In der Herrenstraße flattert eine besondere Fahne

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Sticht heraus: Manfred Sprolls Fahne ist anders als andere Ravensburg-Fahnen.
Sticht heraus: Manfred Sprolls Fahne ist anders als andere Ravensburg-Fahnen. (Foto: Archiv: Ruth Auchter)

Wer weiß, was die spezielle Verzierung der alten Ravensburg-Fahne zu bedeuten hat? Liebe Leser, melden Sie sich gern bei uns per Mail an r.auchter@schwaebische.de

Alle Berichte zum Rutenfest finden Sie unter

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Während des Rutenfestes flattert sie seit bald zehn Jahren mit vielen anderen blau-weißen Fahnen in der Herrenstraße. Aber die Fahne von Manfred Sproll ist anders als die anderen: Abgesehen vom Ravensburger Stadtwappen wird sie oben zudem von zwei roten und zwei grauen Rechtecken geziert. Nicht mal Stadtarchivar Andreas Schmauder weiß, was das zu bedeuten hat.

Sproll ist mächtig stolz auf seine Fahne. Und vermutet, sie sei die älteste der Stadt. Grund für diese Annahme: Er hat die Fahne auf dem Dachboden seines Hauses in der Herrenstraße 36 gefunden. Und das Haus wurde 1425 erstmals erwähnt. Sproll vermutet, dass die Fahne dort schon sehr sehr lange lag. Zuletzt hatte der 1889 geborene Ravensburger Bürgermeister Rudolf Walzer bis zu seinem Tod 1970 mit seiner Familie in der Herrenstraße 36 gelebt. Sein Vater, Johann Baptist Walzer, hatte dort seit den 1880er-Jahren eine Möbelschreinerei betrieben. Doch der Reihe nach.

Jahrelang spazierte Sproll jeden Tag auf dem Weg zur Arbeit an dem Gebäude vorbei und dachte sich jedesmal: „Mensch, das ist ein besonderes Haus mit tollen Holzarbeiten – das hätt’ ich gern.“ Er fragte beim damaligen Stadtsanierungsbeauftragten Joachim Scheible nach. Und wurde vertröstet. Bis 2005 ein Anruf von Scheible kam: Das denkmalgeschützte Haus stehe zum Verkauf. Ein Erbfall. Sproll schlug zu. Und hat vier Jahre lang saniert, was das Zeug hält – abgehängte Decken wieder in ihren Urzustand versetzt, verkastelte Räume aufgemacht und, wie er sagt, wieder „Großzügigkeit in das einstige Herrenhaus gebracht“. Dabei ist ihm auf dem Dachboden allerlei Interessantes in die Hände gefallen.

Stadtarchivar ist ratlos

Neben Spiegelkommode und Jugendstil-Tisch lag da beispielsweise auch ein alter Koffer. Und darin kam die wundersame Ravensburger Fahne zum Vorschein. Sproll glaubt: „Das ist die älteste Fahne der Stadt – jedenfalls hab ich so eine noch nirgendwo sonst gesehen“. Stadtarchivar Schmauder auch nicht. Darum hat er bei Historiker- und Archivkollegen in Ravensburg, Friedrichshafen und Ulm nachgefragt. Ohne Erfolg. Niemand weiß mit der einzigartigen Fahne etwas anzufangen: „Ebenso wie ich hat bislang keiner der Kollegen so eine Fahne gesehen und auch keine Vorstellung, was der Zusatz bedeuten mag“, gesteht Schmauder auf Nachfrage.

Natürlich wird Manfred Sproll seine Fahne trotzdem am Rutenfreitag hissen. Auch wenn er eigentlich aus Bad Waldsee stammt: Nach 20 Jahren, die er in seiner Physiotherapie-Praxis in der Innenstadt arbeitet, „kriegt man mit, was hier wichtig ist und bekommt einen Bezug zur Stadt“. Außerdem ist er eine Weile lang zur Weststadtschule gegangen. Damals durfte Sproll allerdings nicht beim Rutenfestumzug mitmachen. Das hat er später nachgeholt: Seit sieben Jahren gehört Sproll, Küchenlieder singend, zur Moritaten-Gruppe. In diesem Jahr läuft er sogar voraus. Als Trommler.

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