Jazznacht kombiniert Musik mit Kunst

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 Peter Berger stellte beim Neuen Ravensburger Kunstverein Skurriles aus. Unter anderem dieses Modell mit dem Bähnle. Vorne die A
Peter Berger stellte beim Neuen Ravensburger Kunstverein Skurriles aus. Unter anderem dieses Modell mit dem Bähnle. Vorne die Aufschrift „Baienfurt“ an den Eingängen „Zombies“ und „Normalos“. (Foto: Philipp Richter)
Dorothee L. Schaefer

Eine gelungene Bereicherung der Musik- und der Ausstellungsszene in Ravensburg war die von Jazztime Ravensburg innerhalb des Landesjazzfestivals 2019 initiierte Jazznacht „Jazz meets Art“ an fünf Kunst-Orten. In der Kreissparkasse fand die offizielle Eröffnung statt.

Eine samtweiche Trompete und Keyboardbegleitung des Münchners Julian Hesse und des Chilenen Sebastián Castro zu den traumschönen Großformaten auf Japanpapier von Barbara Ehrmann – es könnte poetischer nicht sein. Subkutaner Jazz mit lebendigem Atemhauch, der nicht nur Emotionen aufkommen sondern innere Bilder aufsteigen lässt, den zarten Gebilden und Tropfenschnüren in Schwarz und einem spezifischen Bleu auf den hängenden Fahnen simultan verwandt – fast Synästhesie. Die Begrüßung holt einen zurück: Ist es wirklich schon 25 Jahre her, dass ein Kreis von 44 Jazzbegeisterten das Wagnis startete, dem Jazz in Ravensburg im Rahmen eines Vereins eine dauerhafte Heimat zu geben?

Zeit für eine längere Rede, denn an die Anfänge dieser erfolgreichen Initiative vor 25 Jahren erinnerte sich Thomas Knubben, damals frisch gewählter Kulturamtsleiter und kurz vor seinemDienstantritt in Ravensburg, noch sehr genau. Knubben war ebenso wie Gründer und Vorsitzender Gerhard Reuther und Festivalkurator Thomas Fuchs sowie die Kreissparkasse als Fördererin von der Entwicklung dieses Projekts überzeugt. Heute gibt es 370 Mitglieder in dem Verein, der sich seine Spielstätten immer in Zusammenarbeit mit Behörden, Firmen, Schulen und Gastronomen gesucht hat, ohne je einen festen Club zu institutionalisieren – für Knubben ein wesentlicher Teil des Erfolgs. Außerdem seien die „Absage an akademische Diskussionen“, „mutige Programme für die Menschen in dieser Region“, ein professionelles Marketing mit Augenmaß und ein „offenes Netzwerk mit Anschluss zu anderen künstlerischen Sparten“ wie Poesie oder Tanz der Grund für das Weiterbestehen. Nach dieser Laudatio wandte sich Knubben dem Thema des Abends zu und führte in eleganten und humorigen Kehren über den Jazzverächter Theodor W. Adorno zu den Jazz-Begeisterten Henri Matisse oder Piet Mondrian. Einen zentralen Begriff für die Verwandtschaft von moderner Kunst und Jazz fand er in der „Zeitgenossenschaft“ von beiden und im „Spüren und Hören von Verbindungen“. Zu diesem beeindruckenden Schlusswort passte die verhaltene Impro zu „Mackie Messer“ des tollen Duos der Münchner Szene.

An den vier anderen Kunst-Orten ist schon viel zugange: Bandoneón-Klänge und Erklärungen zum Instrument von Roland Klugger im Heilig-Geist-Spital in der vielseitigen Ausstellung „Crossing the Roads“ des 2012 gegründeten Ravensburg-Weingartener Kunstvereins mit Arbeiten von 18 Mitgliedern. Zusammen mit dem Kontrabassisten Klaus Bermetz erklingt das bekannte „Oblivion“ von Astor Piazzolla, dem großen Mittler zwischen Tango und Jazz. Eine schöne, inspirierende Atmosphäre im Spital, wenn auch die Akustik nicht unproblematisch ist.

Deutliche Beziehungen in der Galerie 21.06 (Ausstellung „Mo(vi)mento“ von Klaus Prior & Phil Dera) zwischen der Malerei von Klaus Prior und dem jungen Saxophonisten und Preisträger Joachim Staudt und seinem Duopartner Axel Kühn am Bass. Eine Ecke des Hauptraums vor den kleinformatigen Zeichnungen Priors wird zum intimen Raum für eine ebenso intime Begegnung mit diesen beiden Grundinstrumenten des Jazz. Dafür braucht es weder Masse noch Lautstärke, ein eindrucksvoller Moment. Im Kunstmuseum sammeln sich dagegen viele junge Leute: Dahin zieht die hinreißende Bilderwelt von Asger Jorn und dem Künstlerduo Nathalie Djurgard/Hans Berg. Maja Taube aus Nürnberg mit ihrer „keltischen“ Harfe, die Festivalkurator Thomas Fuchs über das Internet für den Auftritt anwarb, und der Allrounder Jan Galega Brönnimann aus Bern formen mit Fuchs ein Trio. Die Freude steht ihnen auch nach dem begeisternden Auftritt noch ins Gesicht geschrieben, denn wenn drei Solisten in einer ersten Begegnung miteinander improvisieren, ist es superspannend. Es wird, so meinen die drei, wohl nicht das letzte Mal gewesen sein.. Im Neuen Ravensburger Kunstverein hat die Pop-Band von Markus Maria Jansen zwar schon Schluss gemacht, aber die Ausstellung von Peter Berger mit ihren Wimmel-Miniaturen, in Feinstarbeit zusammen gesetzt, ist allemal einen längeren Blick wert.

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