Internet ist nicht alles

Lesedauer: 5 Min
 In der Tourist-Info in Ravensburg erinnert nichts mehr an eine schnarchige Amtsstube.
In der Tourist-Info in Ravensburg erinnert nichts mehr an eine schnarchige Amtsstube. (Foto: dpa/anja koehler)
Deutsche Presse-Agentur
Schwäbische Zeitung

Wo sollen wir abends essen? Das ist wohl eine der häufigsten Fragen während des Urlaubs. Die Antwort gibt es heutzutage meist online. Also regeln Touristen inzwischen alles digital? Und müssen Städte daher noch viel Geld für ihre Tourist-Informationen ausgeben? Katja Möthe, Leiterin der Tourist-Info in Ravensburg, hat dazu eine klare Meinung.

Rund 3,3 Millionen Tagesgäste zählt die Stadt Ravensburg jährlich. Was Besucher herlockt, sind Steine und Spiele: die gut erhaltende Altstadt mit ihren Einkaufsmöglichkeiten und das Weltunternehmen Ravensburger, bekannt für seine Puzzles, Memory und Co. Möthe sagt: „Viele Tourist-Infos sehen noch aus wie Amtsstuben. Das ist schrecklich und passt nicht zum Thema Urlaub.“

In Ravensburg hat sich in jüngster Zeit viel getan. Die Stadt hat sich zum Ziel gesetzt, aus der Tourist-Info einen „Erlebnisraum“ zu machen, wie Möthe sagt. Die Gestaltung am neuen Standort im Lederhaus ist modern: Ein hallenartiger Raum, Terrazzo-Boden, gute Beleuchtung. Auf einer riesigen Glaswand ist die gesamte Region abgebildet. Dafür gibt es keine reine Prospektwand mehr, nur noch ein Drittel des Materials liegt aus. Monitore zeigen auf: Was wird an diesem Tag angeboten?

Aktualität im Internet

Doch mit schicker Architektur in einem historischen Gebäude ist es nicht getan. „Es ist enorm wichtig, den Onlineauftritt aktuell zu haben. Aber genauso wichtig sind gute Mitarbeiter mit Ortskenntnis“, sagt Möthe. „Fast jeder ist mit dem Handy unterwegs. Man merkt, dass die Leute, die zu uns reinkommen, oft schon informiert sind. Sie wissen, dass um 14 Uhr die Stadtführung ist.“ Sie fragen dann eher nach Geheimtipps: Gibt’s was Gutbürgerliches in der Nähe?

„Vieles ergibt sich im Gespräch“, erzählt Möthe. Mit Blick auf die vielen digitalen Infokanäle sagt sie: „Ich habe den Eindruck, viele wollen einfach mal wieder mit jemandem sprechen.“ Im Netz könne man nicht nachfragen. Der Schlüssel für eine erfolgreiche Zukunft sei qualifiziertes Personal.

„Touristen-Informationen sind wichtig“, sagt Anne-Sophie Krause, Sprecherin beim Deutschen Tourismusverband. Sie verweist auf eine Schätzung des ADAC, nach der es in Deutschland ungefähr 3800 solche Einrichtungen gibt. Der Begriff ist nicht geschützt oder definiert. Es können große Filialen an Flughäfen und Bahnhöfen sein, aber auch Buden in kleinen Orten.

Überangebot überfordert Gäste

Viele Kunden kommen gut informiert. „Aber sie wollen eine Bestätigung, eben weil es so viele Informationen im Netz gibt“, sagt Krause. „Sie wollen wissen, dass sie sich für die richtige Attraktion entschieden haben.“ Das Überangebot an Online-Infos überfordere viele Gäste. Ein Vorteil der Tourist-Infos sei, dass dort Menschen aus der Region arbeiteten. Wenn da der Tipp kommt, bei dem einen Bauern noch den selbst gemachten Apfelsaft zu kaufen, sei das glaubwürdig.

Krause sagt aber auch: „Ohne digitale Infos geht in Zukunft nichts mehr.“ Tourist-Informationen sollten daher außerhalb der Öffnungszeiten permanent Material auf ihren Webseiten zur Verfügung stellen. Zusatzleistungen wie ein Fahrradverleih erhöhen zudem offenbar das Interesse der Besucherinnen und Besucher.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen