Blog. Informationen zu Therapiemöglichkeiten und Unterstützung in der herausfordernden Situation fand die Familie Hennig bei der Deutschen Hirntumorhilfe. Heute, zweieinhalb Jahre danach, hat sich die Prognose von damals nicht bewahrheitet und die Familie genießt jeden weiteren gemeinsamen Tag. Im Mai hat der Tumorpatient und Vater von drei Töchtern seinen 55. Geburtstag gefeiert. „Seit zweieinhalb Jahren leben wir mit dem Glioblastom in Papas Kopf und jeden Tag wünsche ich mir, dass eine Heilung irgendwann möglich sein wird“, schreibt Stephanie.

Strapaziöse Tour

Am 3. August 2018 bricht Stephanie Hennig von Eschwege zum zweiten Teil ihrer Benefiz-Fahrradtour auf. Den ersten Teil der Tour hat sie wegen einer Verletzung im vergangenen Jahr in Eschwege abgebrochen. Am ersten Tag ihres Spendenradelns schreibt sie: „Die Hitze war grausam.“ Die sportliche Hobbyradlerin hat Tagesetappen zwischen 70 und 100 Kilometern geplant. Die gut 100 Kilometer von Eschwege nach Meiningen bewältigt sie in zehn Stunden. Nach dem zweiten Tag jubelt sie: „Juhu, Bayern ist erreicht!“ Aber die Hitze ist weiter ein sehr großes Problem. „Zum Glück bin ich dennoch nach gut 78 Kilometern in Schweinfurt angekommen“, bloggt sie.

Schon nach dem dritten Tag, in Rothenburg ob der Tauber, spürt sie, wie erschöpft sie ist. Trotzdem schreibt sie wie jeden Abend ihren mit Fotos bebilderten Reisebericht, erzählt von ländlichen und städtischen Schönheiten und kleinen Begebenheiten und geht sehr humorvoll mit den Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit um. „Die Beschilderung fand ich heute ziemlich schlecht, oft wusste ich gar nicht, wo ich weiterfahren musste“, erzählt sie. „Dann schickte mich das Handy nicht über Landstraßen, sondern ins Maisfeld. Drückt mir bitte die Daumen, dass es morgen wieder besser läuft und macht mit!“ Trotz der ungeahnten Strapazen hält die sportliche 28-Jährige durch. Am sechsten Tag legt sie nur fast eine Pause ein. Sie fährt 58 Kilometer von Ulm nach Biberach.

Stephanie tut das alles für ihren Vater. „Aber ehrlich gesagt, nicht direkt, sondern für die Zukunft, für andere Patienten“, erklärt sie. Ihr Vater lebt jetzt in einem Hospiz. „Aber er ist noch nicht in der Sterbephase, sonst wäre ich nicht gefahren“, überlegt sie. Bisher hat sie sich immer erst vor Ort nach einer Unterkunft umgesehen. Am siebten Tag in Ravensburg wird sie einmal privat übernachten. Die Gastgeber hat sie durch ihren Blog kennengelernt. Sie hatten selber einen, inzwischen verstorbenen Hirntumor-Patienten in der Familie. Morgen geht es weiter an den See, wahrscheinlich im Regen. Und dann sind ihre Ferien bald zuende.

Stephanie Hennings Blog steht auf antikrebsradeln.wordpress.com. Wer Stephanie Hennig unterstützen möchte, kann über eine Spendenseite einen freigewählten Betrag pro Tag oder Kilometer spenden oder eine Gesamtsumme.

Tumoren des Gehirns und des Rückenmarks

Aggressive Formen wie das Glioblastom gehören zu den am schwersten zu therapierenden Krebserkrankungen und gelten bis heute als unheilbar. Die Deutsche Hirntumorhilfe hat sich seit 20 Jahren als zentrale Anlauf- und Kontaktstelle für Betroffene etabliert. Sie hilft bei Fragen zu Therapie und Nachsorge, unterstützt bei der Bewältigung der Erkrankung und bietet ein gemeinsames Forum zum Austausch für Betroffene und Experten. Der gemeinnützige Verein trägt sich ausschließlich durch privates Engagement. Weitere Informationen unter www.hirntumorhilfe.de.

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