In Weißenau öffnete sich des Volkes wahrer Himmel

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Beim historischen Festzug am Sonntag ist die Weißenauer Geschichte wieder lebendig geworden.
Beim historischen Festzug am Sonntag ist die Weißenauer Geschichte wieder lebendig geworden. (Foto: Siegfried Heiß)
Günter Peitz

Pferde haben offenbar überhaupt keinen Respekt vor der Obrigkeit. Direkt vor der vollbesetzten Ehrentribüne auf dem Torplatz, auf der als prominentester Gast auch Bundestagsabgeordneter Axel Müller Platz genommen hatte, ließen sie am Sonntag beim Festumzug, dem Höhepunkt des 107. Weißenauer Heimat- und Kinderfestes, jede Menge Rossbollen fallen.

Bei schönstem Festwetter war der der Zug Hunderter kostümierter Kinder, Musikanten, Trommler, Fanfarenbläser, diverser Majestäten und blumengeschmückter Festwagen wieder eine Augenweide. Getrübt war die allgemeinde Festesfreude allerdings durch den Tod von Rolf Schramm und Anton Probst, die sich jeder auf seine Weise jahrzehntelang um das Weißenauer Fest verdient gemacht haben, wie Kommissionsvorsitzender Ulrich Höflacher in seiner Begrüßungsansprache betonte. Beiden widmete die Festversammlung auf dem Torplatz eine Gedenkminute und dazu läutete die große Dreifaltigkeitsglocke der Peter-und-Pauls-Kirche.

Vor dem Festzug hatten die Weißenauer mit den beiden Pfarrern Hermann Rundel und Hans-Dieter Schäfer einen ökumenischen Gottesdienst gefeiert, der in Weißenau eine lange Tradition hat. Ulrich Höflacher ließ die Holzhey-Orgel brausen, als die Schülertrommler und viele andere kostümierte Kinder, ihre Eltern und Lehrkräfte zusammen mit vielen anderen Gläubigen in die Kirche einzogen. Einige Mädchen und Jungen führten ein Spiel auf, in dessen Mittelpunkt der kleine Prinz von Antoine de Saint Exupery stand und in dem es um das hohe Gut wahrer Freundschaft unter den Menschen ging. Mit einem Porträt des Verstorbenen, einer brenenden Kerze und Blumenschmuck wurde bereits in der Kirche des verstorbenen Rolf Schramm gedacht, den Vorsitzender Höflacher später ein „Urgestein“ der Festkommission nannte.

Besonders erfreut zeigte sich Höflacher über die erstmalige Teilnahme der Fahnenschwingergruppe des Bildungszentrums St. Konrad, die auch Trommler und Pfeifer umfasst. Der Vorsitzende erwähnte eine besondere Ehrung, die am Abend zuvor bei der Siegerehrung nach dem Fußballturnier, das bereits zum 30. Mal ausgetragen wurde, dem Ehrenvorsitzenden Andreas Bendel zuteil geworden war. Ebenfalls vor nunmehr 30 Jahren hatte der damalige Kommissionsvorsitzende mit seinem Team die Requisitenhalle erbaut. Das sei damals eine ganz herausragende Leistung gewesen. Der Dank des Vorsitzenden, aber auch der Dank der Schirmherrin des Festes, Ortsvorsteherin Simone Rürup, galt darüber hinaus so vielen Ehrenamtlichen, das sie hier namentlich unmöglich alle aufgeführt werden können, natürlich auch der Musikkapelle Sternberg Weißenau, die unter anderem das Weißenauer Heimatlied intonierte. Der Gesang des Publikums hätte kräftiger ausfallen dürfen. Höchstpersönlich vom Vorsitzenden geküsst und mit einem Präsent bedacht wurde Petra Demario, seit zehn Jahren verantwortlich für die Schülertrommler.

Lebendige Weißenauer Geschichte

Kenntnisreich kommentiert von den Festzugsprechern Ralph Kirchmaier und Monika Buck, genossen dann die Weißenauer und ihre Gäste den prächtigen Festzug. Zwei auswärtige Gruppen aus Füssen und Lingen an der Ems sorgten für zusätzlichen Augenschmaus: bereits zum dritten Mal Kaiser Maximilian I. Und seine Gemahlin hoch zu Ross auf riesigen Pferden samt ritterlichem und sonstigem Gefolge und erstmals die „Kivelinge“ von der Waterkant, beides Gruppen, die dem Fanfarenzug Weißenau freundschaftlich verbunden sind. Selbstverständlich waren auch wieder Kaiser Barbarossa mit Gemahlin und König Rudolf von Habsburg im Festzug präsent. Beide Herrscher haben in der Weißenauer Klostergeschichte bekanntlich eine wichtige Rolle gespielt.

Den Auftakt des Heimat- und Kinderfestes Weißenau hatten am vergangenen Freitag der traditionelle Luftballonstart, eine Fackelserenade und ein Feuerwerk bei noch „wackeligem“ Wetter gebildet. Um so ungetrübter durch Regen, wie noch im Vorjahr, verlief der hochsommerliche Festabend am Samstag unter den mächtigen Bäumen in „Oberschwabens schönstem Biergarten“, wo der Liter Festbier nur 6,80 Euro kostete. Da tat sich wie bei Goethe des Volkes wahrer Himmel auf unter dem Motto: „Zufrieden jauchzet Groß und Klein. Hier bin ich Mensch, hier darf ichs sein!“ Und als die Eggenbacher Musikanten vom weißen Schwan und der Fischerin vom Bodensee schwärmten, kannte die allgemeine Glückseligkeit keine Grenzen. Einen drauf setzte zu vorgerückter Stunde dann noch die faszinierende Ein-Frau-Mancucela-Feuershow.

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