Herzchen-Flitter und Schnaps

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Was fürs Auge und was fürs Ohr: Leadsängerin Jennifer Weist von der Band Jennifer Rostock. (Foto: Felix Kästle)
Kerstin Schellhorn
Redakteurin SZ Riedlingen

Was fürs Auge, was fürs Ohr und was für die Muskeln – die Berliner Elektro-Punk-Band Jennifer Rostock hat viel zu bieten. Beim „Oberschwaben ist bunt“-Festival in der Ravensburger Oberschwabenhalle schwenkte Sängerin Jennifer Weist die Regenbogen-Flagge für mehr Toleranz – und kippte einen Schnaps nach dem anderen. Prost!

Dass die 27-jährige Sängerin was für’s Auge ist, wird sicherlich niemand bestreiten: Auf der Bühne der Oberschwabenhalle erschien sie mit einem hautengen, teils transparenten Body, dazu einen traumhaften Ausschnitt sowie jede Menge Tattoos und Piercings. Jennifer Rostock sind aber auch was fürs Ohr, und wenn die Frontfrau den spitzen Elektrobeats und ihrer kreischenden Stimme auch optisch Genüge tun will, muss eben ein knapper Fetzen in blauer Metallic-Optik her.

Im Gepäck hatten die fünf Berliner ihr neues Album „Schlaflos“, das jüngst auf Platz 2 der deutschen Albumcharts eingestiegen ist. Den titelgebenden Song sparte sich die Band überraschenderweise bis zum Schluss auf und präsentierte ihn erst zum Ende der Zugabe. „Schlaflos“ knallt nicht so rein wie das übliche Jennifer-Rostock-Repertoire, sondern schlägt leisere Töne an. Ein Song, der beweist, dass eine kleine, aber feine Tastenkombination auf dem Keyboard ausreicht, um einem ganzen Festival ein bezauberndes Ende zu bescheren.

Die Band liebt aber auch die große Geste, und so knallten rote Herzchen aus Flitter-Kanonen und zwei Mädchen aus dem Publikum durften zum Hit „Feuer“ gemeinsam mit Weist ins Mikro grölen. Für die 22-jährige Föni gab es zur Belohnung einen Schnaps, die 17-jährige Laura musste sich hingegen mit Bier begnügen. Bei Jennifer Rostock achtet man bei allem Spaß nämlich auch auf den Jugendschutz.

Weil die Band ja aber auch was für die Muskeln ist, gab es bewährte Klassiker wie „Himalaya“, aber auch neue Stücke wie „Du nimmst mir die Angst“, zu hören, bei denen es äußerst schwer fällt, ruhig stehen zu bleiben. Letzteres nach Weists Aussage übrigens das einzige Liebeslied, das sie je geschrieben hätten.

Und natürlich hielten Jennifer Rostock auch nicht mit ihrem Wahlspruch hinterm Berg, der zu diesem Festival so gut passte wie kein anderer: „Nazis raus, Schwanz rein!“ Ein provokantes Wort, vielleicht auch ein obszönes, aber eben auch ein wahres.

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