Hohe Kunst, zum Greifen nah

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Schwäbische Zeitung

Es sind nicht immer die großen Bühnen, die den größten Kunstgenuss vermitteln: Im ehemaligen Kapitelsaal des Klosters Weißenau, wo seit drei Jahren die inklusiven Konzerte der Kulturkirche stattfinden, können Besucher laut Pressemitteilung den Musikern direkt auf die Finger schauen und intensiv an der Kunst teilhaben.

Zuletzt sei dies am vergangenen Samstagabend möglich gewesen, als das Duo Bohemico die Zuhörer seines Konzertes „Romantický Vecer“ („Romantischer Abend“) in seinen Bann gezogen habe, heißt es. Beide Musiker stammen aus Tschechien, haben eine Ausbildung an den Musikhochschulen in Prag, Pilsen, Weimar, Münster und Würzburg genossen und gewannen viele Preise als Solisten und als Kammermusiker. Anna Cuchal ist als Soloflötistin an der Staatskapelle Weimar tätig, Pavel Cuchal als Gitarrist pädagogisch und künstlerisch.

In Weißenau spielten sie nach Angaben der Kulturkirche ein vielfarbiges Programm mit Musik von bekannten deutschen und hierzulande unbekannten tschechischen Komponisten – zum Beispiel das vergnügliche Charakterstück „Agua e vinho“ (Wasser und Wein) von Jarsolav Pelikán. In ihrem Vortrag hätten sie gezeigt, dass nur zwei Künstler auf der Bühne ausreichen und nichts vermissen lassen.

Hochvirtuos hätten die Musiker in einer „Fantaisie brillante über ein Thema aus Carmen“ des Franzosen François Borne agiert. Bei allem sportlichen Impetus seien sie dabei in jedem Augenblick aufmerksam für die musikalische Gestaltung geblieben, hätten technisch lupenrein und in Perfektion miteinander gespielt.

Fast schöner noch als ihre artistischen Eskapaden seien die zarten Farben und die inspirierte, feine Gestaltung in den romantischen Stücken von Antonin Dvorák und im Ständchen aus dem Schwanengesang von Franz Schubert gewesen. Eine Violinsonate von Johann Sebastian Bach musizierten sie auf ihrem modernen Instrumentarium sprechend und werkgetreu. Beide brachten laut der Kulturkirche in lockerer Moderation die Musik in einen unterhaltsamen Zusammenhang. Die Zuhörer seien der Aufführung angerührt und konzentriert gefolgt – und dankten mit begeistertem Applaus.

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