Jazzkantine lässt das Konzerthaus brodeln

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 25 Jahre auf der Bühne und immr noch gut drauf: Die Jazzkantine feiert beim Landesjazzfestival fröhlich ihr Jubiläum.
25 Jahre auf der Bühne und immr noch gut drauf: Die Jazzkantine feiert beim Landesjazzfestival fröhlich ihr Jubiläum. (Foto: Bernd Guido Weber)
Bernd Guido Weber

„Highway To Hell“ ist ja nicht unbedingt ein Jazzklassiker, auch kein Hip-Hop-Hit. Die Jazzkantine bringt es trotzdem, im Abtanz-Block gegen Ende ihres zweistündigen Auftritts. Die Menge tobt. Will mehr, noch mehr.

25 Jahre Jazzkantine, und die älteren Jungs aus Braunschweig haben immer noch Spaß. Ihr „Silberjubiläum“ feiern sie als Opener des Landesjazzfestivals im ausverkauften Ravensburger Konzerthaus. Im Gepäck: die neue CD „Mit Pauken und Trompeten“ . Die Trompete fehlt zwar, sonst ist alles dabei. Gute Laune, souveräne Musiker, Spielfreude. Und die ganz eigene Mischung aus Hip Hop, Jazz, etwas Salsa, einer Spur Blues mit Hendrix-Gitarre. Genre-Grenzen haben die Band um Mastermind Christian Eitner nie geschert. Gut so, die Welt ist bunt.

Aber nicht unbedingt heile. „Respekt ist unsere Aufgabe“, rappen Tachi und der Mann, der später als silbriger Discoblitzer für Freude sorgt. Treibender Groove, angefeuert von Drummer Andy Lindner, vorwärtsgelegt vom Basser Eitner. Dazu voller Sound von Keyboard, E-Gitarre, Saxofon. Transparent, sauber abgemischt, nie die übermäßige Dröhnung. Kompliment an den Mann am Mischpult. Bald kommt Rapper Cappuccino dazu, der kleine Mann mit der starken Stimme.

Jazzkantine ist keine Politband, hat dennoch eine Botschaft. „Wir haben den Eindruck, dass wieder Grenzen aufgebaut werden, die wir längst eingerissen glaubten“. Und: „Es gibt nur eine Kategorie, und die heißt Mensch“.

Sechs der 13 Songs der Jubiläums-CD bringen die Braunschweiger, in bunter Mischung mit älteren Stücken, Instrumental-Soli, Geplauder. „Information“ kritisiert den Wahn, ständig digital erreichbar zu sein. „Zu viele Hashtags, zu viele Notebooks, ich zieh´ den Stecker, ich mach mal Pause.“ Ein Reggae erfreut nicht nur die Freunde illegaler Rauchwaren, Jamaika steht für positives Lebensgefühl. Richtig gut ist der Salsa „Tanz, Baby“. „Komm tanz, ich will sehen was du kannst“. Das geht auch Tanzmuffeln in die Beine.

Immer mehr Bewegung im rammelvollen, unbestuhlten Saal. Jetzt drehen die Braunschweiger am Stimmungsregler, Partytime. Kollektives „Yeah“ des Publikums. „Get up“ in Dauerschleife, James Brown lebt, auch ohne Sexmachine. „Superstition“, der Allzeit-Hit von Stevie Wonder, kommt als Knaller. Mit „Highway to Hell“ ist die Party noch nicht zu Ende. Jubel, Zugabe, Zugabe.

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