Hermann Vogler folgt auf Viktor Grasselli

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Schwäbische Zeitung

Die Elektrifizierung der Südbahn zwischen Ulm und Lindau ist eine uralte Forderung der Region. Schon als Vogler hauptamtlicher Direktor des damals noch jungen Regionalverbandes war (1974-1987), gab es diesen Wunsch nach Anschluss der Region ans schnelle Schienennetz. Er ist noch immer unerfüllt bis jetzt, da der bald scheidende Ravensburger OB als Verbandsvorsitzender wieder die Führung in der Regionalplanung übernimmt. Doch Köberle, CDU-Landtagsabgeordneter und Staatssekretär im Innenministerium, brachte jetzt die Zusage mit, dass das Land Baden-Württemberg die nötigen sechs bis acht Millionen Euro für die weitere Planung übernimmt. In der Antwort auf eine Anfrage der Grünen hieß es bereits, dass 2012 bis 2015 der Bau der Südbahn möglich wäre. Wie und wann allerdings die rund 140 Millionen Euro von Bund und Land finanziert werden, steht noch in den Sternen, vielmehr den künftigen Haushalten.

Vogler selbst wertete dies als "Durchbruch und echte Chance für die Südbahn". Belohnt würden damit auch die 26 Mitglieder der kommunalen Interessengemeinschaft, die mit 1,4 Millionen Euro die erste Planung auf eigene Rechnung betrieben haben. Für ihn bedeutet die einstimmige Wahl zum Vorsitzenden des Regionalverbandes Bodensee-Oberschwaben eine Rückkehr zu den Wurzeln. War er doch unter Vorsitz von Karl Wäschle, seinem Vorgänger im Amt des Ravensburger Oberbürgermeisters, 13 Jahre lang Geschäftsführer des regionalen Planungsverbandes. Jetzt übernimmt er in ehrenamtlicher Funktion die Nachfolge von Viktor Grasselli.

Beide sind "kommunalpolitische Langstreckenläufer", wie zahlreiche Laudatoren gestern im Ravensburger Schwörsaal anerkannten. Grasselli, Jurist und einst Bürgermeister in Tettnang, gehörte der Verbandsversammlung 29 Jahre lang an und war seit 15 Jahren deren Vorsitzender. "Sie haben immer die ganze Region gesehen, alle 87 Kommunen gleichermaßen im Blickfeld gehabt", bescheinigte Norbert Zeller, der SPD-Landtagsabgeordnete aus Friedrichshafen, dem CDU-Kommunalpolitiker. Mit Visionen im Kopf habe Grasselli immer das Machbare angestrebt. Regionale Pläne zur Nutzung der Windenergie, zur Rohstoffsicherung, zum MTU-Logistik-Lager bei Kluftern, zum Spieleland bei Meckenbeuren oder zum Linzgau-Seepark in Pfullendorf nannte Zeller als Merkposten für komplizierte Verfahren, die eine kompetente Führung verlangten. Fakt sei, dass in der Region Bodensee-Oberschwaben die glücklichsten Menschen leben, wie in der bundesweiten Online-Erhebung "Perspektive Deutschland 2006" ermittelt wurde.

Gute Gaben zum Abschied gab es vom Grünen-Fraktionssprecher Jürgen Lang: regionale Spezialitäten vom Bodenseefelchen bis zum Kräutertee aus Beuron. Lobende Worte steuerte für die CDU der Sigmaringer Landrat Dirk Gaerte bei: "Als Mann von Maß und Mitte hat Grasselli uns zielortientiert geführt." Seine Studien- und Ausbildungsorte Stockholm Cambridge, Paris und München zeigten, dass er als Spross der Freien Reichsstadt Ravensburg weit über den Tellerrand hinausblicken könne. Das Abschiedsgeschenk, ein Zeppelinflug, möge dem weiteren Weitblick dienen. Grasselli habe den tiefgreifenden Strukturwandel des oberschwäbischen Bauernlandes zu einer wirtschaftsstarken Region mitgestaltet, anerkannte Staatssekretär Köberle. Auch jetzt habe die Verbandsversammlung eine gute Wahl für ihren Vorsitzenden getroffen: Hermann Vogler sei ein erfahrener Kommunalpolitiker, der schon immer weit über die Grenzen der Stadt hinaus in die Region geschaut habe.

Von unserer RedakteurinSibylle Emmrich

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