„Ich habe mich sofort als Mensch akzeptiert gefühlt“

Lesedauer: 7 Min
Dirk Gundel
Dirk Gundel (Foto: Archiv: Pau)
Schwäbische Zeitung

Dirk Gundel übernimmt am 1. Oktober die Stelle des Verwaltungsstellenleiters im Evangelischen Kirchenbezirk Ravensburg. Er ist 52 Jahre alt, verheiratet und wohnt zusammen mit seiner Frau in Ebersbach-Musbach. Zu Beginn seiner Berufslaufbahn absolvierte er im Main-Taunus-Kreis eine Ausbildung zum Diplomverwaltungswirt, war in den hessischen Kommunen Kriftel und Bad Soden tätig, ehe er 2009 die vakante Stelle als Kämmerer in der damals stark verschuldeten Gemeinde Aulendorf antrat. Im Gespräch mit Barbara Waldvogel erläutert er seine Entscheidung, für den Kirchenbezirk tätig zu werden.

Sie waren fast elf Jahre lang Kämmerer in Aulendorf und haben die einst recht schwierige Finanzlage der Stadt zusammen mit Bürgermeister Matthias Burth konsolidiert. Jetzt wechseln Sie als Verwaltungsstellenleiter zum Evangelischen Kirchenbezirk Ravensburg. Was hat Sie an dieser Stelle gereizt?

Es ist für mich ein neues Aufgabengebiet. Seit 32 Jahren kenne ich ja nur die kommunale Seite, und da finde ich es spannend, einmal eine andere Seite kennenzulernen. In den letzten Jahren habe ich verschiedene Fortbildungen in kirchlichen Räumen und Umgebungen gemacht. Dabei habe ich sehr positive Eindrücke von der Kirche gewonnen. Die Umgebung strahlte dabei immer einen gewissen guten Geist aus. Mit dem Evangelischen Kirchenbezirk Ravensburg hatte ich zuvor keine Berührungspunkte, aber im Rahmen des Vorstellungsgesprächs und des Auswahlverfahrens herrschte immer eine sehr angenehme Atmosphäre. Ich habe dabei eine Menschlichkeit und Herzlichkeit gespürt, mich sofort gut aufgehoben und als Mensch akzeptiert gefühlt.

Wenn Sie auf Ihr bisheriges berufliches Leben zurückblicken, welches Fazit können Sie ziehen?

Ich habe im kommunalen Bereich und gerade auf dem Feld der Finanzen viel Erfahrung gesammelt. Ich denke, mit der Konsolidierung der Finanzen in Aulendorf kann ich einen guten Erfolg vorweisen, aber auch auf meiner vorherigen Stelle in Bad Soden konnte ich einiges zum Wohl der Kommune beitragen. Somit ist es mir möglich, von diesen Erfahrungen etwas zurückzugeben an den Kirchenbezirk und damit auch zum Wohl der Gemeinden.

Apropos Wohl der Gemeinden. Die kirchlichen Finanzen werden in der nächsten Zeit auch zurückgehen. Haben Sie das bei Ihrer Bewerbung berücksichtigt?

Das ist mir schon klar: Rückläufige Mitgliederzahlen, dann auch wegen Corona weniger Einnahmen, und die Aufgaben werden wohl kaum geringer. Aber es ist eine interessante Aufgabe, unter schwierigeren Bedingungen trotzdem Gestaltungsfreiräume zu schaffen. Es macht mir auch immer Spaß, zusammen mit der Gemeinschaft etwas zu erreichen.

Auf die kirchlichen Verwaltungen kommt ja auch die Umsatzsteuerpflicht zu. Rechnen Sie da mit Problemen?

Das ist immer das Schöne, was wir auch auf kommunaler Ebene erleben durften: Von oben kommen Verordnungen und die kleinen Institutionen dürfen diese dann umsetzen. Ich weiß eigentlich auch nicht, was das mit der Umsatzsteuerpflicht für Kirchen bringen soll. Für die Stadt Aulendorf hatten wir das schon erarbeiten müssen. Allerdings hatten wir dort von der Möglichkeit Gebrauch gemacht, zeitlichen Aufschub in Anspruch zu nehmen. Und es wird inzwischen diskutiert, ob man aufgrund von Corona diese Erhebung von Umsatzsteuer nicht doch sein lassen sollte. Da wäre ich auch dafür. Beschlüsse treffen ist eben einfach, das Umsetzen wirft dann aber Fragen auf. Keiner weiß genau, wie es funktionieren soll. Aber man soll es auf jeden Fall richtig machen. Kommt es zu Fehlern, ist man in der Haftung.

Ein weiteres Thema ist die Umstellung der Buchhaltung auf Doppik. Haben Sie damit bereits Erfahrungen sammeln können?

Das habe ich erst in Bad Soden, dann in Aulendorf durchexerziert. Jetzt kommt die Doppik in der Kirche an. Aber das kriegen wird dann auch hin. Da kenne ich mich schon recht gut aus.

Ob zum 1. Oktober oder wenige Wochen später – Sie werden im neuen Haus der Evangelischen Kirche Ihr Büro haben. Freuen Sie sich darauf?

Sofern ich zunächst mit Kistenschleppen anfange, ist das auch kein Problem. Dieser Einzug bietet doch auch die Gelegenheit, sich gleich besser kennenzulernen. Das ist ein Gemeinschaftsprojekt, das es zu stemmen gilt. Das ist eine schöne Herausforderung. Außerdem finde ich es sehr gut, wenn dann die verschiedenen Einrichtungen unter einem Dach sind.

Sind Sie kirchlich sozialisiert?

Seit meiner Taufe bin ich Mitglied der Evangelischen Kirche. Aber bislang war ich darin nicht sehr aktiv. Aber ich freue mich, das alles kennenzulernen – zum Beispiel die Synode oder die verschiedenen Werke wie Diakonie, Bildungswerk, Jugendwerk. Auch freue ich mich auf die Rundreise zu den Gemeinden im großen Kirchenbezirk, der den Landkreis Ravensburg und den württembergischen Teil des Bodenseekreises umfasst.

Meist gelesen in der Umgebung

Die Kommentarfunktion ist für Sie aktuell gesperrt. Bitte wenden Sie sich an unseren Kundenservice für weitere Infos.
Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen

Mehr Themen