Hilferuf im Netz: Der Oberschwabenklinik gehen die Schutzmasken aus

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Die Vorräte an Schutzkleidung reichen nur für eine begrenzte Zeit.
Die Vorräte an Schutzkleidung reichen nur für eine begrenzte Zeit. (Foto: OSK)

„Wir brauchen Eure Unterstützung! Unsere Vorräte an Schutzkleidung reichen nur für begrenzte Zeit. Insbesondere Masken werden knapp.“ Zu diesem Aufruf in den sozialen Medien Facebook und Instagram hatte sich der Krisenstab der Ravensburger Oberschwabenklinik (OSK) am Montagabend entschlossen.

Die Resonanz ist überwältigend: Am späten Mittwochnachmittag hatte diese Nachricht über 145.000 Menschen erreicht. Mehr als 200 Angebote sind beim Krankenhaus eingegangen. Momentan wird geprüft, was davon im Klinikbetrieb verwendbar ist.

„Schutz unseres Personals hat allerhöchste Priorität“

Hintergrund der Aktion: Weil der Nachschub stockt, komme man nicht so lange wie ursprünglich angenommen mit Schutzmasken und -anzügen hin. Genauer gesagt, könnte es nächste Woche bereits knapp werden, wie OSK-Pressesprecher Winfried Leiprecht auf Anfrage mitteilt. Auslöser: Ein großes Unternehmen sei auf Monate hinweg nicht mehr lieferfähig. Warum? „Da wurde offenbar vieles in und für China hergestellt“, mutmaßt Leiprecht.

Inzwischen sei ein Mitarbeiter nur dafür abgestellt, noch irgendwo irgendwelche Lieferanten ausfindig zu machen. Allerdings bekomme man häufig lediglich Teilmengen in Aussicht gestellt, wenn man irgendwo Schutzkleidung bestellen wolle. Da „der Schutz unseres Personals für uns aber allerhöchste Priorität hat“, wie Leiprecht deutlich macht, habe man sich nun zusätzlich für den unkonventionellen Hilferuf über die sozialen Medien entschieden.

Riesige Unterstützungsbereitschaft

Im Detail hieß es in dem Aufruf: „Ihr verfügt über einen Bestand an Mund-Nasen-Schutz beziehungsweise FFP2/FFP3-Masken oder Schutzkittel? Originalverpackt und CE-zertifiziert? Helft uns, indem Ihr uns dieses Material zur Verfügung stellt. Selbstverständlich gegen Bezahlung. Bitte meldet Euch! Damit wir auch weiterhin für Euch da sein können und dabei selbst ausreichend geschützt sind!“

Der Appell hatte Erfolg – so viel Echo gab es in den vergangenen acht Jahren auf den digitalen Kanälen nur einmal. Nämlich als das Klinikpersonal die Bürger vor Kurzem dazu aufrief, zu Hause zu bleiben, damit sie weiter ihren Job machen können. „Offenbar bewegt das Thema die Menschen auch in den sozialen Netzwerken – die riesige Unterstützungsbereitschaft ist sehr erfreulich für unsere Mitarbeiter“, gibt sich Leiprecht hoffnungsfroh.

Konkret wollen nun Privatleute Stoffmasken für die – insgesamt 2800 – Krankenschwestern, Pfleger und Ärzte nähen. Außerdem wurden Firmen vorstellig, die kommerziell Schutzausrüstung anbieten. Und schließlich sind Betriebe bereit, ihre Vorräte zu plündern und der Klinik zur Verfügung zu stellen. Es dürfte gut zwei Tage dauern, ehe man zu allen Kontakt aufgenommen hat, die sich gemeldet haben, so Leiprecht.

Mit den Hygieneexperten des OSK werde geprüft, was tatsächlich im Krankenhaus einsetzbar ist. Bei den über 800 Schutzmasken, die ein Farbengeschäft angeboten hat, könnte es möglicherweise klappen.

Grundsätzlich muss Krankenhauspersonal, das sich um Corona-Patienten kümmert, eine ganz bestimmte, EU-zertifizierte Maske mit einer speziellen Schutzstufe, die über ein Ventil verfügt, überziehen, die auch den Träger selbst vor Partikeln und Tröpfchen in der Luft schützt. In anderen Bereichen „im normalen Betrieb“ genüge auch ein herkömmlicher Mund-Nasen-Schutz aus geeignetem Stoff, so der Pressesprecher. FFP2-Masken schützen beim Einatmen und verfügen über ein Ausatemventil.

Intensiv-Betten wurden auf 113 aufgestockt

Auch in der Oberschwabenklinik werden immer mehr Corona-Patienten behandelt: Waren es in der vergangenen Woche nur drei bis vier, liegen inzwischen acht Patienten mit einer bestätigten Corona-Infektion auf der Isolierstation, vier weitere, deren Krankheitsverlauf Leiprecht als „schwer“ bezeichnet, auf der Intensivstation. Vier Corona-Patienten sind als geheilt entlassen worden.

Man rechne allerdings damit, dass in nächster Zeit mehr Corona-Kranke eingeliefert werden. Dafür ist man insofern gewappnet, als eine ganze Isolierstation mit 20 Betten in Ravensburg und weitere acht Betten in einer Isolierstation in Wangen für diese Patienten zur Verfügung stehen. Insgesamt wurden die Betten im Intensivbereich für etwaige Corona-Kranke in sämtlichen Häusern der OSK mittlerweile auf 113 aufgestockt. 53 davon sind mit Beatmungsgeräten ausgestattet.

 1500 der dringend benötigten FFP2-Masken hat die Firma Rose aus Hergensweiler zum Westallgäu-Klinikum in Wangen gebracht. Elisa
1500 der dringend benötigten FFP2-Masken hat die Firma Rose aus Hergensweiler zum Westallgäu-Klinikum in Wangen gebracht. Elisabeth Pfender, Leiterin der Intensivstation, nimmt die Pakete mit Freude entgegen. (Foto: Oberschwabenklinik)

Personalmangel herrscht derzeit insofern nicht, als (bis auf die medizinisch dringlichen Fälle) sämtliche planbaren Eingriffe und Behandlungen auch in der Oberschwabenklinik zurückgefahren wurden. Mit dem Ergebnis, „dass wir gegenüber sonst eine relativ schwache Belegung haben“, so Leiprecht.

Inzwischen seien 80 Pflegekräfte für einen etwaigen Einsatz im Intensivbereich weitergebildet worden. Unter den Mitarbeitern selbst gab es zwar mehrere Verdachtsfälle, keiner davon sei aber bestätigt worden, so Leiprecht. Generell gelte, dass Klinikpersonal im Labor prioritär auf das Virus getestet werden.

Derweil „hören und erleben wir“, dass im Zuge der Corona-Pandemie „Firmen auf den Markt drücken, die horrende Preise für Schutzkleidung verlangen“, berichtet der Pressesprecher. Inklusive Vorkasse auf ausländische Konten. Weil das den Verantwortlichen der OSK dubios vorkommt, will man „diese Machenschaften schwarzer Schafe nicht unterstützen“, wie Leiprecht betont. Man versuche weiterhin, sich zu seriösen Preisen einzudecken.

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