Hilflos bei Erster Hilfe? Warum die Angst vor Fehlern der größte Fehler ist

Lesedauer: 10 Min
Häufig wissen die Ersthelfer im Ernstfall nicht, wie eine Herz-Druckmassage funktioniert.
Häufig wissen die Ersthelfer im Ernstfall nicht, wie eine Herz-Druckmassage funktioniert. (Foto: LI.KE)
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Einmal den verpflichtenden Erste-Hilfe-Kurs im Zuge der Führerscheinprüfung absolviert, doch danach gibt es jahrelang keine Berührungspunkte mehr mit dem Thema - so geht es vielen Menschen, die dann im Ernstfall unsicher sind, was sie als Ersthelfer zu tun haben.

Vor allem, wenn der letzte Kurs schon Jahrzehnte zurückliegt, trauen sich viele nicht, bei einem Notfall wirklich einzugreifen. Dabei ist man laut Paragraf 323c Strafgesetzbuch sogar zum Helfen verpflichtet.

Man kann eigentlich gar nichts falsch machen.

Stefan Osche, Fachreferent für Erste Hilfe beim DRK

„In den 80er-Jahren sahen Erste-Hilfe-Kurse noch ganz anders aus als heute, da wurde oft der Eindruck vermittelt, dass das alles sehr kompliziert sei“, sagt Stefan Osche, Fachreferent für Erste Hilfe beim Deutschen Roten Kreuz. Die Bedenken, die viele dadurch hätten, seien aber unbegründet: „Man kann eigentlich gar nichts falsch machen“, betont Osche.

Die Statistik zeigt zwar, dass immer mehr Menschen bereit sind, zu helfen - rund 40 Prozent greifen als Ersthelfer ein.  „Aber das sind immer noch zu wenige. Andere Länder, zum Beispiel in Skandinavien, sind da deutlich besser“, erklärt Osche.

Kurse sind interaktiver geworden

Aus medizinischer Sicht und von den Inhalten her habe sich bei den Erste-Hilfe-Kursen zwar in den vergangenen Jahren nicht viel verändert. Doch heutzutage liege der Fokus darauf, nur die nötigsten Kenntnisse zu vermitteln und diese möglichst einfach und verständlich zu erklären.  „Das soll zum Beispiel dadurch gelingen, dass die Kurse viel interaktiver sind als früher“, so Osche.

Schienen anlegen hat Zeit, bis der Notarzt kommt

Die Priorisierung der Erste-Hilfe-Maßnahmen, die in den Kursen gelehrt werden, habe sich ebenfalls verändert. So hätten die Teilnehmer früher beispielsweise auch die Pulskontrolle geübt.  „Es ist allerdings in der Praxis gar nicht so einfach, den Puls bei einem Bewusstlosen zu erkennen“, sagt Osche.

Auch wie man bei Knochenbrüchen eine Schiene anlegt, müssten die Teilnehmer heutzutage bei den Grundlagenkursen nicht mehr lernen. Für ausführlichere Erste-Hilfe-Kenntnisse gebe es spezielle, erweiterte Kurse. Diese sind auch für jeden Pflicht, der Ersthelfer in einem Betrieb ist. Alle zwei Jahre steht dann eine Auffrischung an.

Mit jeder Minute, in der nicht geholfen wird, verringert sich die Überlebenschance um rund zehn Prozent.

Stefan Osche, Fachreferent für Erste Hilfe beim DRK

Auch in der Länge seien die Grundkurse etwas gestrafft worden - von 16 auf neun Unterrichtsstunden. „Die Wiederbelebung hat klar Priorität“, stellt Osche klar. Viele andere Maßnahmen hätten Zeit, bis der Rettungsdienst da ist. „Aber bei einem Kreislaufstillstand zählt wirklich jede Minute“, so Osche. „Mit jeder Minute, in der nicht geholfen wird,  verringert sich die Überlebenschance um rund zehn Prozent.“

Apps für Erste Hilfe

Selbst das Smartphone kann heutzutage im Notfall bei der Wiederbelebung helfen. Das Deutsche Rote Kreuz bietet mittlerweile zwei Erste-Hilfe-Apps an: Eine kostenlose, die über die Grundlagen der Ersten Hilfe informiert sowie eine zweite App, mit der sich auch ein Notruf absetzen lässt und die einen eingebauten Assistenten hat, die mit Text und Audio-Anweisungen durch die Notfallsituation leitet. Diese kostet rund einen Euro.

Umfrage: Erste-Hilfe Kenntnisse
Gemacht haben ihn viele – zumindest jeder, der einen Führerschein besitzt: den Erste-Hilfe-Kurs. Eine Wiederholungspflicht für die Auffrischung des erlernten Wissens gibt es in Deutschland aber nicht.

Insgesamt beobachtet Osche, dass viele Menschen in Deutschland zwar Basiswissen in Erster Hilfe hätten -  „Aber je länger der Führerscheinkurs zurückliegt, desto mehr verblassen diese Kenntnisse und dann hat man Angst, etwas falsch zu machen.“ Deshalb sei es wichtig, dieses Wissen regelmäßig aufzufrischen.

Zwei Drittel aller Kreislaufstillstände passieren zu Hause, und nicht auf der Straße.

Stefan Osche, Fachreferent für Erste Hilfe beim DRK

Denn man könne sich nicht darauf verlassen, dass bei einem Notfall immer gerade jemand in der Nähe ist, der weiß, was zu tun ist. „Zwei Drittel aller Kreislaufstillstände passieren zu Hause, und nicht auf der Straße“, klärt Osche auf. Das DRK empfiehlt daher alle zwei Jahre die Teilnahme an einem Erste-Hilfe-Kurs.

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