„Ich telefoniere sonst nie am Steuer“

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 Handysündern auf der Spur war die Polizei am Donnerstag. Etwa 120 Mal hieß es in Ravensburg: „Guten Tag, Polizeikontrolle bitt
Handysündern auf der Spur war die Polizei am Donnerstag. Etwa 120 Mal hieß es in Ravensburg: „Guten Tag, Polizeikontrolle bitte“. (Foto: Barbara Sohler)
Barbara Sohler

In Ravensburg wurden am Donnerstag im Rahmen der bundesweiten Maßnahme „sicher.mobil.leben.“ bei neun Kontrollaktionen etwa 120 Fahrzeuge angehalten. 26 Mal musste die Polizei dabei Handyverstöße ahnden, 17 Mal Gurtverstöße. Laut Paragraf 23 der Straßenverkehrsordnung darf man übrigens auch als Radfahrer nicht mit dem Handy telefonieren.

Handy-Sünder im Visier hatte am Donnerstag die Polizei. Denn: „Jeder Augenblick zählt“ – wie eine kleine Infobroschüre der Polizei erklärt. Und jeder Blick aufs Handy, jedes noch so kurze Gespräch kann katastrophale Folgen haben, wenn der Verkehrsteilnehmer sich doch eigentlich auf die Straße konzentrieren sollte. Ein kurzer Stopp an einem Kontrollposten bringt Aufschluss darüber, wie ernst die Ravensburger das Handyverbot am Steuer nehmen.

Die Herbstsonne steht gegen zehn Uhr morgens noch recht tief, wirft dunkle Schatten auf den Gehweg entlang der Brühlstraße. Direkt in der Kurve, bei der Abzweigung zum Sportcenter, steht unübersehbar ein Polizist, beobachtet die gen Süden vorbeiziehende Fahrzeugkarawane. „Die Petze“, wie die Kollegen flapsig sagen. Weil die Schatten bis auf die Straße reichen, kann der Beamte so manches Mal nicht sehen, ob der Fahrer den Gurt vorschriftsmäßig angelegt hat oder nicht.

Was aber deutlich zu sehen ist: Wenn Jemand ein Telefon ans Ohr hält. Und darauf haben es die insgesamt fünf Beamten am Einsatzort Brühstraße abgesehen: Auf Handysünder. „Schwarzer Cayenne, Handy am rechten Ohr“, schnarrt es dann aus dem Handsprechfunkgerät, das der Kollege – keine hundert Schritte entfernt in der Parkplatzeinfahrt zum TSB-Stadion – auf der Schulter trägt. Und schon tritt der Polizist auf die Fahrbahn und winkt den Porschefahrer aus der Kolonne. „Halt – Polizei“ steht auf der roten Kelle.

Polizeihauptkommissar Armin Rau, Leiter der Führungsgruppe und stellvertretender Revierleiter in Ravensburg, hat die erschreckenden Zahlen parat: Im vergangenen Jahr sind im Zuständigkeitsbereichs des Polizeipräsidiums Konstanz bei tödlichen Unfällen 58 Menschen ums Leben gekommen, nach Recherchen vermutlich Zehn durch die Benutzung eines Handys am Steuer – so weist es die Statistik aus. Das liegt in etwa im landesweiten Schnitt, der bei 17 Prozent liegt. Unfallursache „Ablenkung“ heißt es dann und passiert somit durchschnittlich einmal pro Woche.

Um diese Gefahren den Autofahrern deutlich zu machen, Präventivarbeit zu leisten und wenn nötig Verstöße mit einem empfindlichen Bußgeld von 100 Euro plus 26 Euro Verwaltungsgebühren und einem Punkt in Flensburg zu ahnden, sind am Donnerstag 2300 baden-württembergische Polizisten auf die Straße gegangen, haben an 660 Orten kontrolliert. Im Einzugsgebiet des Präsidiums Konstanz haben 180 Beamte an 60 stationären Kontrollstellen Fahrzeuglenker überprüft, in Ravensburg hat es Kontrollen an vier Standorten gegeben: an der Ortsdurchfahrt von Oberhofen, in der Jahnstraße, im Knollengraben. Und in der Brühlstraße.

Dort steht der junge Porschefahrer mittlerweile zerknirscht neben seinem Wagen, die Fahrzeugpapiere und seinen Führerschein hat ein Polizist zur Überprüfung in den Polizei-Van mitgenommen. Seinen Namen will er nicht preisgeben, aber er sei Handwerker, der zwischen Büro und Lager pendeln und häufig im Auto Telefonate annehmen muss. Dass sein großes Fahrzeug eine Freisprecheinrichtung hat, das weiß er natürlich. Nur benutze er sie eben häufig nur auf Langstrecken. „Was soll ich sagen… Ja, Sie haben recht“, antwortet er auf die Belehrung der Beamten und gibt sich ernstlich geläutert. Er sei Feuerwehrmann und Vater, wisse also wohl um die Gefahren.

So einsichtig seien beileibe nicht alle Verkehrssünder, wie ein Polizeihauptkommissar mit 37 Dienstjahren auf dem Uniformbuckel aus dem Nähkästchen plaudert. „Haben Sie nichts Besseres zu tun?“ fauchte es ihm und seinen Kollegen schon so manches Mal aus der Fahrerscheibe heraus entgegen. Vor allem nachts und womöglich noch unter Einfluss von Alkohol oder Drogen seien Verkehrsteilnehmer bei Kontrollen weit weniger entspannt als am helllichten Tag.

Wie aber verhält sich der ertappte Fahrer denn richtig, wenn die Polizei kontrolliert? „Wie es in den Wald hineinruft, so schallt es bekanntlich heraus“, gibt ein Beamter zu bedenken. Sprich: Freundlichkeit zahlt sich aus. So einfach ist das.

Ein Getränkelaster mit unangeschnalltem Fahrer geht den Beamten am Vormittag noch ins Netz. „So oft wie ich aussteigen und wieder einsteige, da schnall ich mich auf kurzen Strecken halt mal auch nicht an“, sagt der Mann lachend. Ein weiterer telefonierender Handwerker und auch eine Frau, die nur eben beim Wertstoffhof um die Ecke was abgeladen hat. „Ich schnalle mich sonst immer an“, verteidigt sie sich unwirsch. 30 Euro sind trotzdem fällig.

Und auch eine junge Radfahrerin wird auf dem Gehsteig nahe der Kletterhalle angehalten. Sie hat ihren Hütehund mit der Leine am Lenker fixiert und scheint ein eingespieltes Hund-Fahrrad-Team zu sein. Gleichwohl sei auch das eine potenzielle Gefahrenquelle und nicht erlaubt, klärt ein Polizist die Frau auf. Immerhin könne der Hund erschrecken und die Fahrerin i quer über die Straße ziehen. Für die Hundehalterin bleibt es bei einer mündlichen Verwarnung.

In Ravensburg wurden am Donnerstag im Rahmen der bundesweiten Maßnahme „sicher.mobil.leben.“ bei neun Kontrollaktionen etwa 120 Fahrzeuge angehalten. 26 Mal musste die Polizei dabei Handyverstöße ahnden, 17 Mal Gurtverstöße. Laut Paragraf 23 der Straßenverkehrsordnung darf man übrigens auch als Radfahrer nicht mit dem Handy telefonieren.

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