Zirkusdirektor Kretz: „Ich hab gelernt, dass Willenskraft Wege schafft“

 Der Ravensburger Weihnachtscircus ist zu Ende. Wie zufrieden er mit der Show war, erzählt Zirkusdirektor Elmar Kretz im Intervi
Der Ravensburger Weihnachtscircus ist zu Ende. Wie zufrieden er mit der Show war, erzählt Zirkusdirektor Elmar Kretz im Interview. (Foto: Stefanie Böck)
Schwäbische.de

„Nicht zu glauben, dass wir hier wirklich sitzen“, eröffnet Elmar Kretz nach 32 Vorstellungen im Ravensburger Weihnachtscircus das Gespräch. Er kann kaum fassen, dass er bis zum Schluss tatsächlich spielen durfte. Im Interview erzählt er von Zitterpartien und Bauchgefühlen und verrät, ob sich die Veranstaltung für ihn gelohnt hat.

Herr Kretz, Sie haben es geschafft. Der Ravensburger Weihnachtscircus hat stattgefunden. Wie geht es Ihnen?

Gut. Kurz vor der Premiere war die Stimme fast weg, die Nerven waren angespannt. Dann fängt das Projekt an zu rollen. Menschen kommen. Das Team funktioniert wie ein Zahnrad, das ineinandergreift. Und dann fängt es an Spaß zu machen.

Wie haben die Menschen in dieser Zeit auf eine Indoor-Veranstaltung mit 500 Zuschauern reagiert?

Ich habe dieses Jahr über das Maß viele E-Mails bekommen. Die Leute haben sich für die Show und das gut funktionierende Hygienekonzept bedankt und mir Videos von ihren Kindern geschickt, wie sie staunend im Publikum sitzen. Das hat mich total berührt. In der Show waren die Menschen total offen und extrem begeisterungsfähig.

 Zirkusdirektor Elmar Kretz bei seiner Pferdedressur.
Zirkusdirektor Elmar Kretz bei seiner Pferdedressur. (Foto: Siegfried Heiss)

Gab es keine Kritik, dass Sie veranstalten in so einer Zeit?

Nein. Auch bei der Stadt gab es keine Beschwerden. Und wir hatten keine einzige Kontaktnachverfolgung. Ein Mitarbeiter des Ordnungsamts war in der Show und hat uns danach geschrieben: „Besser geht’s nicht.“ Und sich dann sogar noch bedankt, dass wir das Risiko eingegangen sind.

Normal haben Sie Platz für 1800 Zuschauer pro Vorstellung. Hat sich der ganze Stress dieses Jahr denn gelohnt?

Natürlich. Wir machen unseren Erfolg an der Begeisterung der Leute fest. Wir hatten 500 Plätze zur Verfügung, die waren fast immer ausgebucht, die Stimmung war hochemotional. Wirtschaftlich gesehen hat so eine Produktion natürlich sehr hohe Fixkosten. Von der Werbung über die Artisten bis zu den Versicherungen. Das konnte bei der beschränkten Auslastung nicht wirtschaftlich sein. Aber: Wir hatten auch schon schlechtere Ergebnisse – gerade in der Anfangszeit. Dieses Jahr hilft uns der Kulturfond für Veranstalter, der Kulturschaffende unterstützt, die sich getraut haben, ihre Produktionen durchzuziehen. Den Löwenanteil haben wir aber selbst verdient.

Haben Sie immer gewusst, dass sie wirklich spielen können?

Der Kopf hat kurz vor der Premiere schon immer wieder gezweifelt, ob das wirklich geht. Aber mein Bauch hat immer gesagt: Kämpf, mach weiter, das geht schon. Und der hat in meinem Leben schon ganz oft Recht behalten.

Was war rückblickend betrachtet die größte Herausforderung?

Die Planungsunsicherheit in Verbindung mit den Kosten, die nicht einzusparen waren. Dazu kam ein sehr emotionales Team. Keiner hat geglaubt, dass er Weihnachten wirklich Arbeit hat. Viele der Artisten hatten schon sehr schwierige Sommer hinter sich. Entsprechend dankbar und glücklich sind sie jetzt.

Gab es Corona-Fälle während der Show?

Während der Show nicht. Beim Aufbau haben wir einen doppelt Geimpften vor Dienstantritt per Schnelltest erkannt und sofort in Quarantäne geschickt. Bei den Shows haben wir die 2G-Plus-Regelung konsequent umgesetzt. Jeder, der das Zelt betreten hat, trug eine Maske. Auch während der Vorstellung haben wir das kontrolliert. Auch hinter den Kulissen haben sich alle jeden Tag getestet bevor sie ins Zelt kamen. Die Artisten haben das Gelände nicht verlassen und sind maximal einzeln zum Einkaufen. Jeder wusste, dass es an ihm liegt, ob die Show überhaupt stattfinden kann.

 Artisten zeigten schwindelerregende Kunststücke.
Artisten zeigten schwindelerregende Kunststücke. (Foto: Siegfried Heiss)

Haben Sie in diesem Jahr irgendwas gelernt?

Ich hab gelernt, dass Willenskraft Wege schafft. Wenn man will, dann geht’s. Ein bisschen Glück gehört natürlich auch dazu. Aber man muss dem Glück eben auch eine Plattform bieten.

Woher kommt Ihre unerschütterliche Zuversicht?

Die habe ich mir antrainiert. Ich denke, das ist auch ein Stück weit Lebenserfahrung. Pandemie hin oder her – wir haben schon oft kämpfen müssen gegen alle möglichen Widrigkeiten. Dieses Jahr war eine besondere Situation – aber auch die war zu meistern. Anstrengend war nur, dass wir so stark von der Politik abhängig waren.

Wird es im nächsten Winter wieder einen Weihnachtscircus geben?

Ja, natürlich. Für mich ist das keine Frage. Ich wüsste nicht, was uns vom Spielen abhalten sollte. Ich sehe es als meine Aufgabe, auch in schwierigen Zeiten Menschen zu begrüßen. Das ist mein Beruf. Und den übe ich auch weiter aus.

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