Jugendliche ergänzen und stärken sich

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Gemeinsam mit Tanzschülern der „ballett-werkstatt“ übten die Schüler der Sprachheilschule ihre Choreografie ein.
Gemeinsam mit Tanzschülern der „ballett-werkstatt“ übten die Schüler der Sprachheilschule ihre Choreografie ein. (Foto: Blöchinger)
Maria Anna Blöchinger

Zum ersten Mal geht in der Region ein von der „Aktion Mensch“ gefördertes Tanzprojekt über die Bühne. Beteiligt sind dabei die Tanzschule „ballett-werkstatt“ von Bettina Owczarek, der Verein „Tanz & Kultur“ mit Roland Peinl und das Sprachheilzentrum Ravensburg.

Wie alle Heranwachsenden haben auch Kinder und Jugendliche mit Sprach- und Hörschädigung Freude an der Bewegung, ihr Zugang zu kulturellen und künstlerischen Aktivitäten ist aber erschwert. Wenn sie eine Förderschule besuchen, liegt der pädagogische Schwerpunkt auf anderen Lerninhalten. Verantwortliche der Sprachheilschule und der Pädagoge Roland Peinl vom Verein „Tanz & Kultur“ stellten fest, dass bei diesen Schülern besonders die Fächer Musik, Tanz und Theater in der Regel zu kurz kommen. So entwickelten die Pädagogen mit dem Regisseur Carsten Herold zusammen ein Förderprojekt.

Im April 2018 stellte das Vorprojekt „Ich zeige dir meine Welt“ für Schüler der 5. Klassen der Sprachheilschule die günstige Wirkung kreativer Betätigung auf die Entwicklung der Kinder heraus. Als Folge boten die Beteiligten seit September 2018 ein inklusives Projekt an. In dem videogestützten Theater- und Tanzprojekt mit dem Titel „Meine Familie und ich“ lernen sprach- und hörgeschädigte Kinder und Jugendliche erst für sich und dann mit Ballettschülern zusammen.

Zunächst nahmen rund 50 Schüler der Sprachheilschule an Schnupperkursen teil. Beim Projekt selbst waren es dann, mit den Ballettschülern zusammen, rund 35 Teilnehmer im Alter von elf bis 13 Jahren. In regelmäßigen Trainingsstunden in der „ballett-werkstatt“ und in gemeinsamen Wochenend-Workshops entwickelte sich ein gemeinsamer Tanz, bei dem jede Gruppe ihre Bewegungssequenzen selbst festlegte. Die Sprachheilschüler erfahren durch die Gemeinschaft mit den gleichaltrigen Ballettschülern einen selbstverständlichen Umgang mit tänzerischem Ausdruck und lassen sich anstecken. Sie fassen Mut zum Spiel und Mut, sich bei einer Aufführung zu zeigen.

Im Gegenzug lernen aber auch die Balletttänzer von der Spontanität und dem Temperament der Sprachheilschüler. „Es ist toll zu sehen, wie selbstverständlich sie sich annähern, annehmen und sich auch schon zarte Freundschaften gebildet haben“, schwärmt Bettina Owczarek.

Sie selbst habe dabei eine andere, eine nicht so strenge Art zu arbeiten erfahren, berichtet die staatlich geprüfte Bühnentänzerin, Diplom-Choreografin und Tanzpädagogin, die neben 22-jähriger Bühnenerfahrung mehr als 17 Jahre Erfahrung als Tanz- und Ballettpädagogin mitbringt. Mit ihrer Tanzschule ist sie seit fünf Jahren in Ravensburg. „Ich bin stolz auf alle Tänzer und Tänzerinnen“, betont sie. Zwei Aufführungen im Sprachheilzentrum vor Freunden und Verwandten waren der Höhepunkt und schöner Abschluss des Projekts.

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