In Ravensburg fehlen Wohnungen für Flüchtlinge

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Bezahlbarer Wohnraum bleibt in Ravensburg ein großes Thema.
Bezahlbarer Wohnraum bleibt in Ravensburg ein großes Thema. (Foto: dpa/Armin Weigel)
Schwäbische Zeitung
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Die Stadt braucht für Flüchtlinge, die meist schon länger als zwei Jahre in Ravensburg wohnen und oft gut integriert sind, dringend passende, darunter familiengerechte Wohnungen. Trotz aller Anstrengungen fehlen spätestens ab 2019 rechnerisch 200 Plätze in der sogenannten Anschlussunterbringung. Weil der Markt ohnehin bereits sehr angespannt ist, will die Verwaltung auf das Problem mit einem weiter gefassten Ansatz reagieren: „Wir reden vom Standard sozialer Wohnungsbau - und zwar für alle, die ihn benötigen“, sagt Erster Bürgermeister Simon Blümcke. „Wir brauchen Wohnungen, keine Heime.“

Zuweisungen unter den Zahlen der 2000er-Jahre

Das Thema wird den Gemeinderat und die Ortschaften noch in diesem Monat intensiv beschäftigen - und danach über Monate hinaus. Dabei hat sich die Situation in Ravensburg eigentlich „dramatisch entspannt“, wie Blümcke am Mittwoch sagte. „Wir bekommen nicht ansatzweise so viele geflüchtete Menschen wie in den Jahren 2015 und 2016 zugewiesen, wir liegen im Durchschnitt längst sogar unter den üblichen Zahlen der 2000-er Jahre.“

Für 2018 erwartet die Stadt beispielsweise 60 Personen, die zusätzlich in die Erstunterbringung kommen werden. Plätze stehen ausreichend zur Verfügung. Freie Wohnungen, die die Stadt eigentlich für die Anschlussunterbringung nutzen wollte, gibt es allerdings auch nicht - unter anderem, weil der Landkreis, der für die Erstaufnahme zuständig ist, einige Standorte (beispielsweise in der Wangener Straße) nur zeitlich befristet nutzten kann.

Zahl der anerkannten Flüchtlinge wächst

Es wächst hingegen die Zahl derer, die als Flüchtlinge anerkannt werden oder die seit zwei Jahren in Ravensburg leben und deren Verfahren noch laufen. 380 Menschen sind es demnächst, für 180 gibt es existierende und geplante Lösungen: Unter anderem durch das neue Wohnprojekt in der Angerstraße in der Weststadt (88 Plätze) oder durch einen Neubau auf einem ehemaligen landwirtschaftlichen Anwesen in Lachen, an der Straße zwischen Oberzell und Untereschach.

Praktisch keine Angebote für Familien und alleinstehende Männer

Damit fehlen 200 Plätze für Flüchtlinge, die teilweise schon seit 2015 oder 2016 hier leben. „Die Leute sprechen oft gut Deutsch, ihre Kinder gehen hier in den Kindergarten oder in die Schule“, sagt Ravensburgs Sozialamtsleiter Stefan Goller-Martin. Und sie werden bleiben, mindestens drei Jahre wegen der Residenzpflicht. „Rückwanderung“ gibt es wegen der unveränderten Situation in Syrien, Afghanistan oder auch Gambia kaum. Wohnungen für diese Menschen zu finden, ist dabei oft eine besondere Herausforderung, weil es sich häufig um große Familien oder um alleinstehende junge Männer handelt. Goller-Martin: „Für beide Gruppen gibt es praktisch keine passenden Angebote.“

"Für die Schwächsten baut kein Investor"

Das trifft auf viele andere Ravensburger auch zu. Die Stadt will deshalb weg vom kurzfristigen Neubau für Flüchtlinge, hin zu „echtem bezahlbarem Wohnraum“, der von allen Bedürftigen genutzt werden kann und größere Flexibilität beim Flächenmanagement ermöglicht. Die Unterkünfte in der Florianstraße in Weißenau seien ein gutes Beispiel dafür, sagt Blümcke. Dabei gibt sich der Bürgermeister keinen Illusionen hin: „Für die Schwächsten baut kein Investor.“ Der Weg führe deshalb nur über eine städtische Wohnungsbaugesellschaft, wie sie Ravensburgs Oberbürgermeister Daniel Rapp plant.

Zusätzlich hofft die Verwaltung auf Angebote aus dem freien Wohnungsmarkt. Die Stadt will sich dabei als Zwischenmieter anbieten und die Integration der neuen Nachbarn begleiten.

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