„Helfen bringt Freude“ – So unterstützt Weltpartner den Kampf um Kinderrechte besonders zu Corona-Zeiten

Lesedauer: 6 Min
Die Zustände in philippinischen Kindergefängnissen sind katastrophal. Die Kinderschutzorganisation Preda ist auf Unterstützung a
Die Zustände in philippinischen Kindergefängnissen sind katastrophal. Die Kinderschutzorganisation Preda ist auf Unterstützung angewiesen. (Foto: Preda)

Die Ravensburger Fairhandelsgenossenschaft Weltpartner übernimmt seit Jahren soziale Verantwortung in der Gesellschaft. Weltpartner unterstützt mit dem Verkauf von getrockneten Mangos die Arbeit der Kinderschutzorganisation Preda. Die „Schwäbische Zeitung“ sammelt jährlich mit der Spendenaktion „Helfen bringt Freude“ Hilfsgelder für missbrauchte und ehemalige inhaftierte Kinder auf den Philippinen. Thomas Hoyer, Geschäftsführer von Weltpartner erklärt, wie Corona die Lage vor Ort beeinflusst.

Verheerende Bilder in Kindergefängnissen

Auf den Philippinen herrscht Armut, viele Kinder werden zu Opfern im Überlebenskampf oder im Drogenkrieg. Die Zustände in den Kindergefängnissen sind katastrophal, sagt Hoyer. Auf engstem Raum werden sie in Gruppen eingepfercht – zu unmenschlichen Hygienebedingungen. Übergriffe seien alltäglich. „Kinder und Jugendliche werden wie in Käfigen gehalten. Es gleicht einer Massentierhaltung.“

Die Preda-Stiftung unter der Leitung von Pater Shay Cullen setzt sich für die Stärkung der Kinderrechte ein. Mit einer eigenen Rechtsabteilung holt er Kinder aus den Gefängnissen, betreut diese sowie sexuell missbrauchte Kinder psychologisch und gibt ihnen eine neue Heimat. Um Kinderprostitution als eine Folge extremer Armut zu verhindern, schafft Preda außerdem mit Hilfe des Fairen Handels verbesserte Einkommen auf dem Land.

In dem Kinderschutzzentrum am Rand der Hafenstadt Olongapo, das etwa zweieinhalb Stunden von der philippinischen Hauptstadt Manila entfernt liegt, leben aktuell 54 Mädchen und 48 Jungen. Die Jüngsten sind zwischen acht und zehn Jahre alt. „Durchschnittlich verbringen Jugendliche zwei Jahre im Heim, die Jüngeren bleiben länger und mit 16 Jahren werden sie entlassen“, sagt Hoyer.

Corona verstärkt Armut massiv

Die Corona-Krise hat auch das Leben auf den Philippinen geprägt – die Leidtragenden seien vor allem unter der ärmsten Bevölkerungsschicht, so Hoyer.

Die Corona-Krise hat auch das Leben auf den Philippinen geprägt – die Leidtragenden sind vor allem unter der ärmsten Bevölkerung
Die Corona-Krise hat auch das Leben auf den Philippinen geprägt – die Leidtragenden sind vor allem unter der ärmsten Bevölkerungsschicht. (Foto: Preda)

„Auf den Philippinen wurde über Monate hinweg ein harter Lockdown verhängt, der verhindert hat, dass die Leute arbeiten gehen können“, sagt Hoyer im Gespräch mit der „Schwäbischen Zeitung“. Mittlerweile tritt eine leichte Normalisierung des Lebens ein, denn die Infektionszahlen sinken wieder etwas, so Hoyer. „Offiziell hat das Land 7000 Corona-Tote bei über 100 Millionen Einwohner verzeichnet“, sagt der Geschäftsführer von Weltpartner. Viele Menschen haben aufgrund der Ausgangsbeschränkung ihre Arbeit verloren. Hoyer schätzt die Zahl der Jobverluste auf sieben Millionen. Die Wirtschaft sei am Boden – viele Kleinbauern im Hinterland hatten keine Möglichkeit ihre Erzeugnisse zu verkaufen, erklärt er weiter.

70 Euro können ein Leben retten

„Aufgrund des Coronavirus hat die Regierung vor Kurzem eine Art Sperre verhängt, Kinder und Jugendliche aus den staatlichen Jugendanstalten raus holen zu können.“ Darin besteht allerdings die Hauptaufgabe von Preda. Momentan kann die Organisation also nicht aktiv handeln. „Ein Kind kann mit 70 Euro aus dem Gefängnis geholt werden, indem Sozialarbeiter vor Ort die Namen aufnehmen und Anwälte den Fall prüfen“, sagt Hoyer.

Die Kinderschutzorganisation und der Leiter Pater Shay Cullen ließen nicht zu, dass Corona auch in den Heimunterkünften der Kinder wütet. Die Stiftung setzt deshalb auf Schichtbetrieb im Arbeitsalltag. Die Sozialarbeiter arbeiten im Wochenwechsel. „45 lokale Mitarbeiter werden zudem angehalten, dass sie keine großen Außenkontakte pflegen – zum Schutz der Kinder“, sagt Hoyer.

Weniger Einnahmen –Mehr Ausgaben

Im Heim auf den Philippinen sei daher seit Beginn der Pandemie kein einziger Corona-Fall, weder unter den Kindern noch unter den Mitarbeitern, aufgetreten. Dennoch leidet Preda unter der doppelten Belastung – höhere Ausgaben für Hygiene- und Schutzmaßnahmen wie Mund- und Nasenbedeckungen, sowie niedrigere Einkommen aufgrund von Auftragsstornierungen der Handelspartner.

Denn: Die Corona-Krise gefährde die Fair-Trade-Strukturen. „Viele Handelspartner der Kleinbauern haben ihre Aufträge teilweise oder ganz storniert“, so Hoyer. Weltpartner hingegen hat seine Auftragszahlen und Abnahmemengen konstant gehalten. „Uns war wichtig, dass der Absatz und die Beziehungen bestehen bleiben“, sagt der Geschäftsführer.

Weltpartner unterstützt mit fair gehandelten Mangos die Wirtschaft.
Weltpartner unterstützt mit fair gehandelten Mangos die Wirtschaft. (Foto: Preda)

Mit getrockneten Mangos das Ursprungsproblem lösen

Armut ist das Hauptproblem für die gesellschaftlichen Missstände, sagt Hoyer. Fairer Handel mit Mangos spiele eine zentrale Rolle in der Prävention. Weltpartner überlässt zehn Prozent seiner Erlöse für fair produzierte und gehandelte Mango-Produkte von philippinischen Kleinbauern der Preda-Stiftung. Die jährliche Gesamtsumme beläuft sich auf etwa 80 Tausend Euro. Davon werden Therapien, Betreuung, Anwälte, Lebensmittel und Mitarbeiter finanziert. „Wir wollen die Armut durchbrechen“, sagt Hoyer.

Um die Jungen und Mädchen in den Heimen versorgen zu können und ihnen eine Lebensperspektive zu ermöglichen, ist die Preda-Stiftung auf Spendengelder angewiesen.

Meist gelesen in der Umgebung

Mehr Inhalte zum Dossier

Die Kommentarfunktion ist für Sie aktuell gesperrt. Bitte wenden Sie sich an unseren Kundenservice für weitere Infos.
Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen

Mehr Themen