„Helfen bringt Freude“: 81 lokale Initiativen sind in aller Welt aktiv

Lesedauer: 11 Min
Pater Alfred Tönnis mit zwei Patienten.
Pater Alfred Tönnis mit zwei Patienten. (Foto: Picasa)
Schwäbische Zeitung

Schulen, Krankenstationen, Kindergärten: Ein Blick auf die 81 lokalen Initiativen, die die Leser der „Schwäbischen Zeitung“ mit ihren Spendengeldern unterstützen, beweist: Vor allem Bildungsprojekte in aller Welt profitieren vom Engagement der Weihnachtsspendenaktion 2018.

Die ehrenamtlich tätigen „Motoren“, also Männer und Frauen aus der Region, haben diesen Schwerpunkt bewusst gewählt und bekämpfen dadurch Fluchtursachen.

Denn Flüchtlingskinder haben generell in vielen Ländern nur wenig Chancen auf gute Bildung, wie aus einem Bericht der Kinderschutzorganisation Unesco hervorgeht. Die Flüchtlingsorganisation der Vereinten Nationen (UNHCR) schätzt die Einschulungsraten von Flüchtlingen weltweit auf nur 61 Prozent an Grundschulen und 23 Prozent an Sekundarschulen. Rund vier Millionen Flüchtlinge im Alter zwischen 5 und 17 Jahren besuchten demnach im Jahr 2017 überhaupt keine Schule. Im Vergleich zu Einheimischen sei es für Flüchtlingskinder fünfmal so wahrscheinlich, nicht zur Schule zu gehen.

Beim Bildungszugang spielt auch die Bleibeperspektive eine Rolle, meinte Susanna Krüger von „Save the Children“: Kinder mit schlechter Bleibeperspektive hätten Schwierigkeiten, Zugang zu qualitativ hochwertiger Bildung zu bekommen.

Hier setzen die Projekte an, von denen fünf auf dieser Seite vorgestellt werden. Die weiteren 76 Initiativen sind unter schwäbische.de/weihnachtsspendenaktion zu finden.

Know-how für den Libanon

Vor gut einem Jahr ist es ins Leben gerufen worden: das Libanon-Projekt der Allgäuer Gemeinden Amtzell, Gestratz, Heimenkirch, Hergatz und Opfenbach. „In kurzer Zeit ist schon viel geschehen“, sagt Paul Locherer, ehemaliger Amtzeller Bürgermeister und einer der Initiatoren in der 4200 Menschen großen Gemeinde im württembergischen Westallgäu. Entwicklungshilfe „von unten“ und die Weitergabe von Know-how sind die Intention. Gehandelt wird im Auftrag des Entwicklungsministeriums der Bundesrepublik Deutschland – und darüber hinaus mit selbst gesammeltem Geld.

Menschen Zugang zu Bildung und Gesundheit geben
Menschen Zugang zu Bildung und Gesundheit geben (Foto: Möllers)

Amtzell ist für die Gemeinde Ra-shiine im Norden des Libanons verantwortlich, die neben 4000 Einwohnern und 600 Flüchtlingen vor allem ein großes Müllproblem hat. „Regen, der die Müllberge einnässt, geht ungefiltert in den Boden“, erzählt Locherer. Was heißt: Die Trinkwasserversorgung ist gefährdet. Müllentsorgung und -trennung sind wichtige Säulen. Bioabfälle sollen künftig zur Stromerzeugung dienen. Es ist ein breites Feld, das die fünf Allgäuer Gemeinden gemeinsam mit den Libanesen beackern: Es reicht von der Wasserversorgung bis hin zur Schul- und Wohnraumbeschaffung oder der medizinischen Versorgung. Die im Allgäu geleistete Hilfe sei „ein kleiner Tropfen auf einen furchtbar heißen Stein“, sagt Locherer.

Hilfe für rumänische Kinder

Der Verein „BuKi – Kinder für Osteuropa“ betreibt eine Kindertagesstätte für Schulkinder und einen Kindergarten in der Gemeinde Cidreag in Rumänien, unweit der Grenze zur Ukraine. Etwa 25 Kinder aus Roma-Familien werden im dortigen BuKi-Haus betreut. Seit zehn Jahren setzt sich der Verein für die Chancengleichheit für diese Kinder im rumänischen Bildungssystem ein. In den Familien der Kinder arbeiten die Eltern meist als Tagelöhner auf den Feldern der Landwirte. Zu Hause verfügen die Kinder oft weder über Tisch noch Stühle noch über sanitäre Anlagen. BuKi vermittelt den Roma-Kindern neben dem Lernstoff für die Schule soziale Kompetenzen wie Höflichkeit, den achtsamen Umgang mit Kleidung und grundlegende Dinge der Hygiene wie regelmäßiges Duschen, Toilettengang und Zahnpflege.

… und das zeigt Patricia heute nach der Betreuung im BuKi-Haus. Sie durfte als Belohnung in einen Aqua-Park in der Nähe von Cidr
… und das zeigt Patricia heute nach der Betreuung im BuKi-Haus. Sie durfte als Belohnung in einen Aqua-Park in der Nähe von Cidreag. (Foto: Sefan Zell, Buki)

Nach einer Kündigung des Mietvertrags für das Gebäude der Kindertagesstätte, hat sich der Verein entschlossen, dieses Haus zu kaufen. Damit möchte der Verein seine Arbeit in Rumänien weiterentwickeln. Mit dem Ausbau der Frühförderung soll erreicht werden, dass Kinder möglichst früh zu BuKi kommen. Auch die Arbeit mit den Eltern soll verstärkt werden. Der Verein finanziert seine Arbeit im wesentlichen Teil über Spenden, darunter die Spenden von SZ-Lesern aus der Weihnachtsaktion der „Schwäbischen Zeitung“.

Krankenhäuser für Syrien

Geflüchteten vor Ort helfen, das möchten der Oblatenpater Alfred Tönnis und die Stiftung „Heimat geben“ aus Oggelsbeuren. Mehr als eine halbe Million Flüchtlinge aus Syrien leben inzwischen in der Bekaa-Ebene im Libanon. Pater Alfred finanziert dort Operationen und möchte schon bald ein Krankenhaus in Syrien eröffnen – mit Spenden aus Deutschland.

Das Geld bringt er persönlich in die Grenzregion. Die Hoffnung vieler Geflüchteten sind die Medical Center, kleine Krankenhäuser an der Landesgrenze. Seit Jahren unterstützt Pater Alfred die Einrichtungen, rund 70 000 Euro hat er bereits in den Libanon gebracht. Er will auch weiterhin auf Kontrolle setzen. Wenn er den Ärzten vor Ort das Geld gibt, lässt er sich die Operationen genau dokumentieren. „Ich bin dabei noch nie enttäuscht worden“, sagt er. „Doch mir geht es um Offenheit. Ich möchte das so transparent wie möglich halten.“

Die Reaktionen der Menschen vor Ort seien bewegend: „Ich sehe immer Freude bei Menschen, denen wir helfen konnten.“ Viele bedankten sich überschwänglich und seien schon glücklich, wenn man sie in ihren ärmlichen Wellblechdörfern besuche. Dann wird Pater Alfred eingeladen und bekommt Tee angeboten. „Ihre größte Angst ist, dass sie einfach vergessen werden“, erzählt er. „Sie sind schon dankbar, wenn man sie ins Blickfeld rückt.“

Brunnenbau, Aidshilfe, Schulbildung

Vier Helfergruppen in Burundi, Tansania und Uganda unterstützt die SZ-Redaktion Laichingen in diesem Jahr mit der Weihnachtsaktion „Helfen bringt Freude“.

