Hochschul-Professor weint bei Klima-Demo um Zukunft seines Enkels

Lesedauer: 8 Min
Darum beteiligen sich Schüler an der Klimademo in Ravensburg
Kinder und Jugendliche nehmen ihre Zukunft in die Hand. Wir zeigen Impressionen der Fridays-For-Future-Demo und lassen die Demonstranten selbst zu Wort kommen
Giulia Ströbele

Zum zweiten Mal sind am Freitag Hunderte Schüler in Ravensburg für das Klima auf die Straße gegangen. Im strömenden Regen zogen sie vom Bahnhof zum Marienplatz. In einem Meer aus Regenschirmen waren die Plakate und Schilder zu sehen. Einer ihrer Sprüche: „Wenn Köln an der Nordsee liegt, ist es zu spät.“

Inspiriert sind die Demonstrationen unter dem Titel Fridays for Future (deutsch: Freitags für die Zukunft) von der 16-jährigen Schwedin Greta Thunberg, die schon seit 30 Wochen freitags nicht zur Schule geht, sondern für ernsthafte Schritte gegen den Klimawandel demonstriert. Für ihren Protest hat sie inzwischen weltweit Mitstreiter gefunden.

In Ravensburg hatte die Bewegung bei der zweiten Kundgebung mit Wolfgang Ertel einen Gast von der Hochschule Weingarten Ravensburg, der auf der Bühne am Marienplatz eine emotionale Rede hielt. Er hatte ein Kleinkind dabei, seinen Enkel Ole. Der Junge gehöre der Generation, die den Klimawandel wahrscheinlich stark zu spüren bekomme, sagte Ertel – und ihm versagte Stimme. Was ihn schockiere, sei, dass es um nicht weniger als die Zukunft und Existenz der Menschheit gehe.

Zwischen den Reden sorgte Mitorganisatorin Lara Homes mit einem Lied und Zurufen für Stimmung im Publikum. Weitere Schülerinnen trugen Texte und Lieder vor.

Nicht nur der Klimawandel war Thema der Reden, sondern auch das Schuleschwänzen. Schülerratssprecher Lachlan Eckhardt sagte, er sei empört darüber, dass Schulleiter nicht den eigentlichen Grund des Schwänzens sehen, sondern behaupten, die Schüler seien faul und würden streiken um sich den Unterricht zu ersparen. Die Ravensburger Schulleiter hatten den Schülern im Vorfeld mit Konsequenzen gedroht, wenn sie erneut an der Demo während der Schulzeit teilnehmen.

Am Rande der Demo sagte ein Schülerin, sie habe keine Angst vor Strafen. Ihr sei es wichtiger, für die Zukunft des Planeten Erde zu demonstrieren, als zwei Stunden Unterricht zu besuchen. „Bei mir liegt die Priorität auf dem Klima, weil das noch über meine Generation hinaus Bedeutung hat.“

Zwei weitere Teilnehmerinnen aus Friedrichshafen berichteten: „Wir sind vom Direktor für den Unterricht frei gestellt worden.“ Er habe von Schülern genaue Gründe hören wollen, warum sie streiken und habe dann entschieden, wer zur Demo darf und wer nicht.

OB beobachtet alles aus dem Büro

Hoch über dem Geschehen am Marienplatz beobachtete Oberbürgermeister Daniel Rapp die Kundgebung – er schaute aus dem Fenster seines erst kürzlich bezogenen Übergangsbüros im Lederhaus. Viele Schüler hätten ihn lieber auf dem Platz gesehen. „Unterstützung ist meiner Meinung nach nicht, einmal aus dem Fenster zu schauen und zu winken, sondern etwas zu tun“, sagte Schülerratssprecher Eckhardt.

Nach Angaben der Polizei haben rund 800 Jugendliche an der Demo teilgenommen, die Veranstalter sprachen von bis zu 1500 Teilnehmern – darunter auch Lehrer, Eltern und Senioren. Unter anderem aus Friedrichshafen waren Unterstützer angereist.

„Nicht unsere Forderungen sind unrealistisch, sondern der Gedanke, man könne so weiter machen wie bisher“, sagte Sander Frank, der für Fridays for Future Friedrichshafen auf der Bühne stand. Er warf Politikern vor, mehr im Sinne der Wirtschaft und des Geldes zu handeln, als im Sinne des Klimas. Er wolle die Suppe nicht auslöffeln, sondern dabei sein wenn sie gekocht wird. Sein Wunsch: Die Aktion „Fridays for Future“ soll die größte Umweltbewegung werden, „die Deutschland und die Welt je gesehen hat“.

Mehr zum Thema
Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen