Idee: Nur noch E-Autos in Ravensburger Wohngebieten

Einfahrt nur noch für Elektrofahrzeuge: Ravensburg könnte zu einer Modellstadt werden.
Einfahrt nur noch für Elektrofahrzeuge: Ravensburg könnte zu einer Modellstadt werden. (Foto: dpa/Julian Stratenschulte)
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Dürfen in der Weststadt oder in Weißenau nur noch Elektroautos fahren? Ganz zu Ende gedacht, könnte so in weniger als zehn Jahren die Umsetzung eines Vorschlages aussehen, den Vertreter des Verkehrsministeriums aus Stuttgart mit nach Ravensburg gebracht haben. Denn die Stadt und mit ihr das Mittlere Schussental werden wohl die selbst gesteckten Ziele verfehlen, bis zum Jahr 2030 den CO₂-Ausstoß im Vergleich zu 2010 um 40 Prozent zu senken. Mit einer „Null-Emissions-Zone“ als Lösung könnte Ravensburg bundesweit zum Vorreiter werden.

Vorerst ist das freilich nur ein Impuls, den Christoph Erdmenger, Leiter der Abteilung für nachhaltige Mobilität beim Verkehrsministerium des Landes, bei einem Gespräch mit der Verwaltungsspitze und den Stadtplanern im Gepäck hatte. Allerdings ist das Konzept auch deutlich mehr als eine Vision: In den Niederlanden und auch in Skandinavien gibt es „Null-Emissions-Zonen“ schon, wie Erdmenger im Gespräch mit der „Schwäbischen Zeitung“ erläuterte.

Niederlande legen los

2025 wird in mindestens 30 niederländischen Städten eine solche Zone eingerichtet, in die nur noch schadstofffreie Lkw und Kleintransporter einfahren dürfen. Das gilt beispielsweise in Amsterdam dann auch für Krafträder – was im Prinzip bedeutet, dass nur noch elektrische Fahrzeuge zugelassen werden. Fünf Jahre später, ab 2030, soll dies überall in diesen Städten auch für Autos gelten.

Das Prinzip ähnelt den Umweltzonen, die es seit einigen Jahren gibt: Umweltzonen sind Gebiete, in denen nur Fahrzeuge fahren dürfen, die bestimmte Abgasstandards einhalten. Die Fahrzeuge müssen mit Plaketten auf der Windschutzscheibe gekennzeichnet sein. Ziel dieser Umweltzonen ist, die Schadstoffemissionen, die durch den Straßenverkehr verursacht werden, zu reduzieren.

Ravensburg als Vorreiter

Das Land Baden-Württemberg findet dieses Modell hochinteressant, konkrete Pläne gibt es in Deutschland aber bislang nicht, so Erdmenger. Ravensburg könnte hier als Pilotstadt zu einem Vorreiter werden – dann allerdings mit einer angepassten Umsetzung in mehreren Schritten und einer Mischung aus Repressionen und flankierenden Angeboten für die Bürger. „So etwas kann man sich gut in einem Ravensburger Wohngebiet vorstellen“, so der Abteilungsleiter im Verkehrsministerium.

Beispielsweise dürften dann in einem ersten Schritt nur E-Autos öffentliche Parkplätze in den Straßen des Quartiers nutzen, alle Verbrenner dürften nur auf Privatgrundstücken parken. Flankierend sollen Carsharing-Angebote für Elektroautos in dem Quartier subventioniert werden oder lokal gleich konkrete Anreize für den Abschied von Benzin und Diesel geschaffen werden. Als Ziel aber, so Erdmenger, würde am Ende eine Null-Emissionszone in dem Wohngebiet stehen. „Wenn in einem Stadtgebiet 1000 Menschen 500 bis 600 Autos fahren und diese allesamt auf Elektromobilität umstellen, hätte das signifikant positive Folgen“, sagt Erdmenger. Vorteil dazu: Es würde auch leiser werden in der Nachbarschaft.

Ziele werden verfehlt

Denn ohne einen großen Schritt wird es nichts werden bis 2030 mit den Zielen des „Klimamobilitätsplans“ für das Gebiet des Gemeindeverbandes Mittleres Schussental (GMS). Die Gemeinden und Städte Ravensburg, Weingarten, Baienfurt, Baindt und Berg bilden eine von fünf Modellkommunen im Land mit einem solchen Plan. Und weil das Land dafür Geld gibt, verfolgt es die Umsetzung der Pläne auch aufmerksam. „Wir haben bis 2030 nicht mehr viel Zeit“, so Erdmenger am Mittwoch.

Mehrere rechtliche Fragen, die sich mit dieser Idee verbinden dürften, wurden am Rande des Termines nicht erörtert.

Insgesamt sieht man in Stuttgart den GMS auf einem guten Weg: „Es gibt in Sachen Mobilitätswende viel Dynamik in der Gegend.“ Für kleinere Städte und Gemeinden sei die Umsetzung mitunter schwieriger, aber insbesondere die Stadt Ravensburg sei schon sehr weit und ein positives Beispiel.

Ein neuer Verkehrsplan

Dazu zählt auch das Modellprojekt „Klimamobil“, das Baubürgermeister Dirk Bastin noch einmal vorstellte. Wie berichtet, handelt es sich im Grunde um einen neuen Verkehrsplan für das Stadtzentrum, der 2024 in einem Versuch getestet werden soll. Die meisten politischen Entscheidungen in Sachen „Klimamobil“ müssen aber erst noch getroffen werden.

Der Plan der Ravensburger Stadtverwaltung sieht im Wesentlichen vor:

Südlicher Marienplatz, nördlicher Marienplatz und Bachstraße werden zur Fußgängerzone.

Die Karlstraße wird zu einer verkehrsberuhigten Zone umgebaut. Es gilt dann Tempo 20. Autofahren dürfen hier nur noch Anlieger. Ampeln werden reduziert, Radfahrer, Fußgänger und der ÖPNV haben Vorrang. Der Auto-Verkehr soll auf die B30 umgeleitet werden.

Bahnstadt und Altstadt sollen miteinander verbunden werden, gleiches gilt für Unterstadt und verkehrsberuhigte Karlstraße.

Die Georgstraße soll als Achse für Autos in beide Richtungen befahrbar sein – bis zur Verwirklichung des Molldietetunnels.

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