Hilfe in der Coronakrise: Diakonie organisiert Einkaufsservice in Ravensburg

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Ein Einkaufswagen wird durch einen Supermarkt geschoben: Die Diakonie bietet jetzt einen Einkaufsservice für Menschen an, die wegen der Gefahr einer Ansteckung mit dem Coronavirus nicht mehr aus dem Haus gehen dürfen oder wollen. (Foto: Archiv: Fabian Sommer/dpa)

Das Diakonische Werk in Ravensburg hat übers Wochenende einen Einkaufsdienst für Menschen in häuslicher Isolation organisiert. Das teilte Diakon Gerd Gunßer am Montag mit. Der Dienst ist ab Mittwochmorgen verfügbar. „Die Diakonie möchte zu Solidarität und Besonnenheit aufrufen und zeigen, dass man in schwierigen Zeiten zusammenhalten muss“, sagte Gunßer.

Das öffentliche Leben wird auch in Ravensburg immer weiter heruntergefahren, um die Verbreitung des Coronavirus zu verlangsamen. Supermärkte bleiben geöffnet, auch Wochenmärkte finden statt, um die Bevölkerung zu versorgen.

Wer allerdings wegen einer Infizierung mit dem Coronavirus in Quarantäne ist, oder sich als gefährdete Person nicht mehr aus dem Haus traut, bekommt jetzt Hilfe angeboten: Diese Personen können sich ab Mittwochmorgen um 10 Uhr telefonisch bei der Diakonie melden, wie Gunßer erklärt. Die Nummer für den Einkaufsservice lautet: 0751 / 29590416. Von einer ehrenamtlichen Mitarbeiterin wird die Bestellung entgegengenommen. Die Betroffenen können auch sagen, wo sie in der Regel einkaufen. Dann steuert einer von sechs ehrenamtlichen Einkäufer den entsprechenden Laden an, besorgen die Produkte und stellt sie in einer Papiertüte vor der Haustür des Betroffenen ab.

Geldbetrag soll überwiesen werden

Der Bon wird dazugelegt. Damit die Ehrenamtlichen keinen Kontakt mit (möglicherweise) erkrankten Personen haben, sollen die Belieferten den Rechnungsbetrag an die Diakonie überweisen. Entsprechende Bankdaten werden mit dem Kassenzettel hinterlassen.

Der Angebot richtet sich aktuell an Bürger von Ravensburg und seinen Ortsteilen. Gunßer betont, dass nur in haushaltsüblichen Mengen eingekauft werde. „Der Service soll nicht fürs Hamstern von zuhause aus genutzt werden“, so Gunßer. Neben Lebensmitteln, dringend benötigten Haushalts- und Drogerieartikeln könne auch Tierfutter von den Ehrenamtlichen auf Bestellung eingekauft werden.

Gunßer aktiviert Fahrer der Vesperkirche

Die Idee für den Einkaufsservice hatte Diakon Gunßer in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag vergangener Woche. „Das ist eine schnell gestrickte Aktion“, sagt er. Aber in diesen Tagen könne man eben nicht mit einem wochenlangen Vorlauf arbeiten. Die sechs ehrenamtlichen Einkäufer hatte Gunßer schnell beisammen – es handelt sich um die Fahrer, die schon vor einigen Wochen bei der Vesperkirche im Einsatz waren. Sie werden beim Einsatz alle ein entsprechendes Schild an der Jacke tragen, das sie als Ehrenamtliche der Diakonie ausweist.

„Ich bin dankbar und froh, dass die Ehrenamtlichen schnell zugesagt haben, damit wir unbürokratisch helfen können“, so Gunßer. Die Einkäufe könnten durch Spenden, die der Diakonie zugegangen sind, vorfinanziert werden. Er hoffe, dass die nachträgliche Bezahlung funktioniere und niemand aus der Aktion Profit schlagen wolle, indem er die Überweisung nicht erledigt.

Weitere Ehrenamtliche können sich anschließen

Auch Privatleute haben in der Stadt bereits per Aushang Einkaufshilfen angeboten. Gunßer bietet an, dass sie sich der Aktion der Diakonie anschließen können. Wer im Auftrag der Diakonie unterwegs sei, sei über eine Ehrenamtsversicherung auch abgesichert. Ehrenamtliche, die sich für die Mitarbeit interessieren, können sich bei der Diakonie unter der Telefonnummer 0751 / 29590410 melden.

Auch die Inhaber einiger Lebensmittelläden haben sich für einen Lieferservice entschieden, zum Beispiel Erhan Arslan. Er betreibt Arneggers Ernteladen, einen kleinen Direktversorger in einem Ravensburger Wohngebiet. „Hier wohnen viele Ältere mit Vorerkrankungen, die meiner Meinung das Haus jetzt nicht verlassen sollten“, sagte er am Montag. Ab Dienstag, 17. März, will er Bestellungen entgegennehmen und die Ware nach Ladenschluss selber zu den Kunden fahren. „Ich mache das aus Solidarität“, sagt er. Er wolle nichts dafür verlangen, sondern einfach helfen. Allerdings könne er den Service nur für Kunden in einem kleinen Umkreis anbieten. Wo genau die Grenze verläuft, sei schwierig. „Da müssen wir abwägen, sobald es losgeht“, sagt er.

Für die südlichen Ravensburger Stadtteile Eschach und Weißenau bietet der Hofladen Biegger aus Meckenbeuren ab Donnerstag, 19. März, die Auslieferung von Produkten aus seinem Sortiment an, wie die Familie Biegger im Sozialen Netzwerk Facebook bekanntgegen hat.

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