Jonas Langmann ist der große Schweiger mit den Krakenarmen

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Die Kaufbeurer Topstürmer Branden Gracel (links) und Sami Blomqvist (rechts) kamen in Spiel vier nicht an Towerstars-Goalie Jona
Die Kaufbeurer Topstürmer Branden Gracel (links) und Sami Blomqvist (rechts) kamen in Spiel vier nicht an Towerstars-Goalie Jonas Langmann vorbei. (Foto: Mathias Wild)
Sportredakteur

Wer Towerstars-Goalie Jonas Langmann auf dem Eis dabei beobachtet, wie er zwischen den Pfosten hin und her wirbelt und sein Tor verteidigt, könnte einen Mann mit grimmigem Blick hinter der Maske vermuten, der die Zähne fletscht oder laut losbrüllt, wenn er mal wieder einen Schuss des Gegners entschärft hat. Wer ihn dann aber nach einem Spiel ohne Schutzkleidung und ohne Helm sieht, hat einen zurückgenommenen 27-Jährigen vor sich, der eher wie ein großer Schweiger daherkommt. Einer mit Krakenarmen. Einer mit einer überragenden Fangquote.

Drei Jahre ist Jonas Langmann nun schon bei den Towerstars – und es scheint, als würde erst in den vergangenen Wochen auch dem letzten Eishockeyfan so richtig klar, was für ein guter Goalie er ist. Das mag vielleicht daran liegen, dass er doch immer mal wieder einen Puck nicht entscheidend genug zur Seite geklärt, auch mal einen Treffer durch die Schoner kassiert hat – unterm Strich trifft aber eigentlich nur das Wort überragend auf das zu, was Langmann über weite Strecken der Saison geleistet hat. Ganz besonders in den Play-offs.

„Ich bin ganz zufrieden mit meiner Leistung“, sagt Langmann. Es ist ein Satz, der wunderbar zu ihm passt. Er sagt ihn in der Towerstarskabine, wenige Minuten nach dem 3:0-Sieg gegen den ESV Kaufbeuren, der den Ravensburgern im Play-off-Halbfinale den ersten Matchpuck sicherte. Aus der Dusche ist wilde Fasnetsmusik zu hören, die Teamkollegen feiern. Langmann, der stille Genießer, hat sich lieber draußen vor der Kabine einen anerkennenden Kuss von seiner Freundin abgeholt. „Insgesamt haben wir heute wieder ein sehr gutes Spiel gezeigt“, sagt er nach 60 dominanten Minuten beim Erzrivalen Kaufbeuren. „Wir wollten unbedingt was vom letzten Spiel wiedergutmachen“, fügt Langmann hinzu. 3:6 hatten die Towerstars am Sonntag verloren. Es war die erste Niederlage in den Play-offs nach zuvor sechs Siegen. „Jetzt haben wir die Chance, etwas zu erreichen. Wir wollen ins Finale. Jeder ist topmotiviert“, macht Langmann deutlich.

Zwei Shutouts in den Play-offs

Einen Sieg sind die Towerstars noch davon entfernt. Einmal noch müssen sie so konzentriert spielen wie am Dienstagabend, um den Löwen Frankfurt in die am Gründonnerstag beginnende Finalserie zu folgen. Dass sie sich dabei auf ihren Goalie verlassen können, ist sehr wahrscheinlich. Zwei von drei Shutouts in dieser Saison hat Jonas Langmann in den Play-offs erzielt. Einen in Spiel drei gegen Bad Nauheim, den zweiten am Dienstag in Kaufbeuren.

Nicht zuletzt Towerstars-Coach Rich Chernomoaz hat Langmann noch einmal richtig gepusht. Erst hat er ihn vor Beginn der Play-offs herausgefordert, als er explizit erwähnte, dass es – neben erfolgreichen Specialteams – einen starken Goalie brauche, um weit zu kommen. Als Langmann lieferte, vergaß Chernomaz nicht, ihn zu loben. Der Trainer tat sogar viel mehr. Ausdrücklich stellte er Langmanns Leistungen in den Vordergrund. Mit gutem Grund: Gegen Kaufbeuren hielt Langmann gleich drei Penalties.

„Ich möchte die Saison erfolgreich abschließen“, sagt Langmann nach dem dritten Sieg gegen Kaufbeuren. Wer weiß, wie seine sportliche Zukunft aussehen wird, spürt da schon etwas Wehmut. Erstens soll Langmanns Abschied nach SZ-Informationen nach der Saison bereits feststehen, zweitens soll er sich mit einem DEL-Club einig sein. Zudem steht offenbar mit dem Schwenninger Marco Wölfl schon ein Nachfolger bereit.

Doch bis es so weit ist, muss niemand Sorgen haben, dass sich Jonas Langmann auf dem Weg zu seinem großen Ziel ablenken lässt. Er will mit den Towerstars ins Finale. Und dann geht die Party erst richtig los. Auch wenn sich der Ravensburger Goalie daran wohl eher still beteiligen wird.

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