Im Einklang mit Natur und Artenvielfalt

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 Mit dieser Infotafel signalisiert Joachim Arnegger (links), dass er mit seinem Betrieb aktiven Artenschutz betreibt. Simon Schu
Mit dieser Infotafel signalisiert Joachim Arnegger (links), dass er mit seinem Betrieb aktiven Artenschutz betreibt. Simon Schumacher (Mitte), Vorstandssprecher des Verbands Süddeutscher Spargel- und Erdbeerenbauer, und Willi Mayer (rechts), Vorsitzender der NABU-Ortsgruppe Ravensburg, haben das Pilotprojekt mit aus der Taufe gehoben. (Foto: Anton Wassermann)
Anton Wassermann

Für das Artensterben bei Pflanzen, Vögeln und Insekten wird nicht zuletzt die intensive Landwirtschaft verantwortlich gemacht, die unter einem enormen wirtschaftlichen Druck steht und daher gezwungen ist, die Erträge ihrer Anbauflächen laufend zu steigern. Dass ein Erwerbslandwirt dieser Entwicklung entgegenwirken und dennoch auskömmlich wirtschaften kann, will ein Pilotprojekt zeigen, das am Donnerstag der Öffentlichkeit vorgestellt worden ist.

Joachim Arnegger, Betriebsleiter des gleichnamigen Spargelhofs in Weiherstobel, und Willi Mayer, erster Vorsitzender der Ortsgruppe Ravensburg im Naturschutzbund (Nabu), stellten das Projekt gemeinsam mit Simon Schumacher vor, Vorstandssprecher des Verbands Süddeutscher Spargel- und Erdbeeranbauer. Arnegger produziert auf seinem Hof neben Spargel auch Erdbeeren, Äpfel und Kirschen. Seine Erzeugnisse verkauft er auf Wochenmärkten und im eigenen Hofladen. Mit Willi Mayer steht Joachim Arnegger schon länger in Kontakt. Das war mit ein Grund dafür, dass sein Betrieb für dieses Pilotprojekt ausgewählt worden ist. Ins Leben gerufen haben es der Nabu-Landesverband Baden-Württemberg und der Verband Süddeutscher Spargel- und Erdbeeranbauer. Zwei weitere Betriebe machen bei diesem landesweiten Projekt mit.

Die kleinteilige Kulturlandschaft in diesem Teil des Schussentals mit ihren Feldhecken und Bachläufen bietet ohnehin schon gute Rückzugsgebiete für Vögel, Insekten und blühenden Wildpflanzen. Dennoch sind auch hier in den vergangenen Jahrzehnten Vogelarten wie die Feldlärche oder Schleiereule verschwunden. Voriges Jahr hat Arnegger auf seinem Hofgelände einen Nistkasten für Schleiereulen angebracht. Vor kurzem beobachtete hier Willi Mayer ein balzendes Eulenpaar, das hier offensichtlich eingezogen ist.

Äste und Totholz als Unterschlupf

An mehreren Stellen hat Joachim Arnegger Äste und anderes Totholz aufgeschichtet als Unterschlupf für Marder, Wiesel, Igel und Kleinsäuger. „Die Jäger finden hier ein reiches Nahrungsangebot und halten auch den Mäusebestand auf den Äckern kurz“, freut sich der Mann vom Nabu. Die Standorte der Steinhaufen hat Arnegger so gewählt, dass sie den ganzen Tag von der Sonne beschienen werden und so Eidechsen einen idealen Lebensraum bieten. Entlang seiner Erdbeerfelder hat der Landwirt vorigen Herbst auf einer Gesamtlänge von mehreren Hundert Metern zwei Meter breite Blühstreifen angelegt und an verschiedenen Stellen Ansitzstangen für Greifvögel aufgestellt.

„Dieser Verlust an Anbaufläche fällt nicht weiter ins Gewicht“, versichert Arnegger, „denn mit dem zusätzlichen Nahrungsangebot für Hummeln und andere Wildbienen bekomme ich auch zusätzliche Bestäuber für meine Kulturpflanzen. Außerdem sind sie auch natürliche Schädlingsbekämpfer.“ Auf moderne Anbaumethoden verzichtet der Landwirt trotz seiner Naturverbundenheit nicht. Dazu gehören Kunststofffolien auf den Spargelfeldern. Aus Sicht des Verbandssprechers Simon Schumacher sind sie auch ein Segen für den Natur- und Umweltschutz: „Dadurch kommt heimischer Spargel schon sehr früh im Jahr bei uns in den Handel. Das Gemüse muss nicht weit transportiert werden. Die Folie verhindert den Wuchs von Unkraut und erspart den Einsatz von Herbiziden. Außerdem kann sie vollständig wiederverwertet werden.“ In Absprache mit dem Nabu empfiehlt der Berufsverband seinen Mitgliedern, nach der Spargelernte eine einjährige Begrünung der Zwischenreihen auszubringen, die den Humusgehalt des Bodens verbessert und ebenfalls Insekten Nahrung bietet. Auch hier stimmt sich Joachim Arnegger eng mit Willi Mayer ab. Beide hoffen, dass weitere Kollegen diesem Beispiel folgen. Sie wollen damit aber auch private Gartenbesitzer ermuntern, für mehr Artenvielfalt in ihrem engsten Umfeld zu sorgen.

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