Im Glückshafen warten 114 000 Lose

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Joachim Düll organisiert beim Rutenfest den Glückshafen. Noch verwahrt er Lose und Gewinne sicher hinter Schloss und Riegel im
Joachim Düll organisiert beim Rutenfest den Glückshafen. Noch verwahrt er Lose und Gewinne sicher hinter Schloss und Riegel im Lagerraum im Rutenfesthaus. (Foto: Elke Oberländer)
Elke Oberländer

Alle Berichte zum Rutenfest sind unte www.schwäbische.de/rutenfest zu finden.

Nach dem Verkauf der Festabzeichen ist der Glückshafen auf dem Platz der Familie die zweite große Einnahmequelle der Ravensburger Rutenfestkommission (RFK). Das Losgeschäft bringt im Schnitt einen Gewinn von 25 000 bis 30 000 Euro, berichtet Joachim Düll. Der 56-jährige Maschinenbau-Ingenieur organisiert den Glückshafen seit 2016. Seine Einnahmen helfen, die Fuhrleute und Musikkapellen zu bezahlen und die Kostüme zu pflegen.

Die Vorbereitungen zum Rutenfest beginnen für Düll bereits im Frühjahr. Dann beantragt er beim Regierungspräsidium Tübingen die Genehmigung für eine „geringfügige Lotterie“ und beim Finanzamt Karlsruhe-Durlach dazu die Steuerbefreiung. Ist diese Hürde genommen, werden die Lose bestellt – bei einer speziellen Druckerei, die autorisiert ist, Gewinnlose zu drucken, berichtet Düll. Bis die Lose im Rutenfesthaus eingelagert sind, hat Düll sich schon lange mit den Gewinnen beschäftigt.

„Wir wollen uns immer wieder was Neues ausdenken, der Glückshafen soll ja nicht langweilig werden“, sagt er. Ihm ist auch wichtig, dass für alle Altersgruppen etwas dabei ist. Bei den Sonderpreisen gibt es in diesem Jahr zum Beispiel große Gasgrills, einen Gartenpool mit Wasserfilter, einen Kettcar, eine Fritteuse, Strandliegen und mehrere Fahrräder zu gewinnen. Alles in allem kauft die RFK für 38 000 Euro Gewinne.

„Die sind aber viel mehr wert“, erklärt Düll. Denn die örtlichen Firmen wie Metro, Fahrrad Amann, Spielwaren Fischinger, Betten Durner, die Drachengrube oder das Musikhaus Lange würden der RFK gute Konditionen bieten. Auch bei Anlieferung, Beschriftung und Transport vom Rutenfesthaus zum Glückshafen seien die Firmen sehr hilfsbereit.

114 000 Lose gibt es für den Glückshafen zu kaufen. Davon sind 28 510 Gewinnlose und 85 490 Nieten. Das heißt: Ungefähr jedes vierte Los gewinnt. Ein Los kostet 70 Cent. Unter die Leute gebracht werden die Lose von 40 Losverkäufern, die 85 Dienste zu je zweieinhalb Stunden leisten. Die Ausgabe der Gewinne im Glückshafen betreuen 85 ehrenamtliche Mitarbeiter. Sie leisten zusammen 185 Dienste zu je zweieinhalb Stunden. „Das ergibt einen sehr komplexen Schichtplan“, sagt Düll. Nach dem Einkauf ist die Schichteinteilung für den Organisator des Glückshafens der größte Aufwand. In Excel-Tabellen hat er alles übersichtlich organisiert.

Noch ist der Glückshafen in Einzelteilen im Rutenfesthaus gelagert. Jedes Jahr wird er vom Technischen Hilfswerk und der Firma Zinke auf- und wieder abgebaut. Eigentlich wäre es Zeit für einen neuen Glückshafen, sagt Düll. Der alte ist schon über 50 Jahre im Einsatz. Aber dafür fehle das Geld. Düll rechnet mit Kosten von einer Viertelmillion Euro. Also wird der Glückshafen in diesem Jahr nochmal restauriert.

Der Stand mit den Gewinnen ist 20 Meter lang, fünf Meter hoch und vier Meter breit. Düll ist froh, dass er auch dieses Jahr wieder am alten Standort am Platz der Familie stehen wird. Zeitweise hatte es so ausgesehen, als würde die Gemeinschaftsschule Kuppelnau den Platz für zwei Container für zusätzliche Schulklassen brauchen (die SZ berichtete).

Für Düll ist der Glückshafen nicht die einzige Aufgabe in der RFK. Er leitet auch die Festzugsgruppe „Hab mein Wagen vollgeladen“ mit zwei Zweispänner-Leiterwagen und dem großen Vierspänner-Blumenkinderwagen. Mit dabei sind jeweils 150 bis 200 Mädchen der Klassenstufen 1 bis 5 vom Klösterle sowie die Musikkapelle Bavendorf. Von 2012 bis 2016 hat Düll den Frohen Auftakt organisiert. Seit 2005 ist er Mitglied der RFK. Wieviel Zeit er im Ehrenamt für das Rutenfest verbringt? „Da darf man nicht rechnen“, sagt Düll. „Das muss Spaß machen, dann ist es gut.“

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