Rund 55 Jahre wirkte der Westerheimer Afrikamissionar Pater Benno Baumeister in Burundi in Zentralafrika, wo er zahlreiche soziale Projekte initiierte. Seit einigen Wochen lebt er krankheitsbedingt in einer Gemeinschaft bei Haigerloch, will aber in der burundischen Hauptstadt Bujumbura trotzdem den weiteren Innenausbau des Mutter-Kind-Hauses im Aidszentrum „Nouvelle Espérance“ im Armenviertel Buyenzi und den Kauf von notwendigen Medikamenten für die Frauen voranbringen.

 Mütter mit ihren Kindern in der von Pater Benno geschaffenen Einrichtung.
Mütter mit ihren Kindern in der von Pater Benno geschaffenen Einrichtung.

Die Situation für Menschen in Armut erträglicher machen, das will auch der evangelische Pfarrer Albrecht Lächele aus Römerstein, seit 2008 ehrenamtlicher Vorsitzender des Kinderwerks Lima. Lächele startete in Burundi Hilfsprojekte und den Bau einer Schule. Fünf soziale Zentren sind entstanden, in denen es um die Grundbedürfnisse geht: Ernährung, Gesundheit oder auch Hausbau, verbunden mit der christlichen Arbeit.

Ein Land in Afrika liegt Jana Rehm aus Westerheim besonders am Herzen: Tansania, eines der ärmsten Länder Afrikas. Sie fördert ein Brunnenprojekt in Ushirombo, einer Kleinstadt in einer sehr trockenen Gegend im Norden Tansanias. Auch das Straßenkinderheim Upendo Daima in Mwanza soll berücksichtigt werden.

Fünf Jahre lang, von 2010 bis 2015, waren Monika und Manfred Hiller mit „Christliche Fachkräfte International“ in einem kirchlichen Hilfsprojekt in Luwero in Uganda engagiert. Damit ihr Einsatz heute noch gute Früchte trägt, haben sie den Verein „Fredmon“ gegründet, der über die evangelische Kirchengemeinde Laichingen Kindern in Uganda eine Schulbildung ermöglichen will.

Mit Kühen gegen die Armut in Kenia

 Christina Schreiber (Vierte von rechts) hat in Kenia 500 Frauen und Familien mit Kühen versorgt. Sie sollen sich so selbst eine
Christina Schreiber (Vierte von rechts) hat in Kenia 500 Frauen und Familien mit Kühen versorgt. Sie sollen sich so selbst eine Lebensgrundlage aufbauen.

„Kühe für Kenia“ heißt der Slogan, dem sich der Verein Women for Women seit 2011 verschrieben hat. Kopf des Projekts ist Christina Schreiber, die nach mehreren Afrikareisen die Initiative ergriffen hat. Die Idee: Der Verein kauft alleinstehenden Frauen und Familien eine Kuh, damit sich diese selbst eine Existenz aufbauen können. „Das läuft inzwischen super“, sagt Schreiber. „Die Familien haben lange etwas davon, weil die Kühe ja Kälber bekommen – das ist natürlich toll für die Frauen, darauf können sie aufbauen.“ Mehr als 500 Kühe hat der Verein schon verschenkt. Vor Ort regelt inzwischen ein Organisationsteam, dass auch wirklich diejenigen Hilfe bekommen, die sie brauchen. Aber: „Wir haben immer wieder Fälle erlebt, in denen unser Konzept nicht umsetzbar ist, weil manche Frauen keine Kuh halten können. Sie sind einfach zu alt oder krank“, sagt Schreiber. Deshalb hat Women for Women – auch mit dem Geld der Leser der „Schwäbischen Zeitung“ – ein weiterführendes Projekt angestoßen. Aktuell versorgt der Verein 20Witwen, Witwer und Kranke 14-tägig mit Grundnahrungsmitteln, ab 2019 sollen es 40 sein.

Meist gelesen in der Umgebung
Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen