Ihr erster Theaterbesuch packt die Kinder

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Mit einem vergifteten Kamm will die verkleidete böse Königin (Ana Schlaegel) das Schneewittchen (Hannah Rech) umbringen.
Mit einem vergifteten Kamm will die verkleidete böse Königin (Ana Schlaegel) das Schneewittchen (Hannah Rech) umbringen. (Foto: Helmut Voith)
Helmut Voith

Weihnachtszeit ist Märchenzeit, auch am Theater Ravensburg. Das hat am Sonntag mit zahlreichen jungen Familien die Premiere von „Schneewittchen“ gefeiert.

Statt wie früher über den See nach Konstanz zu fahren, besuchen immer mehr Schulklassen das Theater Ravensburg. Am Montagmorgen sind Klassen aus Ravensburg, Friedrichshafen und Bad Waldsee mit ihren Lehrern ins Theater gekommen. Für die Sprachheilschule Weststadt ist es, wie die Lehrerin erzählt, der krönende Abschluss für ihr Projekt „Märchen“. Aus Bad Waldsee sind drei dritte Klassen mit dem Zug gekommen und vom Bahnhof zum Theater marschiert.

Viel Raum für die eigene Fantasie

Die Bühne ist fast leer und lässt viel Raum für die eigene Fantasie. Links steht eine Truhe. Sobald die böse Stiefmutter (schön fies Ana Schlaegel), ganz im engen schwarzen Outfit, sich beweglich wie die Schlange im Paradies räkelt, streckt und den Deckel aufklappt, erscheint der berühmte Spiegel, der der eitlen Frau mit tiefem Bass auf ihre Frage versichert, dass sie die Schönste sei im Land – doch nicht lange.

Die Königstochter (Hannah Rech) ist eben noch schöner, dazu sehr weltfremd und arglos. Doch der Jäger, der sie im Auftrag der Königin töten soll, schlottert selbst vor Angst. Diesen spielt Tobias Bernhardt, der zudem als Zwerg die anderen Zwereg anführt – er ist auch Prinz und Narr. Damit auch kein Zwerg verloren geht, halten sie sich an einer langen Stange fest, wie einst die sieben Schwaben an ihrem Spieß, wenn sie morgens ins Bergwerk gehen und abends hungrig ins Zwergenhaus zurückkehren.

Immer neue Pläne muss die Stiefmutter schmieden, um wieder die Schönste im Land zu werden. Die Kinder wissen zwar, wie’s ausgeht, doch hört man entsetzte „Nein, Nein!“, als Schneewittchen bei Kamm und Apfel zugreift. Alle Kinder voll bei der Sache, recken sich, um ja nichts zu verpassen. In immer neuer raffinierter Verkleidung ist die böse Stiefmutter zum Zwergenhaus, genauer zu der im Raum stehenden Tür gekommen, bis Schneewittchen doch noch im Sarg liegt. Hinterm Vorhang reitet der Prinz auf einem Steckenpferd vorüber. Es klirrt, Schneewittchen ist befreit und darf Hochzeit feiern.

Schauspieler erzählen von sich

Keiner fragt in der anschließenden Fragerunde, warum das Schneewittchen so gutgläubig war. Sie wollen viel lieber wissen, warum die drei Darsteller Schauspieler geworden sind, was sie verdienen, ob es ihnen Spaß macht und wie lang sie brauchen, um so viel Text auswendig zu lernen. Wie sie auf den Beruf gekommen sind? Alle drei erzählen, dass sie schon im Schultheater mitgespielt haben. Ob der Apfel wirklich vergiftet war? Aber nein, sonst könnten sie es ja bloß einmal spielen.

Für viele Kinder war es ihr erster Theaterbesuch. Es hat sie gepackt, was sehr für die Inszenierung spricht. Nie werden sie aufgefordert, lautstark um Hilfe zu rufen, wie man es schon anderswo erlebt hat. So bleiben sie bei der Sache. Märchen sind oft sehr grausam, der Schluss ist hier versöhnlicher. Die böse Stiefmutter darf zuletzt wegrennen und das Ganze hat dennoch Bestand. Eine kindgerechte Märcheninszenierung mit Witz.

Schülervorstellungen gibt es noch bis 18. Dezember jeweils um 9 und um 11 Uhr. Wem es besonders gefallen hat, der kann am 15. und 22. Dezember mit der Familie nochmals kommen. Wer sich traut, kann mit etwas Glück sogar als einer von sechs Zwergen mitspielen.

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