Alarm beim Blick nach oben: Wenn das Unwetter aus heiterem Himmel kommt

Gewitterzelle über der Landschaft
Alarm beim Blick nach oben: Warum manches Unwetter sprichwörtlich aus heiterem Himmel kommt. (Foto: Patrick Pleul / dpa)
Crossmedia-Volontärin

Erst scheint noch die Sonne, plötzlich türmen sich dunkle Gewitterwolken auf und innerhalb weniger Minuten regnet und hagelt es. So ist es vor zwei Wochen im Landkreis Lindau passiert, als die Menschen bei Weiler-Simmerberg Hagelkörner wie Schnee von der Straße schippen mussten. Ein solches Gewitter sei sehr schwer vorherzusagen, sagt Wetterexperte Jürgen Hieber von der Wetterwarte Süd. „Innerhalb von zehn Minuten war es da.“

Wann und wo sich solche Hitzegewitter entladen, kann der Wetter-Computer der Experten kaum vorhersagen.

„Wärmegewitter sind Zufallsprodukte“, so Wetterexperte Roland Roth von der Wetterwarte Süd. Anders sei es bei einer Wetterfront, die ein Gewitter vor sich her schiebt. „Die treffen alle.“

Hitzegewitter entstehen hingegen, wenn sich die Luft zum Beispiel durch die Sonne erwärmt. Steigt sie nach oben und trifft dort auf kühlere Luftmassen, bilden sich Wolken.

Diese türmen sich nach oben hin auf, aufsteigende Wassertropfen reiben sich an den weiter oben liegenden Eiskristallen. Positiv und negativ geladene Tropfen teilen sich auf. 

Die entstandene Spannung entlädt sich in Form von Blitzen in der Wolke oder zwischen Wolke und Erdboden und es kann regnen oder hageln.

Hans-guck-in-die-Luft weiß Bescheid

Einen simplen, aber effektiven Tipp, um herauszufinden, ob es im eigenen Ort ein Unwetter gibt, hat Roland Roth für Laien: Sie sollen den Himmel beobachten, denn damit bekommen sie Informationen in Echtzeit. 

Auch im Wetterradar sind die Informationen aktuell: Etwa 30 bis 45 Minuten vorher kann man eingefärbte Radaraufnahmen analysieren und konkrete Vorhersagen fällen. Manche Radarbilder zeigen auch Blitze an, andere nur Regen. Entsprechende Gewitterwolkenbildung am Himmel sollten im Blick behalten werden.

Solange eine Haufenwolke scharfe Ränder hat, ist es noch kein fertiges Gewitter.

Roland Roth

Wenn aber die Ränder ausfransen, ist das Gewitter sozusagen „reif“. Wo genau es sich dann entlädt, ist aber auch von der Windrichtung und der Windstärke abhängig. 

„Langsam heranziehende Gewitter sind gefährlicher“, so Roth. Diese Gewitter bringen mehr Regen und Hagel. Nährboden für Hitzegewitter ist nicht nur die Hitze, sondern es braucht dafür auch feuchte Luft. Deshalb biete die schwül-warme Luft momentan eine gute Grundlage für Wärmegewitter.

Erst am Montagabend hat es auch Teile Bayerns im Bereich des Ostallgäus und Freising getroffen. Bei einem schweren Unwetter am Montagabend in Bayern war nach Angaben des Landratsamtes Freising ein Mensch ums Leben gekommen - ein Radfahrer aus Baden-Württemberg. Es gab zudem einen Schwerverletzten, teilte Landkreis-Sprecherin Eva Zimmerhof am Montagabend mit.

Der Zugverkehr zwischen Freising und Landshut über Moosburg/Isar war bis einschließlich Dienstag eingestellt.

Anwohner erzählen im Bayerischen Rundfunk, es habe mit starkem Regen und Hagel begonnen, dann sei ein starker Wind aufgekommen, innerhalb von nur zehn Minuten sei wieder alles vorbei gewesen. Die Gewitter haben punktuell eine Schneise der Verwüstung hinterlassen.

Und auch in Oberschwaben und am Bodensee hat es in der vergangenen Nacht auf Mittwoch gewittert. Dabei waren Sturmböen, Starkregen und vor allem Blitz und Donner.

Mehrere Gewitterzellen hatten sich über dem Bodensee gebildet und zogen von Westen nach Osten. Mit den Gewittern hat es auch etwas abgekühlt. Im Laufe des Nachmittags und am Abend nimmt das Gewitterrisiko aber laut DWD wieder zu. 

Neue Gewitter ziehen heran - Unwetter möglich

Extreme Unwetter mit Starkregen werden auch in den nächsten Tagen in Teilen Baden-Württembergs erwartet. Nachdem es schon am Mittwochmittag vereinzelt erste leichte Gewitter gegeben hat, erwartet der Deutsche Wetterdienst (DWD) in der Nacht weitere Gewitter im Südwesten.

Am Donnerstag kann es ab dem Nachmittag zu einzelnen starken Gewittern im ganzen Land kommen. Dabei kann es zum Teil „extrem heftigen Starkregen“ bis zu 60 Litern pro Quadratmeter in der Stunde geben, teilte ein DWD-Sprecher am Mittwoch mit.

Auch Hagel und schwere Sturmböen um die 100 Kilometer pro Stunde sind lokal möglich. Es werden Temperaturen bis zu 32 Grad im Oberrheingraben erwartet.

Auch am Freitag soll es laut DWD weitere Schauer und Gewitter in Baden-Württemberg geben. Ruhiger soll es wieder am Samstag werden.

 

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